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lars |
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<?php
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3 |
namespace Faker\Provider\de_CH;
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4 |
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class Text extends \Faker\Provider\Text
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6 |
{
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7 |
/**
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8 |
* The Project Gutenberg EBook of Die Leiden des jungen Werther--Buch 1, by
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9 |
* Johann Wolfgang von Goethe
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10 |
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11 |
* This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
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12 |
* almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
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13 |
* re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
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14 |
* with this eBook or online at www.gutenberg.org
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15 |
*
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16 |
* Title: Die Leiden des jungen Werther--Buch 1
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17 |
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18 |
* Author: Johann Wolfgang von Goethe
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19 |
*
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20 |
* Posting Date: June 28, 2011 [EBook #2407]
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21 |
* Release Date: November, 2000
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22 |
*
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23 |
* Language: German
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24 |
*
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25 |
* *** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER ***
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26 |
*
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27 |
* Produced by Michael Pullen, globaltraveler5565@yahoo.com
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28 |
* with proofreading and correction by Dr. Mary Cicora,
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29 |
* mcicora@yahoo.com.
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30 |
*
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31 |
* @see http://www.gutenberg.org/cache/epub/2407/pg2407.txt
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32 |
*
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33 |
* @var string
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34 |
*/
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35 |
protected static $baseText = <<<'EOT'
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36 |
Am 4. Mai 1771
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38 |
Wie froh bin ich, dass ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des
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Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und
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froh zu sein! Ich weiss, du verzeihst mir's. Waren nicht meine übrigen
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Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen?
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42 |
Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig. Konnt' ich dafür, dass, während
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43 |
die eigensinnigen Reize ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung
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44 |
verschafften, dass eine Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete? Und doch—bin ich
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ganz unschuldig? Hab' ich nicht ihre Empfindungen genährt? Hab' ich mich nicht
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an den ganz wahren Ausdrücken der Natur, die uns so oft zu lachen machten, so
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wenig lächerlich sie waren, selbst ergetzt? Hab' ich nicht—o was ist der Mensch,
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dass er über sich klagen darf! Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's,
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49 |
ich will mich bessern, will nicht mehr ein bisschen Übel, das uns das Schicksal
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vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe; ich will das Gegenwärtige
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51 |
geniessen, und das Vergangene soll mir vergangen sein. Gewiss, du hast recht, Bester,
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52 |
der Schmerzen wären minder unter den Menschen, wenn sie nicht—Gott weiss, warum
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53 |
sie so gemacht sind!—mit so viel Emsigkeit der Einbildungskraft sich
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54 |
beschäftigten, die Erinnerungen des vergangenen Übels zurückzurufen, eher als eine
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gleichgültige Gegenwart zu ertragen.
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Du bist so gut, meiner Mutter zu sagen, dass ich ihr Geschäft bestens
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betreiben und ihr ehstens Nachricht davon geben werde. Ich habe meine Tante
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gesprochen und bei weitem das böse Weib nicht gefunden, das man bei uns aus ihr
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macht. Sie ist eine muntere, heftige Frau von dem besten Herzen. Ich erklärte ihr
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meiner Mutter Beschwerden über den zurückgehaltenen Erbschaftsanteil; sie sagte
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mir ihre Gründe, Ursachen und die Bedingungen, unter welchen sie bereit wäre,
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alles herauszugeben, und mehr als wir verlangten—kurz, ich mag jetzt nichts
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davon schreiben, sage meiner Mutter, es werde alles gut gehen. Und ich habe,
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mein Lieber, wieder bei diesem kleinen Geschäft gefunden, dass Missverständnisse
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und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen als List und Bosheit.
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Wenigstens sind die beiden letzteren gewiss seltener.
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Übrigens befinde ich mich hier gar wohl. Die Einsamkeit ist meinem Herzen
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köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahreszeit der Jugend
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wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baum, jede Hecke ist ein
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Strauss von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von
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Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.
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Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche
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Schönheit der Natur. Das bewog den verstorbenen Grafen von M., einen Garten auf
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einem der Hügel anzulegen, die mit der schönsten Mannigfaltigkeit sich kreuzen
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78 |
und die lieblichsten Täler bilden. Der Garten ist einfach, und man fühlt
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79 |
gleich bei dem Eintritte, dass nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sondern ein
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fühlendes Herz den Plan gezeichnet, das seiner selbst hier geniessen wollte. Schon
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manche Träne hab' ich dem Abgeschiedenen in dem verfallenen Kabinettchen geweint,
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das sein Lieblingsplätzchen war und auch meines ist. Bald werde ich Herr vom
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Garten sein; der Gärtner ist mir zugetan, nur seit den paar Tagen, und er wird
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sich nicht übel dabei befinden.
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86 |
Am 10. Mai
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87 |
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88 |
Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süssen
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89 |
Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen geniesse. Ich bin allein und freue mich meines
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90 |
Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich
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91 |
bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein
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92 |
versunken, dass meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht
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93 |
einen Strich, und bin nie ein grösserer Maler gewesen als in diesen Augenblicken.
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94 |
Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der
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undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das
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96 |
innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und
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97 |
näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; wenn ich
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98 |
das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen
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99 |
Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen fühle, und fühle die
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100 |
Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des
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101 |
Alliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält; mein Freund! Wenn's
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102 |
dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in
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103 |
meiner Seele ruhn wie die Gestalt einer Geliebten—dann sehne ich mich oft und
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denke : ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das
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einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, dass es würde der Spiegel deiner Seele,
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wie deine Seele ist der Spiegel des unendlichen Gottes!—mein Freund—aber ich
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gehe darüber zugrunde, ich erliege unter der Gewalt der Herrlichkeit dieser
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Erscheinungen.
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Ich weiss nicht, ob täuschende Geister um diese Gegend schweben, oder ob die
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warme, himmlische Phantasie in meinem Herzen ist, die mir alles rings umher so
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112 |
paradiesisch macht. Das ist gleich vor dem Orte ein Brunnen, ein Brunnen, an den ich
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113 |
gebannt bin wie Melusine mit ihren Schwestern.—Du gehst einen kleinen Hügel
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114 |
hinunter und findest dich vor einem Gewölbe, da wohl zwanzig Stufen hinabgehen, wo
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115 |
unten das klarste Wasser aus Marmorfelsen quillt. Die kleine Mauer, die oben
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116 |
umher die Einfassung macht, die hohen Bäume, die den Platz rings umher bedecken,
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117 |
die Kühle des Orts; das hat alles so was Anzügliches, was Schauerliches. Es
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vergeht kein Tag, dass ich nicht eine Stunde da sitze. Da kommen die Mädchen aus
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119 |
der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das
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120 |
ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten. Wenn ich da sitze, so lebt die
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121 |
patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle die Altväter, am Brunnen
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122 |
Bekanntschaft machen und freien, und wie um die Brunnen und Quellen wohltätige Geister
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123 |
schweben. O der muss nie nach einer schweren Sommertagswanderung sich an des Brunnens
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124 |
Kühle gelabt haben, der das nicht mitempfinden kann.
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125 |
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126 |
Am 13. Mai
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127 |
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128 |
Du fragst, ob du mir meine Bücher schicken sollst?—lieber, ich bitte dich um
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129 |
Gottes willen, lass mir sie vom Halse! Ich will nicht mehr geleitet, ermuntert,
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130 |
angefeuert sein, braust dieses Herz doch genug aus sich selbst; ich brauche
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131 |
Wiegengesang, und den habe ich in seiner Fülle gefunden in meinem Homer. Wie oft lull'
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132 |
ich mein empörtes Blut zur Ruhe, denn so ungleich, so unstet hast du nichts
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133 |
gesehn als dieses Herz. Lieber! Brauch' ich dir das zu sagen, der du so oft die
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134 |
Last getragen hast, mich vom Kummer zur Ausschweifung und von süsser Melancholie
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135 |
zur verderblichen Leidenschaft übergehen zu sehn? Auch halte ich mein Herzchen
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136 |
wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm gestattet. Sage das nicht weiter;
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137 |
es gibt Leute, die mir es verübeln würden.
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138 |
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139 |
Am 15. Mai
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140 |
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141 |
Die geringen Leute des Ortes kennen mich schon und lieben mich, besonders die
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142 |
Kinder. Eine traurige Bemerkung hab' ich gemacht. Wie ich im Anfange mich zu ihnen
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143 |
gesellte, sie freundschaftlich fragte über dies und das, glaubten einige, ich wollte
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144 |
ihrer spotten, und fertigten mich wohl gar grob ab. Ich liess mich das nicht
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145 |
verdriessen; nur fühlte ich, was ich schon oft bemerkt habe, auf das lebhafteste :
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146 |
Leute von einigem Stande werden sich immer in kalter Entfernung vom gemeinen
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147 |
Volke halten, als glaubten sie durch Annäherung zu verlieren; und dann gibt's
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148 |
Flüchtlinge und üble Spassvögel, die sich herabzulassen scheinen, um ihren Übermut dem
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149 |
armen Volke desto empfindlicher zu machen.
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150 |
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151 |
Ich weiss wohl, dass wir nicht gleich sind, noch sein können; aber ich halte
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152 |
dafür, dass der, der nötig zu haben glaubt, vom so genannten Pöbel sich zu
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153 |
entfernen, um den Respekt zu erhalten, ebenso tadelhaft ist als ein Feiger, der sich
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154 |
vor seinem Feinde verbirgt, weil er zu unterliegen fürchtet.
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155 |
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156 |
Letzthin kam ich zum Brunnen und fand ein junges Dienstmädchen, das ihr Gefäss auf
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157 |
die unterste Treppe gesetzt hatte und sich umsah, ob keine Kamerädin kommen
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158 |
wollte, ihr es auf den Kopf zu helfen. Ich stieg hinunter und sah sie an.—"Soll
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159 |
ich Ihr helfen, Jungfer?" sagte ich.—sie ward rot über und über.—"O nein,
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160 |
Herr!" sagte sie.—"Ohne Umstände".—sie legte ihren Kragen zurecht, und ich half
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161 |
ihr. Sie dankte und stieg hinauf.
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162 |
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163 |
Den 17. Mai
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165 |
Ich habe allerlei Bekanntschaft gemacht, Gesellschaft habe ich noch keine
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166 |
gefunden. Ich weiss nicht, was ich Anzügliches für die Menschen haben muss; es mögen
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167 |
mich ihrer so viele und hängen sich an mich, und da tut mir's weh, wenn unser
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168 |
Weg nur eine kleine Strecke miteinander geht. Wenn du fragst, wie die Leute
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169 |
hier sind, muss ich dir sagen: wie überall! Es ist ein einförmiges Ding um das
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170 |
Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den grössten Teil der Zeit, um zu leben, und das
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171 |
bisschen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel
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172 |
aufsuchen, um es los zu werden. O Bestimmung des Menschen!
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173 |
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174 |
Aber eine recht gute Art Volks! Wenn ich mich manchmal vergesse, manchmal mit
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175 |
ihnen die Freuden geniesse, die den Menschen noch gewährt sind, an einem artig
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176 |
besetzten Tisch mit aller Offen—und Treuherzigkeit sich herumzuspassen, eine
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177 |
Spazierfahrt, einen Tanz zur rechten Zeit anzuordnen, und dergleichen, das tut eine ganz
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178 |
gute Wirkung auf mich; nur muss mir nicht einfallen, dass noch so viele andere
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179 |
Kräfte in mir ruhen, die alle ungenutzt vermodern und die ich sorgfältig
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180 |
verbergen muss. Ach das engt das ganze Herz so ein.—Und doch! Missverstanden zu
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181 |
werden, ist das Schicksal von unsereinem.
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182 |
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183 |
Ach, dass die Freundin meiner Jugend dahin ist, ach, dass ich sie je gekannt
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184 |
habe!—ich würde sagen: du bist ein Tor! Du suchst, was hienieden nicht zu finden
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185 |
ist! Aber ich habe sie gehabt, ich habe das Herz gefühlt, die grosse Seele, in
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186 |
deren Gegenwart ich mir schien mehr zu sein, als ich war, weil ich alles war,
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187 |
was ich sein konnte. Guter Gott! Blieb da eine einzige Kraft meiner Seele
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188 |
ungenutzt? Konnt' ich nicht vor ihr das ganze wunderbare Gefühl entwickeln, mit dem
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189 |
mein Herz die Natur umfasst? War unser Umgang nicht ein ewiges Weben von der
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190 |
feinsten Empfindung, dem schärfsten Witze, dessen Modifikationen, bis zur Unart,
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191 |
alle mit dem Stempel des Genies bezeichnet waren? Und nun!—ach ihre Jahre, die
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192 |
sie voraus hatte, führten sie früher ans Grab als mich. Nie werde ich sie
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193 |
vergessen, nie ihren festen Sinn und ihre göttliche Duldung.
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194 |
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195 |
Vor wenig Tagen traf ich einen jungen V. an, einen offnen Jungen, mit einer
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196 |
gar glücklichen Gesichtsbildung. Er kommt erst von Akademien dünkt sich eben
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197 |
nicht weise, aber glaubt doch, er wisse mehr als andere. Auch war er fleissig,
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198 |
wie ich an allerlei spüre, kurz, er hat hübsche Kenntnisse. Da er hörte, dass
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199 |
ich viel zeichnete und Griechisch könnte (zwei Meteore hierzulande), wandte er
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200 |
sich an mich und kramte viel Wissens aus, von Batteux bis zu Wood, von de Piles
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201 |
zu Winckelmann, und versicherte mich, er habe Sulzers Theorie, den ersten
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202 |
Teil, ganz durchgelesen und besitze ein Manuskript von Heynen über das Studium
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203 |
der Antike. Ich liess das gut sein.
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204 |
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205 |
Noch gar einen braven Mann habe ich kennen lernen, den fürstlichen Amtmann,
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206 |
einen offenen, treuherzigen Menschen. Man sagt, es soll eine Seelenfreude sein,
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207 |
ihn unter seinen Kindern zu sehen, deren er neun hat; besonders macht man viel
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208 |
Wesens von seiner ältesten Tochter. Er hat mich zu sich gebeten, und ich will ihn
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209 |
ehster Tage besuchen. Er wohnt auf einem fürstlichen Jagdhofe, anderthalb Stunden
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210 |
von hier, wohin er nach dem Tode seiner Frau zu ziehen die Erlaubnis erhielt,
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211 |
da ihm der Aufenthalt hier in der Stadt und im Amthause zu weh tat.
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212 |
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213 |
Sonst sind mir einige verzerrte Originale in den Weg gelaufen, an denen alles
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214 |
unausstehlich ist, am unerträglichsten Freundschaftsbezeigungen.
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215 |
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216 |
Leb' wohl! Der Brief wird dir recht sein, er ist ganz historisch.
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217 |
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218 |
Am 22. Mai
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219 |
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220 |
Dass das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so
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221 |
vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum. Wenn ich die
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222 |
Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen
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223 |
eingesperrt sind; wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die
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224 |
Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere
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225 |
arme Existenz zu verlängern, und dann, dass alle Beruhigung über gewisse Punkte
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226 |
des Nachforschens nur eine träumende Regignation ist, da man sich die Wände,
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227 |
zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten
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228 |
bemalt—das alles, Wilhelm, macht mich stumm. Ich kehre in mich selbst zurück, und
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229 |
finde eine Welt! Wieder mehr in Ahnung und dunkler Begier als in Darstellung und
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230 |
lebendiger Kraft. Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so
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231 |
träumend weiter in die Welt.
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232 |
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233 |
Dass die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelahrten
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234 |
Schul—und Hofmeister einig; dass aber auch Erwachsene gleich Kindern auf diesem
|
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235 |
Erdboden herumtaumeln und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie
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236 |
gehen, ebensowenig nach wahren Zwecken handeln, ebenso durch Biskuit und Kuchen
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237 |
und Birkenreiser regiert werden: das will niemand gern glauben, und mich
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238 |
dünkt, man kann es mit Händen greifen.
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239 |
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240 |
Ich gestehe dir gern, denn ich weiss, was du mir hierauf sagen möchtest, dass
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241 |
diejenigen die Glücklichsten sind, die gleich den Kindern in den Tag hinein leben,
|
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242 |
ihre Puppen herumschleppen, aus—und anziehen und mit grossem Respekt um die
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|
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243 |
Schublade umherschleichen, wo Mama das Zuckerbrot hineingeschlossen hat, und, wenn
|
|
|
244 |
sie das gewünschte endlich erhaschen, es mit vollen Backen verzehren und
|
|
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245 |
rufen:"mehr!"—das sind glückliche Geschöpfe. Auch denen ist's wohl, die ihren
|
|
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246 |
Lumpenbeschäftigungen oder wohl gar ihren Leidenschaften prächtige Titel geben und sie dem
|
|
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247 |
Menschengeschlechte als Riesenoperationen zu dessen Heil und Wohlfahrt anschreiben.—Wohl dem,
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248 |
der so sein kann! Wer aber in seiner Demut erkennt, wo das alles hinausläuft,
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|
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249 |
wer da sieht, wie artig jeder Bürger, dem es wohl ist, sein Gärtchen zum
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250 |
Paradiese zuzustutzen weiss, und wie unverdrossen auch der Unglückliche unter der
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251 |
Bürde seinen Weg fortkeucht, und alle gleich interessiert sind, das Licht dieser
|
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252 |
Sonne noch eine Minute länger zu sehn—ja, der ist still und bildet auch seine
|
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253 |
Welt aus sich selbst und ist auch glücklich, weil er ein Mensch ist. Und dann,
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254 |
so eingeschränkt er ist, hält er doch immer im Herzen das süsse Gefühl der
|
|
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255 |
Freiheit, und dass er diesen Kerker verlassen kann, wann er will.
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256 |
|
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257 |
Am 26. Mai
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Du kennst von alters her meine Art, mich anzubauen, mir irgend an einem
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vertraulichen Orte ein Hüttchen aufzuschlagen und da mit aller Einschränkung zu
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herbergen. Auch hier habe ich wieder ein Plätzchen angetroffen, das mich angezogen
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hat.
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Ungefähr eine Stunde von der Stadt liegt ein Ort, den sie Wahlheim nennen. Die Lage
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an einem Hügel ist sehr interessant, und wenn man oben auf dem Fusspfade zum
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Dorf herausgeht, übersieht man auf einmal das ganze Tal. Eine gute Wirtin, die
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gefällig und munter in ihrem Alter ist, schenkt Wein, Bier, Kaffee; und was über
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alles geht, sind zwei Linden, die mit ihren ausgebreiteten Ästen den kleinen
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Platz vor der Kirche bedecken, der ringsum mit Bauerhäusern, Scheunen und Höfen
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eingeschlossen ist. So vertraulich, so heimlich hab' ich nicht leicht ein Plätzchen
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gefunden, und dahin lass' ich mein Tischchen aus dem Wirtshause bringen und meinen
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Stuhl, trinke meinen Kaffee da und lese meinen Homer. Das erstenmal, als ich
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durch einen Zufall an einem schönen Nachmittage unter die Linden kam, fand ich
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das Plätzchen so einsam. Es war alles im Felde; nur ein Knabe von ungefähr
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vier Jahren sass an der Erde und hielt ein anderes, etwa halbjähriges, vor ihm
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zwischen seinen Füssen sitzendes Kind mit beiden Armen wider seine Brust, so dass er
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ihm zu einer Art von Sessel diente und ungeachtet der Munterkeit, womit er aus
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seinen schwarzen Augen herumschaute, ganz ruhig sass. Mich vergnügte der Anblick:
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ich setzte mich auf einen Pflug, der gegenüber stand, und zeichnete die
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brüderliche Stellung mit vielem Ergetzen. Ich fügte den nächsten Zaun, ein Scheunentor
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und einige gebrochene Wagenräder bei, alles, wie es hinter einander stand, und
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fand nach Verlauf einer Stunde, dass ich eine wohlgeordnete, sehr interessante
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Zeichnung verfertigt hatte, ohne das mindeste von dem Meinen hinzuzutun. Das
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bestärkte mich in meinem Vorsatze, mich künftig allein an die Natur zu halten. Sie
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allein ist unendlich reich, und sie allein bildet den grossen Künstler. Man kann
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zum Vorteile der Regeln viel sagen, ungefähr was man zum Lobe der bürgerlichen
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Gesellschaft sagen kann. Ein Mensch, der sich nach ihnen bildet, wird nie etwas
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Abgeschmacktes und Schlechtes hervorbringen, wie einer, der sich durch Gesetze und
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289 |
Wohlstand modeln lässt, nie ein unerträglicher Nachbar, nie ein merkwürdiger
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Bösewicht werden kann; dagegen wird aber auch alle Regel, man rede was man wolle,
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291 |
das wahre Gefühl von Natur und den wahren Ausdruck derselben zerstören! Sag'
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292 |
du: 'das ist zu hart! Sie schränkt nur ein, beschneidet die geilen Reben'
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293 |
etc.—guter Freund, soll ich dir ein Gleichnis geben? Es ist damit wie mit der Liebe.
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294 |
Ein junges Herz hängt ganz an einem Mädchen, bringt alle Stunden seines Tages
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295 |
bei ihr zu, verschwendet alle seine Kräfte, all sein Vermögen, um ihr jeden
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296 |
Augenblick auszudrücken, dass er sich ganz ihr hingibt. Und da käme ein Philister, ein
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297 |
Mann, der in einem öffentlichen Amte steht, und sagte zu ihm: 'feiner junger
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298 |
Herr! Lieben ist menschlich, nur müsst Ihr menschlich lieben! Teilet Eure Stunden
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299 |
ein, die einen zur Arbeit, und die Erholungsstunden widmet Eurem Mädchen.
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300 |
Berechnet Euer Vermögen, und was Euch von Eurer Notdurft übrig bleibt, davon
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301 |
verwehr' ich Euch nicht, ihr ein Geschenk, nur nicht zu oft, zu machen, etwa zu
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302 |
ihrem Geburts—und Namenstage ' etc.—folgt der Mensch, so gibt's einen
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303 |
brauchbaren jungen Menschen, und ich will selbst jedem Fürsten raten, ihn in ein
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304 |
Kollegium zu setzen; nur mit seiner Liebe ist's am Ende und, wenn er ein Künstler
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305 |
ist, mit seiner Kunst. O meine Freunde! Warum der Strom des Genies so selten
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ausbricht, so selten in hohen Fluten hereinbraust und eure staunende Seele
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307 |
erschüttert?—liebe Freunde, da wohnen die gelassenen Herren auf beiden Seiten des Ufers,
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308 |
denen ihre Gartenhäuschen, Tulpenbeete und Krautfelder zugrunde gehen würden,
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309 |
die daher in Zeiten mit Dämmen und Ableiten der künftig drohenden Gefahr
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abzuwehren wissen.
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311 |
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312 |
Am 27. Mai
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314 |
Ich bin, wie ich sehe, in Verzückung, Gleichnisse und Deklamation verfallen
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und habe darüber vergessen, dir auszuerzählen, was mit den Kindern weiter
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316 |
geworden ist. Ich sass, ganz in malerische Empfindung vertieft, die dir mein
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317 |
gestriges Blatt sehr zerstückt darlegt, auf meinem Pfluge wohl zwei Stunden. Da
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318 |
kommt gegen Abend eine junge Frau auf die Kinder los, die sich indes nicht
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319 |
gerührt hatten, mit einem Körbchen am Arm und ruft von weitem: "Philipps, du bist
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recht brav". —Sie grüsste mich, ich dankte ihr, stand auf, trat näher hin und
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321 |
fragte sie, ob sie Mutter von den Kindern wäre? Sie bejahte es, und indem sie dem
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322 |
ältesten einen halben Weck gab, nahm sie das kleine auf und küsste es mit aller
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323 |
mütterlichen Liebe.—"ich habe", sagte sie, "meinem Philipps das Kleine zu halten
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324 |
gegeben und bin mit meinem Ältesten in die Stadt gegangen, um weiss Brot zu holen
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325 |
und Zucker und ein irden Breipfännchen".—Ich sah das alles in dem Korbe,
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326 |
dessen Deckel abgefallen war.—"Ich will meinem Hans (das war der Name des
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Jüngsten) ein Süppchen kochen zum Abende; der lose Vogel, der Grosse, hat mir gestern
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328 |
das Pfännchen zerbrochen, als er sich mit Philippsen um die Scharre des Breis
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329 |
zankte".—ich fragte nach dem Ältesten, und sie hatte mir kaum gesagt, dass er sich auf
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330 |
der Wiese mit ein paar Gänsen herumjage, als er gesprungen kam und dem Zweiten
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331 |
eine Haselgerte mitbrachte. Ich unterhielt mich weiter mit dem Weibe und
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332 |
erfuhr, dass sie des Schulmeisters Tochter sei, und dass ihr Mann eine Reise in die
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333 |
Schweiz gemacht habe, um die Erbschaft eines Vetters zu holen.—"Sie haben ihn drum
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334 |
betriegen wollen", sagte sie,"und ihm auf seine Briefe nicht geantwortet; da ist er
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335 |
selbst hineingegangen. Wenn ihm nur kein Unglück widerfahren ist, ich höre nichts
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336 |
von ihm".—Es ward mir schwer, mich von dem Weibe los zu machen, gab jedem der
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337 |
Kinder einen Kreuzer, und auch fürs jüngste gab ich ihr einen, ihm einen Weck zur
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338 |
Suppe mitzubringen, wenn sie in die Stadt ginge, und so schieden wir von
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339 |
einander.
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340 |
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341 |
Ich sage dir, mein Schatz, wenn meine Sinne gar nicht mehr halten wollen, so
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342 |
lindert all den Tumult der Anblick eines solchen Geschöpfs, das in glücklicher
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343 |
Gelassenheit den engen Kreis seines Daseins hingeht, von einem Tage zum andern sich
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344 |
durchhilft, die Blätter abfallen sieht und nichts dabei denkt, als dass der Winter
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345 |
kommt.
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346 |
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347 |
Seit der Zeit bin ich oft draussen. Die Kinder sind ganz an mich gewöhnt, sie
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348 |
kriegen Zucker, wenn ich Kaffee trinke, und teilen das Butterbrot und die saure
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349 |
Milch mit mir des Abends. Sonntags fehlt ihnen der Kreuzer nie, und wenn ich
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350 |
nicht nach der Betstunde da bin, so hat die Wirtin Ordre, ihn auszuzahlen.
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351 |
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352 |
Sie sind vertraut, erzählen mir allerhand, und besonders ergetze ich mich an
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353 |
ihren Leidenschaften und simpeln Ausbrüchen des Begehrens, wenn mehr Kinder aus
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354 |
dem Dorfe sich versammeln.
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355 |
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356 |
Viele Mühe hat mich's gekostet, der Mutter ihre Besorgnis zu nehmen, sie möchten
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357 |
den Herrn inkommodieren.
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358 |
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359 |
Am 30. Mai
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360 |
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361 |
Was ich dir neulich von der Malerei sagte, gilt gewiss auch von der Dichtkunst;
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362 |
es ist nur, dass man das Vortreffliche erkenne und es auszusprechen wage, und
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363 |
das ist freilich mit wenigem viel gesagt. Ich habe heute eine Szene gehabt,
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364 |
die, rein abgeschrieben, die schönste Idylle von der Welt gäbe; doch was soll
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365 |
Dichtung, Szene und Idylle? Muss es denn immer gebosselt sein, wenn wir teil an einer
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366 |
Naturerscheinung nehmen sollen?
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367 |
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368 |
Wenn du auf diesen Eingang viel Hohes und Vornehmes erwartest, so bist du
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369 |
wieder übel betrogen; es ist nichts als ein Bauerbursch, der mich zu dieser
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370 |
lebhaften Teilnehmung hingerissen hat. Ich werde, wie gewöhnlich, schlecht erzählen,
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371 |
und du wirst mich, wie gewöhnlich, denk' ich, übertrieben finden; es ist
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372 |
wieder Wahlheim, und immer Wahlheim, das diese Seltenheiten hervorbringt.
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373 |
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374 |
Es war eine Gesellschaft draussen unter den Linden, Kaffee zu trinken. Weil
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375 |
sie mir nicht ganz anstand, so blieb ich unter einem Vorwande zurück.
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376 |
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377 |
Ein Bauerbursch kam aus einem benachbarten Hause und beschäftigte sich, an dem
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378 |
Pfluge, den ich neulich gezeichnet hatte, etwas zurecht zu machen. Da mir sein
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379 |
Wesen gefiel, redete ich ihn an, fragte nach seinen Umständen, wir waren bald
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380 |
bekannt und, wie mir's gewöhnlich mit dieser Art Leuten geht, bald vertraut. Er
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381 |
erzählte mir, dass er bei einer Witwe in Diensten sei und von ihr gar wohl gehalten
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382 |
werde. Er sprach so vieles von ihr und lobte sie dergestalt, dass ich bald merken
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383 |
konnte, er sei ihr mit Leib und Seele zugetan. Sie sei nicht mehr jung, sagte er,
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384 |
sie sei von ihrem ersten Mann übel gehalten worden, wolle nicht mehr heiraten,
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385 |
und aus seiner Erzählung leuchtete so merklich hervor, wie schön, wie reizend
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386 |
sie für ihn sei, wie sehr er wünschte, dass sie ihn wählen möchte, um das
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387 |
Andenken der Fehler ihres ersten Mannes auszulöschen, dass ich Wort für Wort
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388 |
wiederholen müsste, um dir die reine Neigung, die Liebe und Treue dieses Menschen
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389 |
anschaulich zu machen. Ja, ich müsste die Gabe des grössten Dichters besitzen, um dir
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390 |
zugleich den Ausdruck seiner Gebärden, die Harmonie seiner Stimme, das heimliche
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391 |
Feuer seiner Blicke lebendig darstellen zu können. Nein, es sprechen keine Worte
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392 |
die Zartheit aus, die in seinem ganzen Wesen und Ausdruck war; es ist alles
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393 |
nur plump, was ich wieder vorbringen könnte. Besonders rührte mich, wie er
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394 |
fürchtete, ich möchte über sein Verhältnis zu ihr ungleich denken und an ihrer guten
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395 |
Aufführung zweifeln. Wie reizend es war, wenn er von ihrer Gestalt, von ihrem Körper
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396 |
sprach, der ihn ohne jugendliche Reize gewaltsam an sich zog und fesselte, kann
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397 |
ich mir nur in meiner innersten Seele wiederholen. Ich hab' in meinem Leben
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398 |
die dringende Begierde und das heisse, sehnliche Verlangen nicht in dieser
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399 |
Reinheit gesehen, ja wohl kann ich sagen, in dieser Reinheit nicht gedacht und
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400 |
geträumt. Schelte mich nicht, wenn ich dir sage, dass bei der Erinnerung dieser
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401 |
Unschuld und Wahrheit mir die innerste Seele glüht, und dass mich das Bild dieser
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402 |
Treue und Zärtlichkeit überall verfolgt, und dass ich, wie selbst davon
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403 |
entzündet, lechze und schmachte.
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404 |
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405 |
Ich will nun suchen, auch sie ehstens zu sehn, oder vielmehr, wenn ich's recht
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406 |
bedenke, ich will's vermeiden. Es ist besser, ich sehe sie durch die Augen ihres
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407 |
Liebhabers; vielleicht erscheint sie mir vor meinen eigenen Augen nicht so, wie sie
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408 |
jetzt vor mir steht, und warum soll ich mir das schöne Bild verderben?
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409 |
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410 |
Am 16. Junius
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411 |
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412 |
Warum ich dir nicht schreibe?—Fragst du das und bist doch auch der Gelehrten
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einer. Du solltest raten, dass ich mich wohl befinde, und zwar—kurz und gut, ich
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414 |
habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht. Ich habe—ich weiss
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415 |
nicht.
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416 |
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417 |
Dir in der Ordnung zu erzählen, wie's zugegangen ist, dass ich eins der
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418 |
liebenswürdigsten Geschöpfe habe kennen lernen, wird schwer halten. Ich bin vergnügt und
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419 |
glücklich, und also kein guter Historienschreiber.
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420 |
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421 |
Einen Engel!—pfui! Das sagt jeder von der Seinigen, nicht wahr? Und doch bin ich
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422 |
nicht imstande, dir zu sagen, wie sie vollkommen ist, warum sie vollkommen ist;
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423 |
genug, sie hat allen meinen Sinn gefangengenommen.
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424 |
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425 |
So viel Einfalt bei so viel Verstand, so viel Güte bei so viel Festigkeit,
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426 |
und die Ruhe der Seele bei dem wahren Leben und der Tätigkeit.—Das ist alles
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427 |
garstiges Gewäsch, was ich da von ihr sage, leidige Abstraktionen, die nicht einen
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428 |
Zug ihres Selbst ausdrücken. Ein andermal—nein, nicht ein andermal, jetzt
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429 |
gleich will ich dir's erzählen. Tu' ich 's jetzt nicht, so geschäh' es niemals.
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430 |
Denn, unter uns, seit ich angefangen habe zu schreiben, war ich schon dreimal im
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431 |
Begriffe, die Feder niederzulegen, mein Pferd satteln zu lassen und hinauszureiten.
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432 |
Und doch schwur ich mir heute früh, nicht hinauszureiten, und gehe doch alle
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433 |
Augenblick' ans Fenster, zu sehen, wie hoch die Sonne noch steht.—Ich hab's nicht
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434 |
überwinden können, ich musste zu ihr hinaus. Da bin ich wieder, Wilhelm, will mein
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435 |
Butterbrot zu Nacht essen und dir schreiben. Welch eine Wonne das für meine Seele
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436 |
ist, sie in dem Kreise der lieben, muntern Kinder, ihrer acht Geschwister, zu
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437 |
sehen!—Wenn ich so fortfahre, wirst du am Ende so klug sein wie am Anfange. Höre denn,
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438 |
ich will mich zwingen, ins Detail zu gehen.
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439 |
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440 |
Ich schrieb dir neulich, wie ich den Amtmann S. habe kennen lernen, und wie er
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441 |
mich gebeten habe, ihn bald in seiner Einsiedelei oder vielmehr seinem kleinen
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442 |
Königreiche zu besuchen. Ich vernachlässigte das, und wäre vielleicht nie hingekommen,
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443 |
hätte mir der Zufall nicht den Schatz entdeckt, der in der stillen Gegend
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444 |
verborgen liegt.
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445 |
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446 |
Unsere jungen Leute hatten einen Ball auf dem Lande angestellt, zu dem ich mich
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447 |
denn auch willig finden liess. Ich bot einem hiesigen guten, schönen, übrigens
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448 |
unbedeutenden Mädchen die Hand, und es wurde ausgemacht, dass ich eine Kutsche nehmen,
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449 |
mit meiner Tänzerin und ihrer Base nach dem Orte der Lustbarkeit hinausfahren
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450 |
und auf dem Wege Charlotten S. mitnehmen sollte.—"Sie werden ein schönes
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451 |
Frauenzimmer kennenlernen", sagte meine Gesellschafterin, da wir durch den weiten,
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452 |
ausgehauenen Wald nach dem Jagdhause fuhren.—"Nehmen Sie sich in acht", versetzte die
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453 |
Base, "dass Sie sich nicht verlieben!"—"Wieso?" sagte ich.—"Sie ist schon
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454 |
vergeben,"antwortete jene,"an einen sehr braven Mann, der weggereist ist, seine Sachen in
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455 |
Ordnung zu bringen, weil sein Vater gestorben ist, und sich um eine ansehnliche
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456 |
Versorgung zu bewerben".—Die Nachricht war mir ziemlich gleichgültig.
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457 |
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458 |
Die Sonne war noch eine Viertelstunde vom Gebirge, als wir vor dem Hoftore
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459 |
anfuhren. Es war sehr schwül, und die Frauenzimmer äusserten ihre Besorgnis wegen
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460 |
eines Gewitters, das sich in weissgrauen, dumpfichten Wölkchen rings am Horizonte
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461 |
zusammenzuziehen schien. Ich täuschte ihre Furcht mit anmasslicher Wetterkunde, ob mir
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462 |
gleich selbst zu ahnen anfing, unsere Lustbarkeit werde einen Stoss leiden.
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463 |
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464 |
Ich war ausgestiegen, und eine Magd, die ans Tor kam, bat uns, einen
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465 |
Augenblick zu verziehen, Mamsell Lottchen würde gleich kommen. Ich ging durch den Hof
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466 |
nach dem wohlgebauten Hause, und da ich die vorliegenden Treppen
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467 |
hinaufgestiegen war und in die Tür trat, fiel mir das reizendste Schauspiel in die Augen,
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468 |
das ich je gesehen habe. in dem Vorsaale wimmelten sechs Kinder von eilf zu
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469 |
zwei Jahren um ein Mädchen von schöner Gestalt, mittlerer Grösse, die ein
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470 |
simples weisses Kleid, mit blassroten Schleifen an Arm und Brust, anhatte. Sie hielt
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471 |
ein schwarzes Brot und schnitt ihren Kleinen rings herum jedem sein Stück nach
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472 |
Proportion ihres Alters und Appetits ab, gab's jedem mit solcher Freundlichkeit, und
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473 |
jedes rief so ungekünstelt sein "danke!", indem es mit den kleinen Händchen
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474 |
lange in die Höhe gereicht hatte, ehe es noch abgeschnitten war, und nun mit
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475 |
seinem Abendbrote vergnügt entweder wegsprang, oder nach seinem stillern
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476 |
Charakter gelassen davonging nach dem Hoftore zu, um die Fremden und die Kutsche zu
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477 |
sehen, darin ihre Lotte wegfahren sollte.—"Ich bitte um Vergebung", sagte sie,
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478 |
"dass ich Sie hereinbemühe und die Frauenzimmer warten lasse. Über dem Anziehen
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479 |
und allerlei Bestellungen fürs Haus in meiner Abwesenheit habe ich vergessen,
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480 |
meinen Kindern ihr Vesperbrot zu geben, und sie wollen von niemanden Brot
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481 |
geschnitten haben als von mir".
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482 |
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483 |
Ich machte ihr ein unbedeutendes Kompliment, meine ganze Seele ruhte auf der
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484 |
Gestalt, dem Tone, dem Betragen, und ich hatte eben Zeit, mich von der Überraschung
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485 |
zu erholen, als sie in die Stube lief, ihre Handschuhe und den Fächer zu
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486 |
holen. Die Kleinen sahen mich in einiger Entfernung so von der Seite an, und ich
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487 |
ging auf das jüngste los, das ein Kind von der glücklichsten Gesichtsbildung
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488 |
war. Es zog sich zurück, als eben Lotte zur Türe herauskam und sagte:"Louis,
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489 |
gib dem Herrn Vetter eine Hand".—das tat der Knabe sehr freimütig, und ich
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490 |
konnte mich nicht enthalten, ihn, ungeachtet seines kleinen Rotznäschens,
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491 |
herzlich zu küssen.
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492 |
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493 |
"Vetter?" sagte ich, indem ich ihr die Hand reichte," glauben Sie, dass ich des
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494 |
Glücks wert sei, mit Ihnen verwandt zu sein?"—"O", sagte sie mit einem
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495 |
leichtfertigen Lächeln, "unsere Vetterschaft ist sehr weitläufig, und es wäre mir leid,
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496 |
wenn Sie der schlimmste drunter sein sollten".—Im Gehen gab sie Sophien, der
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497 |
ältesten Schwester nach ihr, einem Mädchen von ungefähr elf Jahren, den Auftrag,
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498 |
wohl auf die Kinder acht zu haben und den Papa zu grüssen, wenn er vom
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499 |
Spazierritte nach Hause käme. Den Kleinen sagte sie, sie sollten ihrer Schwester Sophie
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500 |
folgen, als wenn sie's selber wäre, das denn auch einige ausdrücklich versprachen.
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501 |
Eine kleine, naseweise Blondine aber, von ungefähr sechs Jahren, sagte: "du
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bist's doch nicht, Lottchen, wir haben dich doch lieber".—die zwei ältesten
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503 |
Knaben waren hinten auf die Kutsche geklettert, und auf mein Vorbitten erlaubte
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504 |
sie ihnen, bis vor den Wald mitzufahren, wenn sie versprächen, sich nicht zu
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necken und sich recht festzuhalten.
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506 |
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Wir hatten uns kaum zurecht gesetzt, die Frauenzimmer sich bewillkommt,
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wechselsweise über den Anzug, vorzüglich über die Hüte ihre Anmerkungen gemacht und die
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509 |
Gesellschaft, die man erwartete, gehörig durchgezogen, als Lotte den Kutscher halten und
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ihre Brüder herabsteigen liess, die noch einmal ihre Hand zu küssen begehrten,
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511 |
das denn der älteste mit aller Zärtlichkeit, die dem Alter von fünfzehn Jahren
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eigen sein kann, der andere mit viel Heftigkeit und Leichtsinn tat. Sie liess die
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513 |
Kleinen noch einmal grüssen, und wir fuhren weiter.
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Die Base fragte, ob sie mit dem Buche fertig wäre, das sie ihr neulich
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geschickt hätte.—"nein", sagte Lotte,"es gefällt mir nicht, Sie können's
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wiederhaben. Das vorige war auch nicht besser".—Ich erstaunte, als ich fragte, was es
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518 |
für Bücher wären, und sie mir antwortete:—ich fand so viel Charakter in allem,
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519 |
was sie sagte, ich sah mit jedem Wort neue Reize, neue Strahlen des Geistes
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520 |
aus ihren Gesichtszügen hervorbrechen, die sich nach und nach vergnügt zu
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521 |
entfalten schienen, weil sie an mir fühlte, dass ich sie verstand.
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522 |
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523 |
"Wie ich jünger war", sagte sie, "liebte ich nichts so sehr als Romane. Weiss
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524 |
Gott, wie wohl mir's war, wenn ich mich Sonntags in so ein Eckchen setzen und
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mit ganzem Herzen an dem Glück und Unstern einer Miss Jonny teilnehmen konnte.
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526 |
Ich leugne auch nicht, dass die Art noch einige Reize für mich hat. Doch da ich
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527 |
so selten an ein Buch komme, so muss es auch recht nach meinem Geschmack sein.
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Und der Autor ist mir der liebste, in dem ich meine Welt wiederfinde, bei dem
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es zugeht wie um mich, und dessen Geschichte mir doch so interessant und
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herzlich wird als mein eigen häuslich Leben, das freilich kein Paradies, aber doch
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531 |
im ganzen eine Quelle unsäglicher Glückseligkeit ist".
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532 |
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533 |
Ich bemühte mich, meine Bewegungen über diese Worte zu verbergen. Das ging
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534 |
freilich nicht weit: denn da ich sie mit solcher Wahrheit im Vorbeigehen vom
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535 |
Landpriester von Wakefield, vom—reden hörte, kam ich ganz ausser mich, sagte ihr alles,
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536 |
was ich musste, und bemerkte erst nach einiger Zeit, da Lotte das Gespräch an
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die anderen wendete, dass diese die Zeit über mit offenen Augen, als sässen sie
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nicht da, dagesessen hatten. Die Base sah mich mehr als einmal mit einem
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spöttischen Näschen an, daran mir aber nichts gelegen war.
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540 |
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541 |
Das Gespräch fiel aufs Vergnügen am Tanze.—"wenn diese Leidenschaft ein Fehler
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542 |
ist,"sagte Lotte, "so gestehe ich Ihnen gern, ich weiss mir nichts übers Tanzen. Und
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543 |
wenn ich was im Kopfe habe und mir auf meinem verstimmten Klavier einen
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544 |
Contretanz vortrommle, so ist alles wieder gut".
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545 |
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546 |
Wie ich mich unter dem Gespäche in den schwarzen Augen weidete—wie die
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lebendigen Lippen und die frischen, muntern Wangen meine ganze Seele anzogen—wie ich,
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548 |
in den herrlichen Sinn ihrer Rede ganz versunken, oft gar die Worte nicht
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549 |
hörte, mit denen sie sich ausdrückte—davon hast du eine Vorstellung, weil du mich
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550 |
kennst. Kurz, ich stieg aus dem Wagen wie ein Träumender, als wir vor dem
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551 |
Lusthause stille hielten, und war so in Träumen rings in der dämmernden Welt
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552 |
verloren, dass ich auf die Musik kaum achtete, die uns von dem erleuchteten Saal
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553 |
herunter entgegenschallte.
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554 |
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555 |
Die zwei Herren Audran und ein gewisser N. N.—wer behält alle die
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556 |
Namen—, die der Base und Lottens Tänzer waren, empfingen uns am
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557 |
Schlage, bemächtigten sich ihrer Frauenzimmer, und ich führte das
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meinige hinauf.
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559 |
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560 |
Wir schlangen uns in Menuetts um einander herum; ich forderte ein Frauenzimmer
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561 |
nach dem andern auf, und just die unleidlichsten konnten nicht dazu kommen,
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562 |
einem die Hand zu reichen und ein Ende zu machen. Lotte und ihr Tänzer fingen
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563 |
einen Englischen an, und wie wohl mir's war, als sie auch in der Reihe die Figur
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564 |
mit uns anfing, magst du fühlen. Tanzen muss man sie sehen! Siehst du, sie ist
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565 |
so mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dabei, ihr ganzer Körper eine
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566 |
Harmonie, so sorglos, so unbefangen, als wenn das eigentlich alles wäre, als wenn
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567 |
sie sonst nichts dächte, nichts empfände; und in dem Augenblicke gewiss
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568 |
schwindet alles andere vor ihr.
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569 |
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570 |
Ich bat sie um den zweiten Contretanz; sie sagte mit den dritten zu, und mit
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571 |
der liebenswürdigsten Freimütigkeit von der Welt versicherte sie mir, dass sie
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572 |
herzlich gern deutsch tanze.—"Es ist hier so Mode, "fuhr sie fort," dass jedes Paar,
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573 |
das zusammen gehört, beim Deutschen zusammenbleibt, und mein Chapeau walzt
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574 |
schlecht und dankt mir's, wenn ich ihm die Arbeit erlasse. Ihr Frauenzimmer kann's
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575 |
auch nicht und mag nicht, und ich habe im Englischen gesehen, dass Sie gut
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576 |
walzen; wenn Sie nun mein sein wollen fürs Deutsche, so gehen Sie und bitten
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577 |
sich's von meinem Herrn aus, und ich will zu Ihrer Dame gehen".—ich gab ihr die
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578 |
Hand darauf, und wir machten aus, dass ihr Tänzer inzwischen meine Tänzerin
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579 |
unterhalten sollte.
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580 |
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581 |
Nun ging's an, und wir ergetzten uns eine Weile an manigfaltigen Schlingungen
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582 |
der Arme. Mit welchem Reize, mit welcher Flüchtigkeit bewegte sie sich! Und da
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583 |
wir nun gar ans Walzen kamen und wie die Sphären um einander herumrollten,
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584 |
ging's freilich anfangs, weil's die wenigsten können, ein bisschen bunt
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585 |
durcheinander. Wir waren klug und liessen sie austoben, und als die Ungeschicktesten den
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586 |
Plan geräumt hatten, fielen wir ein und hielten mit noch einem Paare, mit
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587 |
Audran und seiner Tänzerin, wacker aus. Nie ist mir's so leicht vom Flecke
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588 |
gegangen. Ich war kein Mensch mehr. Das liebenswürdigste Geschöpf in den Armen zu
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589 |
haben und mit ihr herumzufliegen wie Wetter, dass alles rings umher verging,
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590 |
und—Wilhelm, um ehrlich zu sein, tat ich aber doch den Schwur, dass ein Mädchen, das ich
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591 |
liebte, auf das ich Ansprüche hätte, mir nie mit einem andern walzen sollte als
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592 |
mit mir, und wenn ich drüber zugrunde gehen müsste. Du verstehst mich!
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593 |
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594 |
Wir machten einige Touren gehend im Saale, um zu verschnaufen. Dann setzte sie
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595 |
sich, und die Orangen, die ich beiseite gebracht hatte, die nun die einzigen
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596 |
noch übrigen waren, taten vortreffliche Wirkung, nur dass mir mit jedem
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Schnittchen, das sie einer unbescheidenen Nachbarin ehrenhalben zuteilte, ein Stich
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598 |
durchs Herz ging.
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599 |
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600 |
Beim dritten englischen Tanz waren wir das zweite Paar. Wie wir die Reihe
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601 |
durchtanzten und ich, weiss Gott mit wieviel Wonne, an ihrem Arm und Auge hing, das voll
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602 |
vom wahrsten Ausdruck des offensten, reinsten Vergnügens war, kommen wir an
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603 |
eine Frau, die mir wegen ihrer liebenswürdigen Miene auf einem nicht mehr ganz
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604 |
jungen Gesichte merkwürdig gewesen war. Sie sieht Lotten lächelnd an, hebt einen
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605 |
drohenden Finger auf und nennt den Namen Albert zweimal im Vorbeifliegen mit viel
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606 |
Bedeutung.
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607 |
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608 |
"Wer ist Albert?" sagte ich zu Lotten, "wenn's nicht Vermessenheit ist zu
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609 |
fragen".—Sie war im Begriff zu antworten, als wir uns scheiden mussten, um die grosse
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610 |
Achte zu machen, und mich dünkte einiges Nachdenken auf ihrer Stirn zu sehen,
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611 |
als wir so vor einander vorbeikreuzten.—"Was soll ich's Ihnen leugnen," sagte
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612 |
sie, indem sie mir die Hand zur Promenade bot. "Albert ist ein braver Mensch,
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613 |
dem ich so gut als verlobt bin".—nun war mir das nichts Neues (denn die
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614 |
Mädchen hatten mir's auf dem Wege gesagt) und war mir doch so ganz neu, weil ich
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615 |
es noch nicht im Verhältnis auf sie, die mir in so wenig Augenblicken so wert
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616 |
geworden war, gedacht hatte. Genug, ich verwirrte mich, vergass mich und kam
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617 |
zwischen das unrechte Paar hinein, dass alles drunter und drüber ging und Lottens
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618 |
ganze Gegenwart und Zerren und Ziehen nötig war, um es schnell wieder in Ordnung
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619 |
zu bringen.
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620 |
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621 |
Der Tanz war noch nicht zu Ende, als die Blitze, die wir schon lange am
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622 |
Horizonte leuchten gesehn und die ich immer für Wetterkühlen ausgegeben hatte, viel
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623 |
stärker zu werden anfingen und der Donner die Musik überstimmte. Drei Frauenzimmer
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624 |
liefen aus der Reihe, denen ihre Herren folgten; die Unordnung wurde allgemein,
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625 |
und die Musik hörte auf. Es ist natürlich, wenn uns ein Unglück oder etwas
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626 |
Schreckliches im Vergnügen überrascht, dass es stärkere Eindrücke auf uns macht als
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627 |
sonst, teils wegen des Gegensatzes, der sich so lebhaft empfinden lässt, teils und
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628 |
noch mehr, weil unsere Sinne einmal der Fühlbarkeit geöffnet sind und also
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629 |
desto schneller einen Eindruck annehmen. Diesen Ursachen muss ich die wunderbaren
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630 |
Grimassen zuschreiben, in die ich mehrere Frauenzimmer ausbrechen sah. Die klügste
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631 |
setzte sich in eine Ecke, mit dem Rücken gegen das Fenster, und hielt die Ohren
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632 |
zu. Eine andere kniete vor ihr nieder und verbarg den Kopf in der erster
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633 |
Schoss. Eine dritte schob sich zwischen beide hinein und umfasste ihre
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634 |
Schwesterchen mit tausend Tränen. Einige wollten nach Hause; andere, die noch weniger
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635 |
wussten, was sie taten, hatten nicht so viel Besinnungskraft, den Keckheiten
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636 |
unserer jungen Schlucker zu steuern, die sehr beschäftigt zu sein schienen, alle
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637 |
die ängstlichen Gebete, die dem Himmel bestimmt waren, von den Lippen der
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638 |
schönen Bedrängten wegzufangen. Einige unserer Herren hatten sich hinabbegeben, um
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639 |
ein Pfeifchen in Ruhe zu rauchen; und die übrige Gesellschaft schlug es nicht
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640 |
aus, als die Wirtin auf den klugen Einfall kam, uns ein Zimmer anzuweisen, das
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641 |
Läden und Vorhänge hätte. Kaum waren wir da angelangt, als Lotte beschäftigt
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642 |
war, einen Kreis von Stühlen zu stellen und, als sich die Gesellschaft auf ihre
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643 |
Bitte gesetzt hatte, den Vortrag zu einem Spiele zu tun.
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644 |
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645 |
Ich sah manchen, der in Hoffnung auf ein saftiges Pfand sein Mäulchen spitzte
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646 |
und seine Glieder reckte.—"Wir spielen Zählens!" sagte sie. "Nun gebt acht!
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647 |
Ich geh' im Kreise herum von der Rechten zur Linken, und so zählt ihr auch
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648 |
rings herum, jeder die Zahl, die an ihn kommt, und das muss gehen wie ein
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649 |
Lauffeuer, und wer stockt oder sich irrt, kriegt eine Ohrfeige, und so bis
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650 |
tausend".—nun war das lustig anzusehen: sie ging mit ausgestrecktem Arm im Kreise herum.
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651 |
"Eins", fing der erste an, der Nachbar "zwei", "drei" der folgende, und so fort.
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652 |
Dann fing sie an, geschwinder zu gehen, immer geschwinder; da versah's einer:
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653 |
Patsch! Eine Ohrfeige, und über das Gelächter der folgende auch: Patsch! Und immer
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654 |
geschwinder. Ich selbst kriegte zwei Maulschellen und glaubte mit innigem Vergnügen zu
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655 |
bemerken, dass sie stärker seien, als sie den übrigen zuzumessen pflegte. Ein
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656 |
allgemeines Gelächter und Geschwärm endigte das Spiel, ehe noch das Tausend ausgezählt
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657 |
war. Die Vertrautesten zogen einander beiseite, das Gewitter war vorüber, und
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658 |
ich folgte Lotten in den Saal. Unterwegs sagte sie:"über die Ohrfeigen haben
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659 |
sie Wetter und alles vergessen!"—ich konnte ihr nichts antworten.—"ich war",
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660 |
fuhr sie fort, "eine der Furchtsamsten, und indem ich mich herzhaft stellte, um
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661 |
den andern Mut zu geben, bin ich mutig geworden".—Wir traten ans Fenster. Es
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662 |
donnerte abseitwärts, und der herrliche Regen säuselte auf das Land, und der
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663 |
erquickendste Wohlgeruch stieg in aller Fülle einer warmen Luft zu uns auf. Sie stand
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664 |
auf ihren Ellenbogen gestützt, ihr Blick durchdrang die Gegend; sie sah gen
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665 |
Himmel und auf mich, ich sah ihr Auge tränenvoll, sie legte ihre Hand auf die
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666 |
meinige und sagte: "Klopstock!"—Ich erinnerte mich sogleich der herrlichen Ode,
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667 |
die ihr in Gedanken lag, und versank in dem Strome von Empfindungen, den sie
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668 |
in dieser Losung über mich ausgoss. Ich ertrug's nicht, neigte mich auf ihre
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669 |
Hand und küsste sie unter den wonnevollsten Tränen. Und sah nach ihrem Auge
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670 |
wieder—Edler! Hättest du deine Vergötterung in diesem Blicke gesehen, und möcht' ich nun
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671 |
deinen so oft entweihten Namen nie wieder nennen hören!
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672 |
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673 |
Am 19. Junius
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674 |
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675 |
Wo ich neulich mit meiner Erzählung geblieben bin, weiss ich nicht mehr; das
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676 |
weiss ich, dass es zwei Uhr des Nachts war, als ich zu Bette kam, und dass, wenn
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677 |
ich dir hätte vorschwatzen können, statt zu schreiben, ich dich vielleicht bis
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678 |
an den Morgen aufgehalten hätte.
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679 |
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680 |
Was auf unserer Hereinfahrt vom Balle geschehen ist, habe ich noch nicht
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681 |
erzählt, habe auch heute keinen Tag dazu.
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682 |
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683 |
Es war der herrlichste Sonnenaufgang. Der tröpfelnde Wald und das erfrischte
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684 |
Feld umher! Unsere Gesellschafterinnen nickten ein. Sie fragte mich, ob ich
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685 |
nicht auch von der Partie sein wollte; ihretwegen sollt' ich unbekümmert
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686 |
sein.—"So lange ich diese Augen offen sehe", sagte ich und sah sie fest an,"so lange
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687 |
hat's keine Gefahr".—Und wir haben beide ausgehalten bis an ihr Tor, da ihr die
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688 |
Magd leise aufmachte und auf ihr Fragen versicherte, dass Vater und Kleine wohl
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689 |
seien und alle noch schliefen. Da verliess ich sie mit der Bitte, sie selbigen
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690 |
Tags noch sehen zu dürfen; sie gestand mir's zu, und ich bin gekommen—und seit
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691 |
der Zeit können Sonne, Mond und Sterne geruhig ihre Wirtschaft treiben, ich
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692 |
weiss weder dass Tag noch dass Nacht ist, und die ganze Welt verliert sich um mich
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693 |
her.
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694 |
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695 |
Am 21. Junius
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696 |
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697 |
Ich lebe so glückliche Tage, wie sie Gott seinen Heiligen ausspart; und mit
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698 |
mir mag werden was will, so darf ich nicht sagen, dass ich die Freuden, die
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699 |
reinsten Freuden des Lebens nicht genossen habe.—du kennst mein Wahlheim; dort bin
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700 |
ich völlig etabliert, von da habe ich nur eine halbe Stunde zu Lotten, dort
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701 |
fühl' ich mich selbst und alles Glück, das dem Menschen gegeben ist.
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702 |
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703 |
Hätt' ich gedacht, als ich mir Wahlheim zum Zwecke meiner Spaziergänge wählte,
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704 |
dass es so nahe am Himmel läge! Wie oft habe ich das Jagdhaus, das nun alle
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705 |
meine Wünsche einschliesst, auf meinen weiten Wanderungen, bald vom Berge, bald
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706 |
von der Ebne über den Fluss gesehn!
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707 |
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708 |
Lieber Wilhelm, ich habe allerlei nachgedacht, über die Begier im Menschen, sich
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709 |
auszubreiten, neue Entdeckungen zu machen, herumzuschweifen; und dann wieder über den
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710 |
inneren Trieb, sich der Einschränkung willig zu ergeben, in dem Gleise der
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711 |
Gewohnheit so hinzufahren und sich weder um Rechts noch um Links zu bekümmern.
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712 |
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713 |
Es ist wunderbar: wie ich hierher kam und vom Hügel in das schöne Tal
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714 |
schaute, wie es mich rings umher anzog.—dort das Wäldchen!—ach könntest du dich in
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715 |
seine Schatten mischen!—dort die Spitze des Berges!—ach könntest du von da die
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716 |
weite Gegend überschauen!—die in einander geketteten Hügel und vertraulichen
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717 |
Täler!—o könnte ich mich in ihnen verlieren!—ich eilte hin, und kehrte zurück, und
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718 |
hatte nicht gefunden, was ich hoffte. O es ist mit der Ferne wie mit der
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719 |
Zukunft! Ein grosses dämmerndes Ganze ruht vor unserer Seele, unsere Empfindung
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720 |
verschwimmt darin wie unser Auge, und wir sehnen uns, ach! Unser ganzes Wesen
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721 |
hinzugeben, uns mit aller Wonne eines einzigen, grossen, herrlichen Gefühls ausfüllen
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722 |
zu lassen.—und ach! Wenn wir hinzueilen, wenn das Dort nun Hier wird, ist
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723 |
alles vor wie nach, und wir stehen in unserer Armut, in unserer
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724 |
Eingeschränktheit, und unsere Seele lechzt nach entschlüpftem Labsale.
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725 |
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726 |
So sehnt sich der unruhigste Vagabund zuletzt wieder nach seinem
|
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727 |
Vaterlande und findet in seiner Hütte, an der Brust seiner Gattin, in
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728 |
dem Kreise seiner Kinder, in den Geschäften zu ihrer Erhaltung die
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729 |
Wonne, die er in der weiten Welt vergebens suchte.
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730 |
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731 |
Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim und
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732 |
dort im Wirtsgarten mir meine Zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie
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733 |
abfädne und dazwischen in meinem Homer lese; wenn ich in der kleinen Küche mir
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734 |
einen Topf wähle, mir Butter aussteche, Schoten ans Feuer stelle, zudecke und
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735 |
mich dazusetze, sie manchmal umzuschütteln: da fühl' ich so lebhaft, wie die
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736 |
übermütigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten.
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737 |
Es ist nichts, das mich so mit einer stillen, wahren Empfindung ausfüllte als
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738 |
die Züge patriarchalischen Lebens, die ich, Gott sei Dank, ohne Affektation in
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739 |
meine Lebensart verweben kann.
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740 |
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741 |
Wie wohl ist mir's, dass mein Herz die simple, harmlose Wonne des Menschen
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742 |
fühlen kann, der ein Krauthaupt auf seinen Tisch bringt, das er selbst gezogen,
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und nun nicht den Kohl allein, sondern all die guten Tage, den schönen Morgen,
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da er ihn pflanzte, die lieblichen Abende, da er ihn begoss, und da er an dem
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fortschreitenden Wachstum seine Freude hatte, alle in einem Augenblicke wieder mitgeniesst.
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Am 29. Junius
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Vorgestern kam der Medikus hier aus der Stadt hinaus zum Amtmann und fand mich auf
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der Erde unter Lottens Kindern, wie einige auf mir herumkrabbelten, andere
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mich neckten, und wie ich sie kitzelte und ein grosses Geschrei mit ihnen
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erregte. Der Doktor, der eine sehr dogmatische Drahtpuppe ist, unterm Reden seine
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753 |
Manschetten in Falten legt und einen Kräusel ohne Ende herauszupft, fand dieses unter
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der Würde eines gescheiten Menschen; das merkte ich an seiner Nase. Ich liess
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mich aber in nichts stören, liess ihn sehr vernünftige Sachen abhandeln und
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baute den Kindern ihre Kartenhäuser wieder, die sie zerschlagen hatten. Auch
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ging er darauf in der Stadt herum und beklagte, des Amtmanns Kinder wären so
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schon ungezogen genug, der Werther verderbe sie nun völlig.
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759 |
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Ja, lieber Wilhelm, meinem Herzen sind die Kinder am nächsten auf der Erde.
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Wenn ich ihnen zusehe und in dem kleinen Dinge die Keime aller Tugenden, aller
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762 |
Kräfte sehe, die sie einmal so nötig brauchen werden; wenn ich in dem Eigensinne
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763 |
künftige Standhaftigkeit und Festigkeit des Charakters, in dem Mutwillen guten
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764 |
Humor und Leichtigkeit, über die Gefahren der Welt hinzuschlüpfen, erblicke,
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765 |
alles so unverdorben, so ganz!—immer, immer wiederhole ich dann die goldenen
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766 |
Worte des Lehrers der Menschen:"wenn ihr nicht werdet wie eines von diesen!" und
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767 |
nun, mein Bester, sie, die unseresgleichen sind, die wir als unsere Muster
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ansehen sollten, behandeln wir als Untertanen. Sie sollen keinen Willen
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769 |
haben!—haben wir denn keinen? Und wo liegt das Vorrecht?—weil wir älter sind und
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gescheiter!—guter Gott von deinem Himmel, alte Kinder siehst du und junge Kinder, und nichts
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weiter; und an welchen du mehr Freude hast, das hat dein Sohn schon lange
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772 |
verkündigt. Aber sie glauben an ihn und hören ihn nicht—das ist auch was Altes!—und
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773 |
bilden ihre Kinder nach sich und—Adieu, Wilhelm! Ich mag darüber nicht weiter
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774 |
radotieren.
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775 |
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776 |
Am 1. Julius
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777 |
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778 |
Was Lotte einem Kranken sein muss, fühl' ich an meinem eigenen Herzen, das
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779 |
übler dran ist als manches, das auf dem Siechbette verschmachtet. Sie wird
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780 |
einige Tage in der Stadt bei einer rechtschaffnen Frau zubringen, die sich nach
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781 |
der Aussage der Ärzte ihrem Ende naht und in diesen letzten Augenblicken
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782 |
Lotten um sich haben will. Ich war vorige Woche mit ihr, den Pfarrer von St. zu
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783 |
besuchen; ein Örtchen, das eine Stunde seitwärts im Gebirge liegt. Wir kamen gegen
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784 |
vier dahin. Lotte hatte ihre zweite Schwester mitgenommen. Als wir in den mit
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785 |
zwei hohen Nussbäumen überschatteten Pfarrhof traten, sass der gute alte Mann auf
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786 |
einer Bank vor der Haustür, und da er Lotten sah, ward er wie neu belebt, vergass
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seinen Knotenstock und wagte sich auf, ihr entgegen. Sie lief hin zu ihm, nötigte
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788 |
ihn sich niederzulassen, indem sie sich zu ihm setzte, brachte viele Grüsse von
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789 |
ihrem Vater, herzte seinen garstigen, schmutzigen jüngsten Buben, das Quakelchen
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790 |
seines Alters. Du hättest sie sehen sollen, wie sie den Alten beschäftigte, wie
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791 |
sie ihre Stimme erhob, um seinen halb tauben Ohren vernehmlich zu werden, wie
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792 |
sie ihm von jungen, robusten Leuten erzählte, die unvermutet gestorben wären,
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793 |
von der Vortrefflichkeit des Karlsbades, und wie sie seinen Entschluss lobte,
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794 |
künftigen Sommer hinzugehen, wie sie fand, dass er viel besser aussähe, viel munterer
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795 |
sei als das letztemal, da sie ihn gesehn.—ich hatte indes der Frau Pfarrerin
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796 |
meine Höflichkeiten gemacht. Der Alte wurde ganz munter, und da ich nicht umhin
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797 |
konnte, die schönen Nussbäume zu loben, die uns so lieblich beschatteten, fing er
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798 |
an, uns, wiewohl mit einiger Beschwerlichkeit, die Geschichte davon zu
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geben.—"den alten", sagte er,"wissen wir nicht, wer den gepflanzt hat; einige sagen
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800 |
dieser, andere jener Pfarrer. Der jüngere aber dort hinten ist so alt als meine
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801 |
Frau, im Oktober funfzig Jahr. Ihr Vater pflanzte ihn des Morgens, als sie gegen
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Abend geboren wurde. Er war mein Vorfahr im Amt, und wie lieb ihm der Baum war,
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803 |
ist nicht zu sagen; mir ist er's gewiss nicht weniger. Meine Frau sass darunter
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804 |
auf einem Balken und strickte, da ich vor siebenundzwanzig Jahren als ein
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805 |
armer Student zum erstenmale hier in den Hof kam".—Lotte fragte nach seiner
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Tochter; es hiess, sie sei mit Herrn Schmidt auf die Wiese hinaus zu den Arbeitern,
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und der Alte fuhr in seiner Erzählung fort: wie sein Vorfahr ihn liebgewonnen
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und die Tochter dazu, und wie er erst sein Vikar und dann sein Nachfolger
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geworden. Die Geschichte war nicht lange zu Ende, als die Jungfer Pfarrerin mit dem
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sogenannten Herrn Schmidt durch den Garten herkam: sie bewillkommte Lotten mit
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811 |
herzlicher Wärme, und ich muss sagen, sie gefiel mir nicht übel; eine rasche,
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812 |
wohlgewachsene Brünette, die einen die kurze Zeit über auf dem Lande wohl unterhalten
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813 |
hätte. Ihr Liebhaber (denn als solchen stellte sich Herr Schmidt gleich dar), ein
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814 |
feiner, doch stiller Mensch, der sich nicht in unsere Gespräche mischen wollte, ob
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ihn gleich Lotte immer hereinzog. Was mich am meisten betrübte, war, dass ich
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an seinen Gesichtszügen zu bemerken schien, es sei mehr Eigensinn und übler
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Humor als Eingeschränktheit des Verstandes, der ihn sich mitzuteilen hinderte.
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In der Folge ward dies leider nur zu deutlich; denn als Friederike beim
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Spazierengehen mit Lotten und gelegentlich auch mit mir ging, wurde des Herrn Angesicht,
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das ohnedies einer bräunlichen Farbe war, so sichtlich verdunkelt, dass es Zeit
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821 |
war, dass Lotte mich beim Ärmel zupfte und mir zu verstehn gab, dass ich mit
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822 |
Friederiken zu artig getan. Nun verdriesst mich nichts mehr, als wenn die Menschen
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823 |
einander plagen, am meisten, wenn junge Leute in der Blüte des Lebens, da sie am
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824 |
offensten für alle Freuden sein könnten, einander die paar guten Tage mit Fratzen
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verderben und nur erst zu spät das Unersetzliche ihrer Verschwendung einsehen. Mich
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wurmte das, und ich konnte nicht umhin, da wir gegen Abend in den Pfarrhof
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827 |
zurückkehrten und an einem Tische Milch assen und das Gespräch auf Freude und Leid der
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828 |
Welt sich wendete, den Faden zu ergreifen und recht herzlich gegen die üble
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Laune zu reden.—"wir Menschen beklagen uns oft", fing ich an, "dass der guten
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Tage so wenig sind und der schlimmen so viel, und, wie mich dünkt, meist mit
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831 |
Unrecht. Wenn wir immer ein offenes Herz hätten, das Gute zu geniessen, das uns Gott
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832 |
für jeden Tag bereitet, wir würden alsdann auch Kraft genug haben, das Übel zu
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833 |
tragen, wenn es kommt". —"Wir haben aber unser Gemüt nicht in unserer Gewalt",
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834 |
versetzte die Pfarrerin, "wie viel hängt vom Körper ab! Wenn einem nicht wohl ist,
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835 |
ist's einem überall nicht recht".—Ich gestand ihr das ein.—"Wir wollen es also",
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836 |
fuhr ich fort,"als eine Krankheit ansehen und fragen, ob dafür kein Mittel
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837 |
ist?"—"Das lässt sich hören", sagte Lotte, "ich glaube wenigstens, dass viel von uns
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838 |
abhängt. Ich weiss es an mir. Wenn mich etwas neckt und mich verdriesslich machen
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839 |
will, spring' ich auf und sing' ein paar Contretänze den Garten auf und ab,
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840 |
gleich ist's weg".—"das war's, was ich sagen wollte,"versetzte ich,"es ist mit
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841 |
der üblen Laune völlig wie mit der Trägheit, denn es ist eine Art von
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842 |
Trägheit. Unsere Natur hängt sehr dahin, und doch, wenn wir nur einmal die Kraft
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843 |
haben, uns zu ermannen, geht uns die Arbeit frisch von der Hand, und wir finden
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844 |
in der Tätigkeit ein wahres Vergnügen". —Friederike war sehr aufmerksam, und
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845 |
der junge Mensch wandte mir ein, dass man nicht Herr über sich selbst sei und
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am wenigsten über seine Empfindungen gebieten könne.—"es ist hier die Frage
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847 |
von einer unangenehmen Empfindung", versetzte ich, "die doch jedermann gerne
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848 |
los ist; und niemand weiss, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht
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849 |
hat. Gewiss, wer krank ist, wird bei allen Ärzten herumfragen, und die grössten
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850 |
Resignationen, die bittersten Arzeneien wird er nicht abweisen, um seine gewünschte
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851 |
Gesundheit zu erhalten".—ich bemerkte, dass der ehrliche Alte sein Gehör anstrengte,
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852 |
um an unserm Diskurse teilzunehmen, ich erhob die Stimme, indem ich die Rede
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853 |
gegen ihn wandte". Man predigt gegen so viele Laster", sagte ich, "ich habe noch
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854 |
nie gehört, dass man gegen die üble Laune vom Predigtstuhle gearbeitet
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855 |
hätte.—"Das müssten die Stadtpfarrer tun", sagte er, "die Bauern haben keinen bösen
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856 |
Humor; doch könnte es auch zuweilen nicht schaden, es wäre eine Lektion für seine
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857 |
Frau wenigstens und für den Herrn Amtmann".—Die Gesellschaft lachte, und er
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858 |
herzlich mit, bis er in einen Husten verfiel, der unsern Diskurs eine Zeitlang
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859 |
unterbrach; darauf denn der junge Mensch wieder das Wort nahm: "Sie nannten den bösen
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860 |
Humor ein Laster; mich deucht, das ist übertrieben".—"Mit nichten", gab ich zur
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861 |
Antwort, "wenn das, womit man sich selbst und seinem Nächsten schadet, diesen Namen
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862 |
verdient. Ist es nicht genug, dass wir einander nicht glücklich machen können, müssen
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863 |
wir auch noch einander das Vergnügen rauben, das jedes Herz sich noch manchmal
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864 |
selbst gewähren kann? Und nennen Sie mir den Menschen, der übler Laune ist und so
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865 |
brav dabei, sie zu verbergen, sie allein zu tragen, ohne die Freude um sich her
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866 |
zu zerstören! Oder ist sie nicht vielmehr ein innerer Unmut über unsere
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867 |
eigene Unwürdigkeit, ein Missfallen an uns selbst, das immer mit einem Neide
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868 |
verknüpft ist, der durch eine törichte Eitelkeit aufgehetzt wird? Wir sehen
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869 |
glückliche Menschen, die wir nicht glücklich machen, und das ist unerträglich".—Lotte
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870 |
lächelte mich an, da sie die Bewegung sah, mit der ich redete, und eine Träne in
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871 |
Friederikens Auge spornte mich fortzufahren.—"Wehe denen", sagte ich, "die sich der
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872 |
Gewalt bedienen, die sie über ein Herz haben, um ihm die einfachen Freuden zu
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873 |
rauben, die aus ihm selbst hervorkeimen. Alle Geschenke, alle Gefälligkeiten der
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874 |
Welt ersetzen nicht einen Augenblick Vergnügen an sich selbst, den uns eine
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875 |
neidische Unbehaglichkeit unsers Tyrannen vergällt hat".
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876 |
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877 |
Mein ganzes Herz war voll in diesem Augenblicke; die Erinnerung so manches
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878 |
Vergangenen drängte sich an meine Seele, und die Tränen kamen mir in die Augen.
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879 |
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880 |
"Wer sich das nur täglich sagte",rief ich aus,"du vermagst nichts auf deine
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881 |
Freunde, als ihnen ihre Freuden zu lassen und ihr Glück zu vermehren, indem du es
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882 |
mit ihnen geniessest. Vermagst du, wenn ihre innere Seele von einer
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883 |
ängstigenden Leidenschaft gequält, vom Kummer zerrüttet ist, ihnen einen Tropfen
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884 |
Linderung zu geben?
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885 |
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886 |
Und wenn die letzte, bangste Krankheit dann über das Geschöpf herfällt, das du
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887 |
in blühenden Tagen untergraben hast, und sie nun daliegt in dem
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888 |
erbärmlichsten Ermatten, das Auge gefühllos gen Himmel sieht, der Todesschweiss auf der
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889 |
blassen Stirne abwechselt, und du vor dem Bette stehst wie ein Verdammter, in dem
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890 |
innigsten Gefühl, dass du nichts vermagst mit deinem ganzen Vermögen, und die Angst
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891 |
dich inwendig krampft, dass du alles hingeben möchtest, dem untergehenden
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892 |
Geschöpfe einen Tropfen Stärkung, einen Funken Mut einflössen zu können".
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893 |
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894 |
Die Erinnerung einer solchen Szene, wobei ich gegenwärtig war, fiel mit ganzer
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895 |
Gewalt bei diesen Worten über mich. Ich nahm das Schnupftuch vor die Augen und
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896 |
verliess die Gesellschaft, und nur Lottens Stimme, die mir rief, wir wollten fort,
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897 |
brachte mich zu mir selbst. Und wie sie mich auf dem Wege schalt über den zu
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898 |
warmen Anteil an allem, und dass ich drüber zugrunde gehen würde! Dass ich mich
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899 |
schonen sollte!—O der Engel! Um deinetwillen muss ich leben!
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900 |
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901 |
Am 6. Julius
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902 |
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903 |
Sie ist immer um ihre sterbende Freundin, und ist immer dieselbe, immer das
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904 |
gegenwärtige, holde Geschöpf, das, wo sie hinsieht, Schmerzen lindert und Glückliche
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905 |
macht. Sie ging gestern abend mit Marianen und dem kleinen Malchen spazieren, ich
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906 |
wusste es und traf sie an, und wir gingen zusammen. Nach einem Wege von
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907 |
anderthalb Stunden kamen wir gegen die Stadt zurück, an den Brunnen, der mir so wert
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908 |
und nun tausendmal werter ist. Lotte setzte sich aufs Mäuerchen, wir standen
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909 |
vor ihr. Ich sah umher, ach, und die Zeit, da mein Herz so allein war, lebte
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910 |
wieder vor mir auf.—"Lieber Brunnen", sagte ich, "seither hab' ich nicht mehr an
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911 |
deiner Kühle geruht, hab' in eilendem Vorübergehn dich manchmal nicht
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912 |
angesehn".—Ich blickte hinab und sah, dass Malchen mit einem Glase Wasser sehr beschäftigt
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913 |
heraufstieg.—Ich sah Lotten an und fühlte alles, was ich an ihr habe. Indem kommt Malchen
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914 |
mit einem Glase. Mariane wollt' es ihr abnehmen: "nein!" rief das Kind mit dem
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915 |
süssesten Ausdrucke,"nein, Lottchen, du sollst zuerst trinken!"—ich ward über die
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916 |
Wahrheit, über die Güte, womit sie das ausrief, so entzückt, dass ich meine
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917 |
Empfindung mit nichts ausdrücken konnte, als ich nahm das Kind von der Erde und küsste
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918 |
es lebhaft, das sogleich zu schreien und zu weinen anfing.—"Sie haben übel
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919 |
getan", sagte Lotte.—Ich war betroffen.—"komm, Malchen, "fuhr sie fort, indem sie
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920 |
es bei der Hand nahm und die Stufen hinabführte, "da wasche dich aus der
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921 |
frischen Quelle geschwind, geschwind, da tut's nichts".—Wie ich so dastand und
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922 |
zusah, mit welcher Emsigkeit das Kleine seinen nassen Händchen die Backen rieb,
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923 |
mit welchem Glauben, dass durch die Wunderquelle alle Verunreinigung abgespült
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924 |
und die Schmach abgetan würde, einen hässlichen Bart zu kriegen; wie Lotte
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925 |
sagte: "es ist genug!" und das Kind doch immer eifrig fortwusch, als wenn Viel
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926 |
mehr täte als Wenig—ich sage dir, Wilhelm, ich habe mit mehr Respekt nie einer
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927 |
Taufhandlung beigewohnt; und als Lotte heraufkam, hätte ich mich gern vor ihr
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928 |
niedergeworfen wie vor einem Propheten, der die Schulden einer Nation weggeweiht hat.
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929 |
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930 |
Des Abends konnte ich nicht umhin, in der Freude meines Herzens den Vorfall
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931 |
einem Manne zu erzählen, dem ich Menschensinn zutraute, weil er Verstand hat;
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932 |
aber wie kam ich an! Er sagte, das sei sehr übel von Lotten gewesen; man solle
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933 |
den Kindern nichts weis machen; dergleichen gebe zu unzähligen Irrtümern und
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934 |
Aberglauben Anlass, wovor man die Kinder frühzeitig bewahren müsse.—nun fiel mir ein,
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935 |
dass der Mann vor acht Tagen hatte taufen lassen, drum liess ich's vorbeigehen
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936 |
und blieb in meinem Herzen der Wahrheit getreu: wir sollen es mit den Kindern
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937 |
machen wie Gott mit uns, der uns am glücklichsten macht, wenn er uns in
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938 |
freundlichem Wahne so hintaumeln lässt.
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939 |
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940 |
Am 8. Julius
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941 |
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942 |
Was man ein Kind ist! Was man nach so einem Blicke geizt! Was man ein Kind
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943 |
ist!—Wir waren nach Wahlheim gegangen. Die Frauenzimmer fuhren hinaus, und während
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944 |
unserer Spaziergänge glaubte ich in Lottens schwarzen Augen—ich bin ein Tor,
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945 |
verzeih mir's! Du solltest sie sehen, diese Augen.—Dass ich kurz bin (denn die
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946 |
Augen fallen mir zu vor Schlaf): siehe, die Frauenzimmer stiegen ein, da standen
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947 |
um die Kutsche der junge W., Selstadt und Audran und ich. Da ward aus dem
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948 |
Schlage geplaudert mit den Kerlchen, die freilich leicht und lüftig genug
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949 |
waren.—ich suchte Lottens Augen: ach, sie gingen von einem zum andern! Aber auf mich!
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950 |
Mich! Mich! Der ganz allein auf sie resigniert dastand, fielen sie nicht!—Mein
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951 |
Herz sagte ihr tausend Adieu! Und sie sah mich nicht! Die Kutsche fuhr vorbei,
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952 |
und eine Träne stand mir im Auge. Ich sah ihr nach und sah Lottens Kopfputz
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953 |
sich zum Schlage herauslehnen, und sie wandte sich um zu sehen, ach! Nach
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954 |
mir?—Lieber! In dieser Ungewissheit schwebe ich; das ist mein Trost: vielleicht hat sie
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955 |
sich nach mir umgesehen! Vielleicht!—Gute Nacht! O, was ich ein Kind bin!
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956 |
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957 |
Am 10. Julius
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958 |
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959 |
Die alberne Figur, die ich mache, wenn in Gesellschaft von ihr gesprochen
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960 |
wird, solltest du sehen! Wenn man mich nun gar fragt, wie sie mir
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961 |
gefällt?—gefällt! Das Wort hasse ich auf den Tod. Was muss das für ein Mensch sein, dem Lotte
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962 |
gefällt, dem sie nicht alle Sinne, alle Empfindungen ausfüllt! Gefällt! Gefällt!
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963 |
Neulich fragte mich einer, wie mir Ossian gefiele!
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964 |
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965 |
Am 11. Julius
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966 |
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967 |
Frau M. ist sehr schlecht; ich bete für ihr Leben, weil ich mit Lotten dulde.
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968 |
Ich sehe sie selten bei einer Freundin, und heute hat sie mir einen
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969 |
wunderbaren Vorfall erzählt.—der alte M. ist ein geiziger, rangiger Filz, der seine
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970 |
Frau im Leben was Rechts geplagt und eingeschränkt hat; doch hat sich die Frau
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971 |
immer durchzuhelfen gewusst. Vor wenigen Tagen, als der Arzt ihr das Leben
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972 |
abgesprochen hatte, liess sie ihren Mann kommen (Lotte war im Zimmer) und redete ihn
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973 |
also an: "ich muss dir eine Sache gestehen, die nach meinem Tode Verwirrung und
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974 |
Verdruss machen könnte. Ich habe bisher die Haushaltung geführt, so ordentlich und
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975 |
sparsam als möglich; allein du wirst mir verzeihen, dass ich dich diese dreissig
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976 |
Jahre her hintergangen habe. Du bestimmtest im Anfange unserer Heirat ein
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977 |
Geringes für die Bestreitung der Küche und anderer häuslichen Ausgaben. Als unsere
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978 |
Haushaltung stärker wurde, unser Gewerbe grösser, warst du nicht zu bewegen, mein
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979 |
Wochengeld nach dem Verhältnisse zu vermehren; kurz, du weisst, dass du in den Zeiten,
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980 |
da sie am grössten war, verlangtest, ich solle mit sieben Gulden die Woche
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981 |
auskommen.
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982 |
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983 |
Die habe ich denn ohne Widerrede genommen und mir den Überschuss wöchentlich
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984 |
aus der Losung geholt, da niemand vermutete, dass die Frau die Kasse bestehlen
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985 |
würde. Ich habe nichts verschwendet und wäre auch, ohne es zu bekennen, getrost
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986 |
der Ewigkeit entgegengegangen, wenn nicht diejenige, die nach mir das
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987 |
Hauswesen zu führen hat, sich nicht zu helfen wissen würde, und du doch immer darauf
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988 |
bestehen könntest, deine erste Frau sei damit ausgekommen".
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989 |
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990 |
Ich redete mit Lotten über die unglaubliche Verblendung des Menschensinns, dass
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991 |
einer nicht argwohnen soll, dahinter müsse was anders stecken, wenn eins mit
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992 |
sieben Gulden hinreicht, wo man den Aufwand vielleicht um zweimal so viel sieht.
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993 |
Aber ich habe selbst Leute gekannt, die des Propheten ewiges Ölkrüglein ohne
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994 |
Verwunderung in ihrem Hause angenommen hätten.
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995 |
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996 |
Am 13. Julius
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997 |
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998 |
Nein, ich betrüge mich nicht! Ich lese in ihren schwarzen Augen wahre
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999 |
Teilnehmung an mir und meinem Schicksal. Ja ich fühle, und darin darf ich meinem
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1000 |
Herzen trauen, dass sie—o darf ich, kann ich den Himmel in diesen Worten
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1001 |
aussprechen?—dass sie mich liebt!
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1002 |
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1003 |
Mich liebt!—und wie wert ich mir selbst werde, wie ich—dir darf ich's wohl
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1004 |
sagen, du hast Sinn für so etwas—wie ich mich selbst anbete, seitdem sie mich
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1005 |
liebt!
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1006 |
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1007 |
Ob das Vermessenheit ist oder Gefühl des wahren Verhältnisses?—ich kenne den
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1008 |
Menschen nicht, von dem ich etwas in Lottens Herzen fürchtete. Und doch—wenn sie
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1009 |
von ihrem Bräutigam spricht, mit solcher Wärme, solcher Liebe von ihm
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1010 |
spricht—da ist mir's wie einem, der aller seiner Ehren und Würden entsetzt und dem
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1011 |
der Degen genommen wird.
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1012 |
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1013 |
Am 16. Julius
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1014 |
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1015 |
Ach wie mir das durch alle Adern läuft, wenn mein Finger unversehens den
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1016 |
ihrigen berührt, wenn unsere Füsse sich unter dem Tische begegnen! Ich ziehe zurück
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1017 |
wie vom Feuer, und eine geheime Kraft zieht mich wieder vorwärts—mir wird's so
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1018 |
schwindelig vor allen Sinnen.—O! Und ihre Unschuld, ihre unbefangene Seele fühlt
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1019 |
nicht, wie sehr mich die kleinen Vertraulichkeiten peinigen. Wenn sie gar im
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1020 |
Gespräch ihre Hand auf die meinige legt und im Interesse der Unterredung näher zu
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1021 |
mir rückt, dass der himmlische Atem ihres Mundes meine Lippen erreichen
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1022 |
kann:—ich glaube zu versinken, wie vom Wetter gerührt.—und, Wilhelm! Wenn ich mich
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1023 |
jemals unterstehe, diesen Himmel, dieses Vertrauen—! Du verstehst mich. Nein,
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1024 |
mein Herz ist so verderbt nicht! Schwach! Schwach genug!—und ist das nicht
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1025 |
Verderben?—sie ist mir heilig. Alle Begier schweigt in ihrer Gegenwart. Ich weiss nie, wie
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1026 |
mir ist, wenn ich bei ihr bin; es ist, als wenn die Seele sich mir in allen
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1027 |
Nerven umkehrte.—sie hat eine Melodie, die sie auf dem Klaviere spielet mit der
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1028 |
Kraft eines Engels, so simpel und so geistvoll! Es ist ihr Leiblied, und mich
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1029 |
stellt es von aller Pein, Verwirrung und Grillen her, wenn sie nur die erste Note
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1030 |
davon greift.
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1031 |
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1032 |
Kein Wort von der Zauberkraft der alten Musik ist mir unwahrscheinlich. Wie
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1033 |
mich der einfache Gesang angreift! Und wie sie ihn anzubringen weiss, oft zur
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1034 |
Zeit, wo ich mir eine Kugel vor den Kopf schiessen möchte! Die Irrung und
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1035 |
Finsternis meiner Seele zerstreut sich, und ich atme wieder freier.
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1036 |
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1037 |
Am 18. Julius
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1038 |
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1039 |
Wilhelm, was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe! Was eine Zauberlaterne ist
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1040 |
ohne Licht! Kaum bringst du das Lämpchen hinein, so scheinen dir die buntesten
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1041 |
Bilder an deine weisse Wand! Und wenn's nichts wäre als das, als vorübergehende
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1042 |
Phantome, so macht's doch immer unser Glück, wenn wir wie frische Jungen davor
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1043 |
stehen und uns über die Wundererscheinungen entzücken. Heute konnte ich nicht zu
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1044 |
Lotten, eine unvermeidliche Gesellschaft hielt mich ab. Was war zu tun? Ich
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1045 |
schickte meinen Diener hinaus, nur um einen Menschen um mich zu haben, der ihr
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1046 |
heute nahe gekommen wäre. Mit welcher Ungeduld ich ihn erwartete, mit welcher
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1047 |
Freude ich ihn wiedersah! Ich hätte ihn gern beim Kopfe genommen und geküsst, wenn
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1048 |
ich mich nicht geschämt hätte.
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1049 |
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1050 |
Man erzählt von dem Bononischen Steine, dass er, wenn man ihn in die Sonne
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1051 |
legt, ihre Strahlen anzieht und eine Weile bei Nacht leuchtet. So war mir's mit
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1052 |
dem Burschen. Das Gefühl, dass ihre Augen auf seinem Gesichte, seinen Backen,
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1053 |
seinen Rockknöpfen und dem Kragen am Surtout geruht hatten, machte mir das alles
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1054 |
so heilig, so wert! Ich hätte in dem Augenblick den Jungen nicht um tausend
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1055 |
Taler gegeben. Es war mir so wohl in seiner Gegenwart.—bewahre dich Gott, dass du
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1056 |
darüber lachest. Wilhelm, sind das Phantome, wenn es uns wohl ist?
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1057 |
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1058 |
Den 19. Julius
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1059 |
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1060 |
"Ich werde sie sehen!" ruf' ich morgens aus, wenn ich mich ermuntere und mit
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1061 |
aller Heiterkeit der schönen Sonne entgegenblicke; "ich werde sie sehen!" und da
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1062 |
habe ich für den ganzen Tag keinen Wunsch weiter. Alles, alles verschlingt sich
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1063 |
in dieser Aussicht.
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1064 |
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1065 |
Eure Idee will noch nicht die meinige werden, dass ich mit dem Gesandten nach
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1066 |
*** gehen soll. Ich liebe die Subordination nicht sehr, und wir wissen alle,
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1067 |
dass der Mann noch dazu ein widriger Mensch ist. Meine Mutter möchte mich gern
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1068 |
in Aktivität haben, sagst du, das hat mich zu lachen gemacht. Bin ich jetzt
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1069 |
nicht auch aktiv, und ist's im Grunde nicht einerlei, ob ich Erbsen zähle oder
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1070 |
Linsen? Alles in der Welt läuft doch auf eine Lumperei hinaus, und ein Mensch, der
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1071 |
um anderer willen, ohne dass es seine eigene Leidenschaft, sein eigenes
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1072 |
Bedürfnis ist, sich um Geld oder Ehre oder sonst was abarbeitet, ist immer ein Tor.
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1073 |
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1074 |
Am 24. Julius
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1075 |
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1076 |
Da dir so sehr daran gelegen ist, dass ich mein Zeichnen nicht vernachlässige,
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1077 |
möchte ich lieber die ganze Sache übergehen als dir sagen, dass zeither wenig
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1078 |
getan wird.
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1079 |
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1080 |
Noch nie war ich glücklicher, noch nie war meine Empfindung an der Natur, bis
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1081 |
aufs Steinchen, aufs Gräschen herunter, voller und inniger, und doch—ich weiss
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1082 |
nicht, wie ich mich ausdrücken soll, meine vorstellende Kraft ist so schwach,
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1083 |
alles schwimmt und schwankt so vor meiner Seele, dass ich keinen Umriss packen
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1084 |
kann; aber ich bilde mir ein, wenn ich Ton hätte oder Wachs, so wollte ich's
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1085 |
wohl herausbilden. Ich werde auch Ton nehmen, wenn's länger währt, und kneten,
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1086 |
uns sollten's Kuchen werden!
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1087 |
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1088 |
Lottens Porträt habe ich dreimal angefangen, und habe mich dreimal prostituiert;
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1089 |
das mich um so mehr verdriesst, weil ich vor einiger Zeit sehr glücklich im
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1090 |
Treffen war. Darauf habe ich denn ihren Schattenriss gemacht, und damit soll mir
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1091 |
g'nügen.
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1092 |
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1093 |
Ja, liebe Lotte, ich will alles besorgen und bestellen; geben Sie mir nur mehr
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1094 |
Aufträge, nur recht oft. Um eins bitte ich Sie: keinen Sand mehr auf die Zettelchen,
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1095 |
die Sie mir schreiben. Heute führte ich es schnell nach der Lippe, und die
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1096 |
Zähne knisterten mir.
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1097 |
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1098 |
Am 26. Julius
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1099 |
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1100 |
Ich habe mir schon manchmal vorgenommen, sie nicht so oft zu sehn. Ja wer das
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1101 |
halten könnte! Alle Tage unterlieg' ich der Versuchung und verspreche mir heilig:
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1102 |
morgen willst du einmal wegbleiben. Und wenn der Morgen kommt, finde ich doch
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1103 |
wieder eine unwiderstehliche Ursache, und ehe ich mich's versehe, bin ich bei
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1104 |
ihr. Entweder sie hat des Abends gesagt: "Sie kommen doch morgen?"—wer könnte
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1105 |
da wegbleiben? Oder sie gibt mir einen Auftrag, und ich finde schicklich, ihr
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1106 |
selbst die Antwort zu bringen; oder der Tag ist gar zu schön, ich gehe nach
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1107 |
Wahlheim, und wenn ich nun da bin, ist's nur noch eine halbe Stunde zu ihr!—ich bin
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1108 |
zu nah in der Atmosphäre—zuck! So bin ich dort. Meine Grossmutter hatte ein
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1109 |
Märchen vom Magnetenberg: die Schiffe, die zu nahe kamen, wurden auf einmal alles
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1110 |
Eisenwerks beraubt, die Nägel flogen dem Berge zu, und die armen Elenden scheiterten
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1111 |
zwischen den übereinander stürzenden Brettern.
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1112 |
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1113 |
Am 30. Julius
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1114 |
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1115 |
Albert ist angekommen, und ich werde gehen; und wenn er der beste, der edelste
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1116 |
Mensch wäre, unter den ich mich in jeder Betrachtung zu stellen bereit wäre, so
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1117 |
wär's unerträglich, ihn vor meinem Angesicht im Besitz so vieler Vollkommenheit
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1118 |
zu sehen.—Besitz!—genug, Wilhelm, der Bräutigam ist da! Ein braver, lieber
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1119 |
Mann, dem man gut sein muss. Glücklicherweise war ich nicht beim Empfange! Das
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1120 |
hätte mir das Herz zerrissen. Auch ist er so ehrlich und hat Lotten in meiner
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1121 |
Gegenwart noch nicht ein einzigmal geküsst. Das lohn' ihm Gott! Um des Respekts
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1122 |
willen, den er vor dem Mädchen hat, muss ich ihn lieben. Er will mir wohl, und ich
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1123 |
vermute, das ist Lottens Werk mehr als seiner eigenen Empfindung; denn darin sind
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1124 |
die Weiber fein und haben recht; wenn sie zwei Verehrer in gutem Vernehmen mit
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1125 |
einander erhalten können, ist der Vorteil immer ihr, so selten es auch angeht.
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1126 |
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1127 |
Indes kann ich Alberten meine Achtung nicht versagen. Seine gelassene Aussenseite
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1128 |
sticht gegen die Unruhe meines Charakters sehr lebhaft ab, die sich nicht
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1129 |
verbergen lässt. Er hat viel Gefühl und weiss, was er an Lotten hat. Erscheint wenig
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1130 |
üble Laune zu haben, und du weisst, das ist die Sünde, die ich ärger hasse am
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1131 |
Menschen als alle andre.
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1132 |
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1133 |
Er hält mich für einen Menschen von Sinn; und meine Anhänglichkeit zu Lotten,
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1134 |
meine warme Freude, die ich an allen ihren Handlungen habe, vermehrt seinen
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1135 |
Triumph, und er liebt sie nur desto mehr. Ob er sie nicht einmal mit keiner
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1136 |
Eifersüchtelei peinigt, das lasse ich dahingestellt sein, wenigstens würd' ich an seinem
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1137 |
Platz nicht ganz sicher vor diesem Teufel bleiben.
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1138 |
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1139 |
Dem sei nun wie ihm wolle, meine Freude, bei Lotten zu sein, ist hin.
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1140 |
Soll ich das Torheit nennen oder Verblendung?—was braucht's Namen!
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1141 |
Erzählt die Sache an sich!—ich wusste alles, was ich jetzt weiss, ehe
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1142 |
Albert kam; ich wusste, dass ich keine Prätension an sie zu machen hatte,
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1143 |
machte auch keine—das heisst, insofern es möglich ist, bei so viel
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1144 |
Liebenswürdigkeit nicht zu begehren—und jetzt macht der Fratze grosse
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1145 |
Augen, da der andere nun wirklich kommt und ihm das Mädchen wegnimmt.
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1146 |
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1147 |
Ich beisse die Zähne auf einander und spott über mein Elend, und spottete derer
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1148 |
doppelt und dreifach, die sagen könnten, ich sollte mich resignieren, und weil es
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1149 |
nun einmal nicht anders sein könnte. —schafft mir diese Strohmänner vom
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1150 |
Halse!—ich laufe in den Wäldern herum, und wenn ich zu Lotten komme, und Albert bei
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1151 |
ihr sitzt im Gärtchen unter der Laube, und ich nicht weiter kann, so bin ich
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1152 |
ausgelassen närrisch und fange viel Possen, viel verwirrtes Zeug an. —"um Gottes
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1153 |
willen", sagte mir Lotte heut, "ich bitte Sie, keine Szene wie die von gestern
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1154 |
abend! Sie sind fürchterlich, wenn Sie so lustig sind".—Unter uns, ich passe die
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1155 |
Zeit ab, wenn er zu tun hat; wutsch! Bin ich drauss, und da ist mir's immer
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1156 |
wohl, wenn ich sie allein finde.
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1157 |
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1158 |
Am 8. August
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1159 |
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1160 |
Ich bitte dich, lieber Wilhelm, es war gewiss nicht auf dich geredet, wenn ich
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1161 |
die Menschen unerträglich schalt, die von uns Ergebung in unvermeidliche
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1162 |
Schicksale fordern. Ich dachte wahrlich nicht daran, dass du von ähnlicher Meinung
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1163 |
sein könntest. Und im Grunde hast du recht. Nur eins, mein Bester! In der Welt
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1164 |
ist es sehr selten mit dem Entweder-Oder getan; die Empfindungen und
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1165 |
Handlungsweisen schattieren sich so mannigfaltig, als Abfälle zwischen einer Habichts—und
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1166 |
Stumpfnase sind.
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1167 |
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1168 |
Du wirst mir also nicht übelnehmen, wenn ich dir dein ganzes Argument
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1169 |
einräume und mich doch zwischen dem Entweder-Oder durchzustehlen suche.
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1170 |
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1171 |
Entweder, sagst du, hast du Hoffnung auf Lotten, oder du hast keine. Gut, im ersten
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1172 |
Fall suche sie durchzutreiben, suche die Erfüllung deiner Wünsche zu umfassen:
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1173 |
im anderen Fall ermanne dich und suche einer elenden Empfindung los zu
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1174 |
werden, die alle deine Kräfte verzehren muss.—Bester! Das ist wohl gesagt, und—bald
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1175 |
gesagt.
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1176 |
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1177 |
Und kannst du von dem Unglücklichen, dessen Leben unter einer schleichenden
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1178 |
Krankheit unaufhaltsam allmählich abstirbt, kannst du von ihm verlangen, er solle
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1179 |
durch einen Dolchstoss der Qual auf einmal ein Ende machen? Und raubt das Übel,
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1180 |
das ihm die Kräfte verzehrt, ihm nicht auch zugleich den Mut, sich davon zu
|
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1181 |
befreien?
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1182 |
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1183 |
Zwar könntest du mir mit einem verwandten Gleichnisse antworten: wer liesse sich
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1184 |
nicht lieber den Arm abnehmen, als dass er durch Zaudern und Zagen sein Leben
|
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1185 |
aufs Spiel setzte?—Ich weiss nicht!—Und wir wollen uns nicht in Gleichnissen
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1186 |
herumbeissen. Genug—ja, Wilhelm, ich habe manchmal so einen Augenblick aufspringenden,
|
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1187 |
abschüttelnden Muts, und da—wenn ich nur wüsste wohin, ich ginge wohl.
|
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1188 |
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1189 |
Abends
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1190 |
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1191 |
Mein Tagebuch, das ich seit einiger Zeit vernachlässiget, fiel mir heut wieder
|
|
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1192 |
in die Hände, und ich bin erstaunt, wie ich so wissentlich in das alles,
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1193 |
Schritt vor Schritt, hineingegangen bin! Wie ich über meinen Zustand immer so klar
|
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1194 |
gesehen und doch gehandelt habe wie ein Kind, jetzt noch so klar sehe, und es noch
|
|
|
1195 |
keinen Anschein zur Besserung hat.
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1196 |
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1197 |
Am 10. August
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1198 |
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1199 |
Ich könnte das beste, glücklichste Leben führen, wenn ich nicht ein Tor wäre.
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1200 |
So schöne Umstände vereinigen sich nicht leicht, eines Menschen Seele zu
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1201 |
ergetzen, als die sind, in denen ich mich jetzt befinde. Ach so gewiss ist's, dass
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|
1202 |
unser Herz allein sein Glück macht. —ein Glied der liebenswürdigen Familie zu
|
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1203 |
sein, von dem Alten geliebt zu werden wie ein Sohn, von den Kleinen wie ein
|
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1204 |
Vater, und von Lotten! —dann der ehrliche Albert, der durch keine launische Unart
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1205 |
mein Glück stört; der mich mit herzlicher Freundschaft umfasst; dem ich nach
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1206 |
Lotten das Liebste auf der Welt bin!—Wilhelm, es ist eine Freude, uns zu hören,
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1207 |
wenn wir spazierengehen und uns einander von Lotten unterhalten: es ist in der
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1208 |
Welt nichts Lächerlichers erfunden worden als dieses Verhältnis, und doch
|
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1209 |
kommen mir oft darüber die Tränen in die Augen.
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1210 |
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1211 |
Wenn er mir von ihrer rechtschaffenen Mutter erzählt: wie sie auf ihrem
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|
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1212 |
Todbette Lotten ihr Haus und ihre Kinder übergeben und ihm Lotten anbefohlen habe,
|
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1213 |
wie seit der Zeit ein ganz anderer Geist Lotten belebt habe, wie sie, in der
|
|
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1214 |
Sorge für ihre Wirtschaft und in dem Ernste, eine wahre Mutter geworden, wie
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1215 |
kein Augenblick ihrer Zeit ohne tätige Liebe, ohne Arbeit verstrichen, und
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1216 |
dennoch ihre Munterkeit, ihr leichter Sinn sie nie dabei verlassen habe.—Ich gehe
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1217 |
so neben ihm hin und pflücke Blumen am Wege, füge sie sehr sorgfältig in
|
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1218 |
einen Strauss und—werfe sie in den vorüberfliessenden Strom und sehe ihnen nach,
|
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1219 |
wie sie leise hinunterwallen.—Ich weiss nicht, ob ich dir geschrieben habe, dass
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1220 |
Albert hier bleiben und ein Amt mit einem artigen Auskommen vom Hofe erhalten
|
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1221 |
wird, wo er sehr beliebt ist. In Ordnung und Emsigkeit in Geschäften habe ich
|
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1222 |
wenig seinesgleichen gesehen.
|
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1223 |
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1224 |
Am 12. August
|
|
|
1225 |
|
|
|
1226 |
Gewiss, Albert ist der beste Mensch unter dem Himmel. Ich habe gestern eine
|
|
|
1227 |
wunderbare Szene mit ihm gehabt. Ich kam zu ihm, um Abschied von ihm zu nehmen; denn
|
|
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1228 |
mich wandelte die Lust an, ins Gebirge zu reiten, von woher ich dir auch jetzt
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1229 |
schreibe, und wie ich in der Stube auf und ab gehe, fallen mir seine Pistolen in die
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1230 |
Augen.—"Borge mir die Pistolen", sagte ich, "zu meiner Reise".—"Meinetwegen", sagte er,
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1231 |
"wenn du dir die Mühe nehmen willst, sie zu laden; bei mir hängen sie nur pro
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1232 |
forma".—Ich nahm eine herunter, und er fuhr fort: "seit mir meine Vorsicht einen so
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1233 |
unartigen Streich gespielt hat, mag ich mit dem Zeuge nichts mehr zu tun haben".—Ich
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1234 |
war neugierig, die Geschichte zu wissen.—"Ich hielt mich", erzählte er, "wohl
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1235 |
ein Vierteljahr auf dem Lande bei einem Freunde auf, hatte ein paar Terzerolen
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1236 |
ungeladen und schlief ruhig. Einmal an einem regnichten Nachmittage, da ich müssig
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1237 |
sitze, weiss ich nicht, wie mir einfällt: wir könnten überfallen werden, wir
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1238 |
könnten die Terzerolen nötig haben und könnten—du weisst ja, wie das ist.—ich gab
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1239 |
sie dem Bedienten, sie zu putzen und zu laden; und der dahlt mit den Mädchen,
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1240 |
will sie schrecken, und Gott weiss wie, das Gewehr geht los, da der Ladstock
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1241 |
noch drin steckt, und schiesst den Ladstock einem Mädchen zur Maus herein an der
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1242 |
rechten Hand und zerschlägt ihr den Daumen. Da hatte ich das Lamentieren, und die
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1243 |
Kur zu bezahlen obendrein, und seit der Zeit lass' ich alles Gewehr ungeladen.
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1244 |
Lieber Schatz, was ist Vorsicht? Die Gefahr lässt sich nicht auslernen! Zwar.—Nun
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1245 |
weisst du, dass ich den Menschen sehr lieb habe bis auf seine Zwar; denn versteht
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1246 |
sich's nicht von selbst, dass jeder allgemeine Satz Ausnahmen leidet? Aber so
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1247 |
rechtfertig ist der Mensch! Wenn er glaubt, etwas Übereiltes, Allgemeines, Halbwahres
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1248 |
gesagt zu haben, so hört er dir nicht auf zu limitieren, zu modifizieren und
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1249 |
ab—und zuzutun, bis zuletzt gar nichts mehr an der Sache ist.
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1250 |
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1251 |
Und bei diesem Anlass kam er sehr tief in Text: ich hörte endlich gar nicht
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1252 |
weiter auf ihn, verfiel in Grillen, und mit einer auffahrenden Gebärde drückte
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1253 |
ich mir die Mündung der Pistole übers rechte Aug' an die Stirn.—"Pfui!" sagte
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1254 |
Albert, indem er mir die Pistole herabzog, "was soll das?"—"Sie ist nicht
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1255 |
geladen", sagte ich.—"Und auch so, was soll's?" versetzte er ungeduldig. "Ich kann
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1256 |
mir nicht vorstellen, wie ein Mensch so töricht sein kann, sich zu erschiessen;
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1257 |
der blosse Gedanke erregt mir Widerwillen".
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1258 |
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1259 |
"Dass ihr Menschen", rief ich aus, "um von einer Sache zu reden, gleich sprechen
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1260 |
müsst: 'das ist töricht, das ist klug, das ist gut, das ist bös!' und was will
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1261 |
das alles heissen? Habt ihr deswegen die innern Verhältnisse einer Handlung
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1262 |
erforscht? Wisst ihr mit Bestimmtheit die Ursachen zu entwickeln, warum sie geschah,
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1263 |
warum sie geschehen musste? Hättet ihr das, ihr würdet nicht so eilfertig mit
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1264 |
euren Urteilen sein". "Du wirst mir zugeben", sagte Albert, "dass gewisse
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1265 |
Handlungen lasterhaft bleiben, sie mögen geschehen, aus welchem Beweggrunde sie
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1266 |
wollen". Ich zuckte die Achseln und gab's ihm zu.—"Doch, mein Lieber", fuhr ich
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1267 |
fort, "finden sich auch hier einige Ausnahmen. Es ist wahr, der Diebstahl ist
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1268 |
ein Laster: aber der Mensch, der, um sich und die Seinigen vom gegenwärtigen
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1269 |
Hungertode zu erretten, auf Raub ausgeht, verdient der Mitleiden oder Strafe? Wer
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1270 |
hebt den ersten Stein auf gegen den Ehemann, der im gerechten Zorne sein
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1271 |
untreues Weib und ihren nichtswürdigen Verführer aufopfert? Gegen das Mädchen, das
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1272 |
in einer wonnevollen Stunde sich in den unaufhaltsamen Freuden der Liebe
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1273 |
verliert? Unsere Gesetze selbst, diese kaltblütigen Pedanten, lassen sich rühren und
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1274 |
halten ihre Strafe zurück".
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1275 |
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1276 |
"Das ist ganz was anders", versetzte Albert, "weil ein Mensch, den seine
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1277 |
Leidenschaften hinreissen, alle Besinnungskraft verliert und als ein Trunkener, als ein
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1278 |
Wahnsinniger angesehen wird". "Ach ihr vernünftigen Leute!" rief ich lächelnd aus.
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1279 |
"Leidenschaft! Trunkenheit! Wahnsinn! Ihr steht so gelassen, so ohne Teilnehmung da, ihr
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1280 |
sittlichen Menschen, scheltet den Trinker, verabscheut den Unsinnigen, geht vorbei
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1281 |
wie der Priester und dankt Gott wie der Pharisäer, dass er euch nicht gemacht
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1282 |
hat wie einen von diesen. Ich bin mehr als einmal trunken gewesen, meine
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1283 |
Leidenschaften waren nie weit vom Wahnsinn, und beides reut mich nicht: denn ich habe in
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1284 |
einem Masse begreifen lernen, wie man alle ausserordentlichen Menschen, die etwas
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1285 |
Grosses, etwas Unmöglichscheinendes wirkten, von jeher für Trunkene und Wahnsinnige
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1286 |
ausschreiten musste. Aber auch im gemeinen Leben ist's unerträglich, fast einem jeden
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1287 |
bei halbweg einer freien, edlen, unerwarteten Tat nachrufen zu hören: ' der
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1288 |
Mensch ist trunken, der ist närrisch!' Schämt euch, ihr Nüchternen! Schämt euch,
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1289 |
ihr Weisen!" "Das sind nun wieder von deinen Grillen", sagte Albert, "du
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1290 |
überspannst alles und hast wenigstens hier gewiss unrecht, dass du den Selbstmord, wovon
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1291 |
jetzt die Rede ist, mit grossen Handlungen vergleichst: da man es doch für nichts
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1292 |
anders als eine Schwäche halten kann. Denn freilich ist es leichter zu sterben,
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1293 |
als ein qualvolles Leben standhaft zu ertragen". Ich war im Begriff
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1294 |
abzubrechen; denn kein Argument bringt mich so aus der Fassung, als wenn einer mit
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1295 |
einem unbedeutenden Gemeinspruche angezogen kommt, wenn ich aus ganzem Herzen
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1296 |
rede.
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1297 |
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1298 |
Doch fasste ich mich, weil ich's schon oft gehört und mich öfter darüber
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1299 |
geärgert hatte, und versetzte ihm mit einiger Lebhaftigkeit: "Du nennst das
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1300 |
Schwäche? Ich bitte dich, lass dich vom Anscheine nicht verführen. Ein Volk, das
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1301 |
unter dem unerträglichen Joch eines Tyrannen seufzt, darfst du das schwach
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1302 |
heissen, wenn es endlich aufgärt und seine Ketten zerreisst? Ein Mensch, der über
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1303 |
dem Schrecken, dass Feuer sein Haus ergriffen hat, alle Kräfte gespannt fühlt
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1304 |
und mit Leichtigkeit Lasten wegträgt, die er bei ruhigem Sinne kaum bewegen
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1305 |
kann; einer, der in der Wut der Beleidigung es mit sechsen aufnimmt und sie
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1306 |
überwältig, sind die schwach zu nennen? Und, mein Guter, wenn Anstrengung Stärke ist,
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1307 |
warum soll die Überspannung das Gegenteil sein?"—Albert sah mich an und sagte:
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1308 |
"nimm mir's nicht übel, die Beispiele, die du gibst, scheinen hieher gar nicht
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1309 |
zu gehören".—"Es mag sein", sagte ich, "man hat mir schon öfters vorgeworfen,
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1310 |
dass meine Kombinationsart manchmal an Radotage grenze. Lasst uns denn sehen, ob
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1311 |
wir uns auf eine andere Weise vorstellen können, wie dem Menschen zu Mute sein
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1312 |
mag, der sich entschliesst, die sonst angenehme Bürde des Lebens abzuwerfen.
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1313 |
Denn nur insofern wir mitempfinden, haben wir die Ehre, von einer Sache zu
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1314 |
reden".
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1315 |
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1316 |
"Die menschliche Natur", fuhr ich fort, "hat ihre Grenzen: sie kann Freude,
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1317 |
Leid, Schmerzen bis auf einen gewissen Grad ertragen und geht zugrunde, sobald
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1318 |
der überstiegen ist. Hier ist also nicht die Frage, ob einer schwach oder
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1319 |
stark ist, sondern ob er das Mass seines Leidens ausdauern kann, es mag nun
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1320 |
moralisch oder körperlich sein. Und ich finde es ebenso wunderbar zu sagen, der
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1321 |
Mensch ist feige, der sich das Leben nimmt, als es ungehörig wäre, den einen
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1322 |
Feigen zu nennen, der an einem bösartigen Fieber stirbt".
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1323 |
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1324 |
"Paradox! Sehr paradox!" rief Albert aus.—"Nicht so sehr, als du denkst", versetzte
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1325 |
ich. "Du gibst mir zu, wir nennen das eine Krankheit zum Tode, wodurch die
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1326 |
Natur so angegriffen wird, dass teils ihre Kräfte verzehrt, teils so ausser
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1327 |
Wirkung gesetzt werden, dass sie sich nicht wieder aufzuhelfen, durch keine
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1328 |
glückliche Revolution den gewöhnlichen Umlauf des Lebens wieder herzustellen fähig
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1329 |
ist.
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1330 |
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1331 |
Nun, mein Lieber, lass uns das auf den Geist anwenden. Sieh den
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1332 |
Menschen an in seiner Eingeschränktheit, wie Eindrücke auf ihn wirken,
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1333 |
Ideen sich bei ihm festsetzen, bis endlich eine wachsende Leidenschaft
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1334 |
ihn aller ruhigen Sinneskraft beraubt und ihn zugrunde richtet.
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1335 |
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1336 |
Vergebens, dass der gelassene, vernünftige Mensch den Zustand Unglücklichen übersieht,
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1337 |
vergebens, dass er ihm zuredet! Ebenso wie ein Gesunder, der am Bette des Kranken
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1338 |
steht, ihm von seinen Kräften nicht das geringste einflössen kann".
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1339 |
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1340 |
Alberten war das zu allgemein gesprochen. Ich erinnerte ihn an ein Mädchen, das man
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1341 |
vor weniger Zeit im Wasser tot gefunden, und wiederholte ihm ihre
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1342 |
Geschichte.—"Ein gutes, junges Geschöpf, das in dem engen Kreise häuslicher
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1343 |
Beschäftigungen, wöchentlicher bestimmter Arbeit herangewachsen war, das weiter keine
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1344 |
Aussicht von Vergnügen kannte, als etwa Sonntags in einem nach und nach
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1345 |
zusammengeschafften Putz mit ihresgleichen um die Stadt spazierenzugehen, vielleicht alle
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1346 |
hohen Feste einmal zu tanzen und übrigens mit aller Lebhaftigkeit des
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1347 |
herzlichsten Anteils manche Stunde über den Anlass eines Gezänkes, einer übeln Nachrede
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1348 |
mit einer Nachbarin zu verplaudern—deren feurige Natur fühlt nun endlich
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1349 |
innigere Bedürfnisse, die durch die Schmeicheleien der Männer vermehrt werden; ihre
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1350 |
vorigen Freuden werden ihr nach und nach unschmackhaft, bis sie endlich einen
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1351 |
Menschen antrifft, zu dem ein unbekanntes Gefühl sie unwiderstehlich hinreisst, auf
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1352 |
den sie nun alle ihre Hoffnungen wirft, die Welt rings um sich vergisst, nichts
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1353 |
hört, nichts sieht, nichts fühlt als ihn, den Einzigen, sich nur sehnt nach ihm,
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1354 |
dem Einzigen. Durch die leeren Vergnügungen einer unbeständigen Eitelkeit
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1355 |
nicht verdorben, zieht ihr Verlangen gerade nach dem Zweck, sie will die Seinige
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1356 |
werden, sie will in ewiger Verbindung all das Glück antreffen, das ihr mangelt,
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1357 |
die Vereinigung aller Freuden geniessen, nach denen sie sich sehnte.
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1358 |
Wiederholtes Versprechen, das ihr die Gewissheit aller Hoffnungen versiegelt, kühne
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1359 |
Liebkosungen, die ihre Begierden vermehren, umfangen ganz ihre Seele; sie schwebt in
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1360 |
einem dumpfen Bewusstsein, in einem Vorgefühl aller Freuden, sie ist bis auf den
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1361 |
höchsten Grad gespannt, sie streckt endlich ihre Arme aus, all ihre Wünsche zu
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1362 |
umfassen—und ihr Geliebter verlässt sie.—Erstarrt, ohne Sinne steht sie vor einem
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1363 |
Abgrunde; alles ist Finsternis um sie her, keine Aussicht, kein Trost, keine Ahnung!
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1364 |
Denn der hat sie verlassen, in dem sie allein ihr Dasein fühlte. Sie sieht
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1365 |
nicht die weite Welt, die vor ihr liegt, nicht die vielen, die ihr den Verlust
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1366 |
ersetzen könnten, sie fühlt sich allein, verlassen von aller Welt,—und blind, in
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1367 |
die Enge gepresst von der entsetzlichen Not ihres Herzens, stürzt sie sich
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1368 |
hinunter, um in einem rings umfangenden Tode alle ihre Qualen zu ersticken.—Sieh,
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1369 |
Albert, das ist die Geschichte so manches Menschen! Und sag', ist das nicht der
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1370 |
Fall der Krankheit? Die Natur findet keinen Ausweg aus dem Labyrinthe der
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1371 |
verworrenen und widersprechenden Kräfte, und der Mensch muss sterben. Wehe dem, der
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1372 |
zusehen und sagen könnte: 'die Törin! Hätte sie gewartet, hätte sie die Zeit
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1373 |
wirken lassen, die Verzweifelung würde sich schon gelegt, es würde sich schon ein
|
|
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1374 |
anderer sie zu trösten vorgefunden haben.'—Das ist eben, als wenn einer sagte:
|
|
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1375 |
'der Tor, stirbt am Fieber! Hätte er gewartet, bis seine Kräfte sich erholt,
|
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1376 |
seine Säfte sich verbessert, der Tumult seines Blutes sich gelegt hätten: alles
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1377 |
wäre gut gegangen, und er lebte bis auf den heutigen Tag! '"
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1378 |
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1379 |
Albert, dem die Vergleichung noch nicht anschaulich war, wandte noch einiges ein,
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1380 |
und unter andern: ich hätte nur von einem einfältigen Mädchen gesprochen; wie
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1381 |
aber ein Mensch von Verstande, der nicht so eingeschränkt sei, der mehr
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1382 |
Verhältnisse übersehe, zu entschuldigen sein möchte, könne er nicht begreifen.—"Mein
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1383 |
Freund", rief ich aus, "der Mensch ist Mensch, und das bisschen Verstand, das einer
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1384 |
haben mag, kommt wenig oder nicht in Anschlag, wenn Leidenschaft wütet und die
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1385 |
Grenzen der Menschheit einen drängen. Vielmehr—ein andermal davon", sagte ich und
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1386 |
griff nach meinem Hute. O mir war das Herz so voll—und wir gingen auseinander,
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1387 |
ohne einander verstanden zu haben. Wie denn auf dieser Welt keiner leicht den
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1388 |
andern versteht.
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1389 |
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1390 |
Am 15. August
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1391 |
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1392 |
Es ist doch gewiss, dass in der Welt den Menschen nichts notwendig macht als
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1393 |
die Liebe. Ich fühl's an Lotten, dass sie mich ungern verlöre, und die Kinder
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1394 |
haben keinen andern Begriff, als dass ich immer morgen wiederkommen würde. Heute
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1395 |
war ich hinausgegangen, Lottens Klavier zu stimmen, ich konnte aber nicht dazu
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1396 |
kommen, denn die Kleinen verfolgten mich um ein Märchen, und Lotte sagte selbst,
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1397 |
ich sollte ihnen den Willen tun. Ich schnitt ihnen das Abendbrot, das sie nun
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1398 |
fast so gern von mir als von Lotten annehmen, und erzählte ihnen das
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1399 |
Hauptstückchen von der Prinzessin, die von Händen bedient wird. Ich lerne viel dabei, das
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1400 |
versichre ich dich, und ich bin erstaunt, was es auf sie für Eindrücke macht. Weil
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1401 |
ich manchmal einen Inzidentpunkt erfinden muss, den ich beim zweitenmal
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1402 |
vergesse, sagen sie gleich, das vorigemal wär' es anders gewesen, so dass ich mich
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1403 |
jetzt übe, sie unveränderlich in einem singenden Silbenfall an einem Schnürchen
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1404 |
weg zu rezitieren. Ich habe daraus gelernt, wie ein Autor durch eine zweite,
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1405 |
veränderte Ausgabe seiner Geschichte, und wenn sie poetisch noch so besser geworden
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1406 |
wäre, notwendig seinem Buche schaden muss. Der erste Eindruck findet uns willig,
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1407 |
und der Mensch ist gemacht, dass man ihn das Abenteuerlichste überreden kann;
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1408 |
das haftet aber auch gleich so fest, und wehe dem, der es wieder auskratzen
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1409 |
und austilgen will!
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1410 |
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1411 |
Am 18. August
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1412 |
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1413 |
Musste denn das so sein, dass das, was des Menschen Glückseligkeit macht, wieder
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1414 |
die Quelle seines Elendes würde?
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1415 |
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1416 |
Das volle, warme Gefühl meines Herzens an der lebendigen Natur, das mich mit
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1417 |
so vieler Wonne überströmte, das rings umher die Welt mir zu einem Paradiese
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1418 |
schuf, wird mir jetzt zu einem unerträglichen Peiniger, zu einem quälenden Geist,
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1419 |
der mich auf allen Wegen verfolgt. Wenn ich sonst vom Felsen über den Fluss bis
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1420 |
zu jenen Hügeln das fruchtbare Tal überschaute und alles um mich her keimen
|
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1421 |
und quellen sah; wenn ich jene Berge, vom Fusse bis auf zum Gipfel, mit hohen,
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|
1422 |
dichten Bäumen bekleidet, jene Täler in ihren mannigfaltigen Krümmungen von den
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|
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1423 |
lieblichsten Wäldern beschattet sah, und der sanfte Fluss zwischen den lispelnden Rohren
|
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|
1424 |
dahingleitete und die lieben Wolken abspiegelte, die der sanfte Abendwind am Himmel
|
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1425 |
herüberwiegte; wenn ich dann die Vögel um mich den Wald beleben hörte, und die Millionen
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1426 |
Mückenschwärme im letzten roten Strahle der Sonne mutig tanzten, und ihr letzter
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1427 |
zuckender Blick den summenden Käfer aus seinem Grase befreite, und das Schwirren und
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1428 |
Weben um mich her mich auf den Boden aufmerksam machte, und das Moos, das meinem
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1429 |
harten Felsen seine Nahrung abzwingt, und das Geniste, das den dürren Sandhügel
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1430 |
hinunter wächst, mir das innere, glühende, heilige Leben der Natur eröffnete: wie
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1431 |
fasste ich das alles in mein warmes Herz, fühlte mich in der überfliessenden Fülle
|
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1432 |
wie vergöttert, und die herrlichen Gestalten der unendlichen Welt bewegten
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1433 |
sich allbelebend in meiner Seele. Ungeheure Berge umgaben mich, Abgründe lagen
|
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1434 |
vor mir, und Wetterbäche stürzten herunter, die Flüsse strömten unter mir, und
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1435 |
Wald und Gebirg erklang; und ich sah sie wirken und schaffen ineinander in den
|
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1436 |
Tiefen der Erde, alle die unergründlichen Kräfte; und nun über der Erde und unter
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1437 |
dem Himmel wimmeln die Geschlechter der mannigfaltigen Geschöpfe. Alles, alles
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1438 |
bevölkert mit tausendfachen Gestalten; und die Menschen dann sich in Häuslein
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1439 |
zusammen sichern und sich annisten und herrschen in ihrem Sinne über die weite
|
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1440 |
Welt! Armer Tor! Der du alles so gering achtest, weil du so klein bist.—vom
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1441 |
unzugänglichen Gebirge über die Einöde, die kein Fuss betrat, bis ans Ende des unbekannten
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1442 |
Ozeans weht der Geist des Ewigschaffenden und freut sich jedes Staubes, der ihn
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1443 |
vernimmt und lebt.—ach damals, wie oft habe ich mich mit Fittichen eines Kranichs,
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1444 |
der über mich hin flog, zu dem Ufer des ungemessenen Meeres gesehnt, aus dem
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1445 |
schäumenden Becher des Unendlichen jene schwellende Lebenswonne zu trinken und nur
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1446 |
einen Augenblick in der eingeschränkten Kraft meines Busens einen Tropfen der
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1447 |
Seligkeit des Wesens zu fühlen, das alles in sich und durch sich hervorbringt.
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1448 |
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1449 |
Bruder, nur die Erinnerung jener Stunden macht mir wohl. Selbst diese Anstrengung,
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1450 |
jene unsäglichen Gelüste zurückzurufen, wieder auszusprechen, hebt meine Seele
|
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1451 |
über sich selbst und lässt mich dann das Bange des Zustandes doppelt empfinden,
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1452 |
der mich jetzt umgibt.
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1453 |
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1454 |
Es hat sich vor meiner Seele wie ein Vorhang weggezogen, und der Schauplatz
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1455 |
des unendlichen Lebens verwandelt sich vor mir in den Abgrund des ewig offenen
|
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1456 |
Grabes. Kannst du sagen: Das ist! Da alles vorübergeht? Da alles mit der
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1457 |
Wetterschnelle vorüberrollt, so selten die ganze Kraft seines Daseins ausdauert, ach, in
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1458 |
den Strom fortgerissen, untergetaucht und an Felsen zerschmettert wird? Da ist
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1459 |
kein Augenblick, der nicht dich verzehrte und die Deinigen um dich her, kein
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1460 |
Augenblick, da du nicht ein Zerstörer bist, sein musst; der harmloseste Spaziergang
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1461 |
kostet tausend armen Würmchen das Leben, es zerrüttet ein Fusstritt die mühseligen
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1462 |
Gebäude der Ameisen und stampft eine kleine Welt in ein schmähliches Grab. Ha!
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1463 |
Nicht die grosse, seltne Not der Welt, diese Fluten, die eure Dörfer wegspülen,
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1464 |
diese Erdbeben, die eure Städte verschlingen, rühren mich; mir untergräbt das
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1465 |
Herz die verzehrende Kraft, die in dem All der Natur verborgen liegt; die
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1466 |
nichts gebildet hat, das nicht seinen Nachbar, nicht sich selbst zerstörte. Und
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1467 |
so taumle ich beängstigt. Himmel und Erde und ihre webenden Kräfte um mich
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1468 |
her: ich sehe nichts als ein ewig verschlingendes, ewig wiederkäuendes
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1469 |
Ungeheuer.
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1470 |
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1471 |
Am 21. August
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1472 |
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1473 |
Umsonst strecke ich meine Arme nach ihr aus, morgens, wenn ich von schweren
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1474 |
Träumen aufdämmere, vergebens suche ich sie nachts in meinem Bette, wenn mich ein
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1475 |
glücklicher, unschuldiger Traum getäuscht hat, als säss' ich neben ihr auf der Wiese und
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1476 |
hielt' ihre Hand und deckte sie mit tausend Küssen. Ach, wenn ich dann noch halb
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1477 |
im Taumel des Schlafes nach ihr tappe und drüber mich ermuntere—ein Strom von
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1478 |
Tränen bricht aus meinem gepressten Herzen, und ich weine trostlos einer finstern
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1479 |
Zukunft entgegen.
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1480 |
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1481 |
Am 22. August
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1482 |
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1483 |
Es ist ein Unglück, Wilhelm, meine tätigen Kräfte sind zu einer unruhigen
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1484 |
Lässigkeit verstimmt, ich kann nicht müssig sein und kann doch auch nichts tun. Ich
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1485 |
habe keine Vorstellungskraft, kein Gefühl an der Natur, und die Bücher ekeln
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1486 |
mich an. Wenn wir uns selbst fehlen, fehlt uns doch alles. Ich schwöre dir,
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1487 |
manchmal wünschte ich, ein Tagelöhner zu sein, um nur des Morgens beim Erwachen
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1488 |
eine Aussicht auf den künftigen Tag, einen Drang, eine Hoffnung zu haben. Oft
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1489 |
beneide ich Alberten, den ich über die Ohren in Akten begraben sehe, und bilde mir
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1490 |
ein, mir wäre wohl, wenn ich an seiner Stelle wäre! Schon etlichemal ist mir's
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1491 |
so aufgefahren, ich wollte dir schreiben und dem Minister, um die Stelle bei
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1492 |
der Gesandtschaft anzuhalten, die, wie du versicherst, mir nicht versagt
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1493 |
werden würde. Ich glaube es selbst. Der Minister liebt mich seit langer Zeit,
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1494 |
hatte lange mir angelegen, ich sollte mich irgendeinem Geschäfte widmen; und
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1495 |
eine Stunde ist mir's auch wohl drum zu tun. Hernach, wenn ich wieder dran
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1496 |
denke und mir die Fabel vom Pferde einfällt, das, seiner Freiheit ungeduldig,
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1497 |
sich Sattel und Zeug auflegen lässt und zuschanden geritten wird—ich weiss nicht,
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1498 |
was ich soll.—und, mein Lieber! Ist nicht vielleicht das Sehnen in mir nach
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1499 |
Veränderung des Zustands eine innere, unbehagliche Ungeduld, die mich überallhin
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1500 |
verfolgen wird?
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1501 |
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1502 |
Am 28. August
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1503 |
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1504 |
Es ist wahr, wenn meine Krankheit zu heilen wäre, so würden diese Menschen es
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1505 |
tun. Heute ist mein Geburtstag, und in aller Frühe empfange ich ein Päckchen
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1506 |
von Alberten. Mir fällt beim Eröffnen sogleich eine der blassroten Schleifen in
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1507 |
die Augen, die Lotte vor hatte, als ich sie kennen lernte, und um die ich sie
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1508 |
seither etlichemal gebeten hatte. Es waren zwei Büchelchen in Duodez dabei, der
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1509 |
kleine Wetsteinische Homer, eine Ausgabe, nach der ich so oft verlangt, um mich
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1510 |
auf dem Spaziergange mit dem Ernestischen nicht zu schleppen. Sieh! So kommen
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1511 |
sie meinen Wünschen zuvor, so suchen sie alle die kleinen Gefälligkeiten der
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1512 |
Freundschaft auf, die tausendmal werter sind als jene blendenden Geschenke, wodurch uns
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1513 |
die Eitelkeit des Gebers erniedrigt. Ich küsse diese Schleife tausendmal, und
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1514 |
mit jedem Atemzuge schlürfe ich die Erinnerung jener Seligkeiten ein, mit
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1515 |
denen mich jene wenigen, glücklichen, unwiederbringlichen Tage überfüllten.
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1516 |
Wilhelm, es ist so, und ich murre nicht, die Blüten des Lebens sind nur
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1517 |
Erscheinungen! Wie viele gehn vorüber, ohne eine Spur hinter sich zu lassen, wie wenige
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1518 |
setzen Frucht an, und wie wenige dieser Früchte werden reif! Und doch sind deren
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1519 |
noch genug da; und doch—o mein Bruder!—können wir gereifte Früchte
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1520 |
vernachlässigen, verachten, ungenossen verfaulen lassen?
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1521 |
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1522 |
Lebe wohl! Es ist ein herrlicher Sommer; ich sitze oft auf den Obstbäumen in
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1523 |
Lottens Baumstück mit dem Obstbrecher, der langen Stange, und hole die Birnen aus
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1524 |
dem Gipfel. Sie steht unten und nimmt sie ab, wenn ich sie ihr herunterlasse.
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1525 |
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1526 |
Am 30. August
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1527 |
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1528 |
Unglücklicher! Bist du nicht ein Tor? Betriegst du dich nicht selbst? Was soll diese
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1529 |
tobende, endlose Leidenschaft? Ich habe kein Gebet mehr als an sie; meiner
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1530 |
Einbildungskraft erscheint keine andere Gestalt als die ihrige, und alles in der Welt um
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1531 |
mich her sehe ich nur im Verhältnisse mit ihr. Und das macht mir denn so manche
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1532 |
glückliche Stunde—bis ich mich wieder von ihr losreissen muss! Ach Wilhelm! Wozu mich
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1533 |
mein Herz oft drängt!—wenn ich bei ihr gesessen bin, zwei, drei Stunden, und
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1534 |
mich an ihrer Gestalt, an ihrem Betragen, an dem himmlischen Ausdruck ihrer
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1535 |
Worte geweidet habe, und nun nach und nach alle meine Sinne aufgespannt werden,
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1536 |
mir es düster vor den Augen wird, ich kaum noch höre, und es mich an die
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1537 |
Gurgel fasst wie ein Meuchelmörder, dann mein Herz in wilden Schlägen den
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1538 |
bedrängten Sinnen Luft zu machen sucht und ihre Verwirrung nur vermehrt—Wilhelm, ich
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1539 |
weiss oft nicht, ob ich auf der Welt bin! Und—wenn nicht manchmal die Wehmut das
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1540 |
Übergewicht nimmt und Lotte mir den elenden Trost erlaubt, auf ihrer Hand meine
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1541 |
Beklemmung auszuweinen,—so muss ich fort, muss hinaus, und schweife dann weit im Felde
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1542 |
umher; einen jähen Berg zu klettern ist dann meine Freude, durch einen unwegsamen
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1543 |
Wald einen Pfad durchzuarbeiten, durch die Hecken, die mich verletzen, durch
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1544 |
die Dornen, die mich zerreissen! Da wird mir's etwas besser! Etwas! Und wenn
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1545 |
ich vor Müdigkeit und Durst manchmal unterwegs liegen bleibe, manchmal in der
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1546 |
tiefen Nacht, wenn der hohe Vollmond über mir steht, im einsamen Walde auf einen
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1547 |
krumm gewachsenen Baum mich setze, um meinen verwundeten Sohlen nur einige
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1548 |
Linderung zu verschaffen, und dann in einer ermattenden Ruhe in dem Dämmerschein
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1549 |
hinschlummre! O Wilhelm! Die einsame Wohnung einer Zelle, das härene Gewand und der
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1550 |
Stachelgürtel wären Labsale, nach denen meine Seele schmachtet. Adieu! Ich sehe dieses
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1551 |
Elendes kein Ende als das Grab.
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1552 |
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1553 |
Am 3. September
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1554 |
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1555 |
Ich muss fort! Ich danke dir, Wilhelm, dass du meinen wankenden
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1556 |
Entschluss bestimmt hast. Schon vierzehn Tage gehe ich mit dem
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1557 |
Gedanken um, sie zu verlassen. Ich muss fort. Sie ist wieder in der
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1558 |
Stadt bei einer Freundin. Und Albert—und—ich muss fort!
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1559 |
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1560 |
Am 10. September
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1561 |
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1562 |
Das war eine Nacht! Wilhelm! Nun überstehe ich alles. Ich werde sie nicht
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1563 |
wiedersehn! O dass ich nicht an deinen Hals fliegen, dir mit tausend Tränen und
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1564 |
Entzückungen ausdrücken kann, mein Bester, die Empfindungen, die mein Herz bestürmen.
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1565 |
Hier sitze ich und schnappe nach Luft, suche mich zu beruhigen, erwarte den
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1566 |
Morgen, und mit Sonnenaufgang sind die Pferde bestellt.
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1567 |
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1568 |
Ach, sie schläft ruhig und denkt nicht, dass sie mich nie wieder sehen wird. Ich
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1569 |
habe mich losgerissen, bin stark genug gewesen, in einem Gespräch von zwei
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1570 |
Stunden mein Vorhaben nicht zu verraten. Und Gott, welch ein Gespräch!
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1571 |
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1572 |
Albert hatte mir versprochen, gleich nach dem Nachtessen mit Lotten im Garten zu
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1573 |
sein. Ich stand auf der Terrasse unter den hohen Kastanienbäumen und sah der
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1574 |
Sonne nach, die mir nun zum letztenmale über dem lieblichen Tale, über dem
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1575 |
sanften Fluss unterging. So oft hatte ich hier gestanden mit ihr und eben dem
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1576 |
herrlichen Schauspiele zugesehen, und nun—ich ging in der Allee auf und ab, die mir
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1577 |
so lieb war; ein geheimer sympathetischer Zug hatte mich hier so oft
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1578 |
gehalten, ehe ich noch Lotten kannte, und wie freuten wir uns, als wir im Anfang
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1579 |
unserer Bekanntschaft die wechselseitige Neigung zu diesem Plätzchen entdeckten,
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1580 |
das wahrhaftig eins von den romantischsten ist, die ich von der Kunst
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1581 |
hervorgebracht gesehen habe.
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1582 |
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1583 |
Erst hast du zwischen den Kastanienbäumen die weite Aussicht—Ach, ich erinnere
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1584 |
mich, ich habe dir, denk' ich, schon viel davon geschrieben, wie hohe
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1585 |
Buchenwände einen endlich einschliessen und durch ein daranstossendes Boskett die Allee
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1586 |
immer düsterer wird, bis zuletzt alles sich in ein geschlossenes Plätzchen
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1587 |
endigt, das alle Schauer der Einsamkeit umschweben. Ich fühle es noch, wie
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1588 |
heimlich mir's ward, als ich zum erstenmale an einem hohen Mittage hineintrat; ich
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1589 |
ahnete ganz leise, was für ein Schauplatz das noch werden sollte von Seligkeit
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1590 |
und Schmerz.
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1591 |
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1592 |
Ich hatte mich etwa eine halbe Stunde in den schmachtenden, süssen Gedanken des
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1593 |
Abscheidens, des Wiedersehens geweidet, als ich sie die Terrasse heraufsteigen hörte.
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1594 |
Ich lief ihnen entgegen, mit einem Schauer fasste ich ihre Hand und küsste sie.
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1595 |
Wir waren eben heraufgetreten, als der Mond hinter dem buschigen Hügel
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1596 |
aufging; wir redeten mancherlei und kamen unvermerkt dem düstern Kabinette näher.
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1597 |
Lotte trat hinein und setzte sich, Albert neben sie, ich auch; doch meine Unruhe
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1598 |
liess mich nicht lange sitzen; ich stand auf, trat vor sie, ging auf und ab,
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1599 |
setzte mich wieder: es war ein ängstlicher Zustand. Sie machte uns aufmerksam auf
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1600 |
die schöne Wirkung des Mondenlichtes, das am Ende der Buchenwände die ganze
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1601 |
Terrasse vor uns erleuchtete: ein herrlicher Anblick, der um so viel frappanter
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1602 |
war, weil uns rings eine tiefe Dämmerung einschloss. Wir waren still, und sie
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1603 |
fing nach einer Weile an: "niemals gehe ich im Mondenlichte spazieren, niemals,
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1604 |
dass mir nicht der Gedanke an meine Verstorbenen begegnete, dass nicht das
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1605 |
Gefühl von Tod, von Zukunft über mich käme". "Wir werden sein!" fuhr sie mit der
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1606 |
Stimme des herrlichsten Gefühls fort; "aber, Werther, sollen wir uns wieder
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1607 |
finden? Wieder erkennen? Was ahnen Sie? Was sagen Sie?"
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1608 |
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1609 |
"Lotte", sagte ich, indem ich ihr die Hand reichte und mir die Augen voll Tränen
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1610 |
wurden,"wir werden uns wiedersehn! Hier und dort wiedersehn!"—ich konnte nicht weiter
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1611 |
reden—Wilhelm, musste sie mich das fragen, da ich diesen ängstlichen Abschied im Herzen
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1612 |
hatte!
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1613 |
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1614 |
"Und ob die lieben Abgeschiednen von uns wissen", fuhr sie fort, "ob sie
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1615 |
fühlen, wann's uns wohl geht, dass wir mit warmer Liebe uns ihrer erinnern? O! Die
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1616 |
Gestalt meiner Mutter schwebt immer um mich, wenn ich am stillen Abend unter ihren
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1617 |
Kindern, unter meinen Kindern sitze und sie um mich versammelt sind, wie sie um sie
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1618 |
versammelt waren. Wenn ich dann mit einer sehnenden Träne gen Himmel sehe und
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1619 |
wünsche, dass sie hereinschauen könnte einen Augenblick, wie ich mein Wort halte,
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1620 |
das ich ihr in der Stunde des Todes gab: die Mutter ihrer Kinder zu sein. Mit
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1621 |
welcher Empfindung rufe ich aus: 'verzeihe mir's, Teuerste, wenn ich ihnen nicht
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1622 |
bin, was du ihnen warst. Ach! Tue ich doch alles, was ich kann; sind sie doch
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1623 |
gekleidet, genährt, ach, und, was mehr ist als das alles, gepflegt und geliebt.
|
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1624 |
Könntest du unsere Eintracht sehen, liebe Heilige! Du würdest mit dem heissesten
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1625 |
Danke den Gott verherrlichen, den du mit den letzten, bittersten Tränen um die
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1626 |
Wohlfahrt deiner Kinder batest.'"—Sie sagte das! O Wilhelm, wer kann wiederholen,
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1627 |
was sie sagte! Wie kann der kalte, tote Buchstabe diese himmlische Blüte des
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1628 |
Geistes darstellen! Albert fiel ihr sanft in die Rede: "es greift zu stark an,
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1629 |
liebe Lotte! Ich weiss, Ihre Seele hängt sehr nach diesen Ideen, aber ich bitte
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1630 |
Sie".—"O Albert", sagte sie, "ich weiss, du vergissest nicht die Abende, da wir
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1631 |
zusammensassen an dem kleinen, runden Tischchen, wenn der Papa verreist war, und wir die
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|
|
1632 |
Kleinen schlafen geschickt hatten. Du hattest oft ein gutes Buch und kamst so
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1633 |
selten dazu, etwas zu lesen—war der Umgang dieser herrlichen Seele nicht mehr als
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|
1634 |
alles? Die schöne, sanfte, muntere und immer tätige Frau! Gott kennt meine
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1635 |
Tränen, mit denen ich mich oft in meinem Bette vor ihn hinwarf: er möchte mich ihr
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1636 |
gleich machen".
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1637 |
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1638 |
"Lotte!" rief ich aus, indem ich mich vor sie hinwarf, ihre Hand nahm und mit
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|
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1639 |
tausend Tränen netzte, "Lotte! Der Segen Gottes ruht über dir und der Geist deiner
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1640 |
Mutter!" "Wenn Sie sie gekannt hätten", sagte sie, indem sie mir die Hand
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|
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1641 |
drückte,—"sie war wert, von Ihnen gekannt zu sein!"—ich glaubte zu vergehen.
|
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1642 |
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1643 |
Nie war ein grösseres, stolzeres Wort über mich ausgesprochen worden—und sie
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1644 |
fuhr fort:"und diese Frau musste in der Blüte ihrer Jahre dahin, da ihr jüngster
|
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1645 |
Sohn nicht sechs Monate alt war! Ihre Krankheit dauerte nicht lange; sie war
|
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1646 |
ruhig, hingegeben, nur ihre Kinder taten ihr weh, besonders das kleine. Wie es
|
|
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1647 |
gegen das Ende ging und sie zu mir sagte: 'bringe mir sie herauf!' und wie ich
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1648 |
sie hereinführte, die kleinen, die nicht wussten, und die ältesten, die ohne
|
|
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1649 |
Sinne waren, wie sie ums Bette standen, und wie sie die Hände aufhob und über
|
|
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1650 |
sie betete, und sie küsste nach einander und sie wegschickte und zu mir sagte:
|
|
|
1651 |
'sei ihre Mutter!'—Ich gab ihr die Hand drauf!—'Du versprichst viel, meine
|
|
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1652 |
Tochter', sagte sie, 'das Herz einer Mutter und das Aug' einer Mutter. Ich habe oft
|
|
|
1653 |
an deinen dankbaren Tränen gesehen, dass du fühlst, was das sei. Habe es für
|
|
|
1654 |
deine Geschwister, und für deinen Vater die Treue und den Gehorsam einer Frau.
|
|
|
1655 |
Du wirst ihn trösten.'—Sie fragte nach ihm, er war ausgegangen, um uns den
|
|
|
1656 |
unerträglichen Kummer zu verbergen, den er fühlte, der Mann war ganz zerrissen.
|
|
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1657 |
|
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1658 |
Albert, du warst im Zimmer. Sie hörte jemand gehn und fragte und forderte dich zu
|
|
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1659 |
sich, und wie sie dich ansah und mich, mit dem getrösteten, ruhigen Blicke, dass
|
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1660 |
wir glücklich sein, zusammen glücklich sein würden".—Albert fiel ihr um den
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|
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1661 |
Hals und küsste sie und rief: "wir sind es! Wir werden es sein!"—der ruhige
|
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1662 |
Albert war ganz aus seiner Fassung, und ich wusste nichts von mir selber.
|
|
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1663 |
"Werther", fing sie an, "und diese Frau sollte dahin sein! Gott! Wenn ich manchmal
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|
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1664 |
denke, wie man das Liebste seines Lebens wegtragen lässt, und niemand als die
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|
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1665 |
Kinder das so scharf fühlt, die sich noch lange beklagten, die schwarzen Männer
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1666 |
hätten die Mama weggetragen! "sie stand auf, und ich ward erweckt und
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1667 |
erschüttert, blieb sitzen und hielt ihre Hand.—"Wir wollen fort", sagte sie, "es wird
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1668 |
Zeit".—Sie wollte ihre Hand zurückziehen, und ich hielt sie fester.—"wir werden uns
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|
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1669 |
wieder sehen" rief ich, "wir werden uns finden, unter allen Gestalten werden wir
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1670 |
uns erkennen. Ich gehe", fuhr ich fort, "ich gehe willig, und doch, wenn ich
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|
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1671 |
sagen sollte auf ewig, ich würde es nicht aushalten. Leb' wohl, Lotte! Leb'
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|
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1672 |
wohl, Albert! Wir sehn uns wieder".—"Morgen, denke ich", versetzte sie
|
|
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1673 |
scherzend.—Ich fühlte das Morgen! Ach, sie wusste nicht, als sie ihre Hand aus der meinen
|
|
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1674 |
zog—Sie gingen die Allee hinaus, ich stand, sah ihnen nach im Mondscheine und warf
|
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1675 |
mich an die Erde und weinte mich aus und sprang auf und lief auf die Terrasse
|
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1676 |
hervor und sah noch dort unten im Schatten der hohen Lindenbäume ihr weisses Kleid
|
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1677 |
nach der Gartentür schimmern, ich streckte meine Arme aus, und es verschwand.
|
|
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1678 |
EOT;
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1679 |
|
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1680 |
/*
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1681 |
End of the Project Gutenberg EBook of Die Leiden des jungen Werther--Buch 1, by
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1682 |
Johann Wolfgang von Goethe
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1683 |
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1684 |
*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER ***
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1685 |
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1686 |
***** This file should be named 2407-8.txt or 2407-8.zip *****
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1687 |
This and all associated files of various formats will be found in:
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1688 |
http://www.gutenberg.org/2/4/0/2407/
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1689 |
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1690 |
Produced by Michael Pullen, globaltraveler5565@yahoo.com
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1691 |
with proofreading and correction by Dr. Mary Cicora,
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|
1692 |
mcicora@yahoo.com.
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|
|
1693 |
|
|
|
1694 |
Updated editions will replace the previous one--the old editions
|
|
|
1695 |
will be renamed.
|
|
|
1696 |
|
|
|
1697 |
Creating the works from public domain print editions means that no
|
|
|
1698 |
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
|
|
|
1699 |
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
|
|
|
1700 |
permission and without paying copyright royalties. Special rules,
|
|
|
1701 |
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
|
|
|
1702 |
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
|
|
|
1703 |
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
|
|
|
1704 |
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
|
|
|
1705 |
charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
|
|
|
1706 |
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
|
|
|
1707 |
rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
|
|
|
1708 |
such as creation of derivative works, reports, performances and
|
|
|
1709 |
research. They may be modified and printed and given away--you may do
|
|
|
1710 |
practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
|
|
|
1711 |
subject to the trademark license, especially commercial
|
|
|
1712 |
redistribution.
|
|
|
1713 |
|
|
|
1714 |
*** START: FULL LICENSE ***
|
|
|
1715 |
|
|
|
1716 |
THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
|
|
|
1717 |
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
|
|
|
1718 |
|
|
|
1719 |
To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
|
|
|
1720 |
distribution of electronic works, by using or distributing this work
|
|
|
1721 |
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
|
|
|
1722 |
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
|
|
|
1723 |
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
|
|
|
1724 |
http://gutenberg.org/license).
|
|
|
1725 |
|
|
|
1726 |
Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
|
|
|
1727 |
electronic works
|
|
|
1728 |
|
|
|
1729 |
1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
|
|
|
1730 |
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
|
|
|
1731 |
and accept all the terms of this license and intellectual property
|
|
|
1732 |
(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
|
|
|
1733 |
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
|
|
|
1734 |
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
|
|
|
1735 |
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
|
|
|
1736 |
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
|
|
|
1737 |
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
|
|
|
1738 |
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
|
|
|
1739 |
|
|
|
1740 |
1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
|
|
|
1741 |
used on or associated in any way with an electronic work by people who
|
|
|
1742 |
agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
|
|
|
1743 |
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
|
|
|
1744 |
even without complying with the full terms of this agreement. See
|
|
|
1745 |
paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
|
|
|
1746 |
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
|
|
|
1747 |
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
|
|
|
1748 |
works. See paragraph 1.E below.
|
|
|
1749 |
|
|
|
1750 |
1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
|
|
|
1751 |
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
|
|
|
1752 |
Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
|
|
|
1753 |
collection are in the public domain in the United States. If an
|
|
|
1754 |
individual work is in the public domain in the United States and you are
|
|
|
1755 |
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
|
|
|
1756 |
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
|
|
|
1757 |
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
|
|
|
1758 |
are removed. Of course, we hope that you will support the Project
|
|
|
1759 |
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
|
|
|
1760 |
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
|
|
|
1761 |
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
|
|
|
1762 |
the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
|
|
|
1763 |
keeping this work in the same format with its attached full Project
|
|
|
1764 |
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
|
|
|
1765 |
|
|
|
1766 |
1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
|
|
|
1767 |
what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
|
|
|
1768 |
a constant state of change. If you are outside the United States, check
|
|
|
1769 |
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
|
|
|
1770 |
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
|
|
|
1771 |
creating derivative works based on this work or any other Project
|
|
|
1772 |
Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
|
|
|
1773 |
the copyright status of any work in any country outside the United
|
|
|
1774 |
States.
|
|
|
1775 |
|
|
|
1776 |
1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
|
|
|
1777 |
|
|
|
1778 |
1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
|
|
|
1779 |
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
|
|
|
1780 |
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
|
|
|
1781 |
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
|
|
|
1782 |
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
|
|
|
1783 |
copied or distributed:
|
|
|
1784 |
|
|
|
1785 |
This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
|
|
|
1786 |
almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
|
|
|
1787 |
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
|
|
|
1788 |
with this eBook or online at www.gutenberg.org
|
|
|
1789 |
|
|
|
1790 |
1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
|
|
|
1791 |
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
|
|
|
1792 |
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
|
|
|
1793 |
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
|
|
|
1794 |
or charges. If you are redistributing or providing access to a work
|
|
|
1795 |
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
|
|
|
1796 |
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
|
|
|
1797 |
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
|
|
|
1798 |
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
|
|
|
1799 |
1.E.9.
|
|
|
1800 |
|
|
|
1801 |
1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
|
|
|
1802 |
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
|
|
|
1803 |
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
|
|
|
1804 |
terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
|
|
|
1805 |
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
|
|
|
1806 |
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
|
|
|
1807 |
|
|
|
1808 |
1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
|
|
|
1809 |
License terms from this work, or any files containing a part of this
|
|
|
1810 |
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
|
|
|
1811 |
|
|
|
1812 |
1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
|
|
|
1813 |
electronic work, or any part of this electronic work, without
|
|
|
1814 |
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
|
|
|
1815 |
active links or immediate access to the full terms of the Project
|
|
|
1816 |
Gutenberg-tm License.
|
|
|
1817 |
|
|
|
1818 |
1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
|
|
|
1819 |
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
|
|
|
1820 |
word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
|
|
|
1821 |
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
|
|
|
1822 |
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
|
|
|
1823 |
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
|
|
|
1824 |
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
|
|
|
1825 |
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
|
|
|
1826 |
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
|
|
|
1827 |
form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
|
|
|
1828 |
License as specified in paragraph 1.E.1.
|
|
|
1829 |
|
|
|
1830 |
1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
|
|
|
1831 |
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
|
|
|
1832 |
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
|
|
|
1833 |
|
|
|
1834 |
1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
|
|
|
1835 |
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
|
|
|
1836 |
that
|
|
|
1837 |
|
|
|
1838 |
- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
|
|
|
1839 |
the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
|
|
|
1840 |
you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
|
|
|
1841 |
owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
|
|
|
1842 |
has agreed to donate royalties under this paragraph to the
|
|
|
1843 |
Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
|
|
|
1844 |
must be paid within 60 days following each date on which you
|
|
|
1845 |
prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
|
|
|
1846 |
returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
|
|
|
1847 |
sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
|
|
|
1848 |
address specified in Section 4, "Information about donations to
|
|
|
1849 |
the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
|
|
|
1850 |
|
|
|
1851 |
- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
|
|
|
1852 |
you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
|
|
|
1853 |
does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
|
|
|
1854 |
License. You must require such a user to return or
|
|
|
1855 |
destroy all copies of the works possessed in a physical medium
|
|
|
1856 |
and discontinue all use of and all access to other copies of
|
|
|
1857 |
Project Gutenberg-tm works.
|
|
|
1858 |
|
|
|
1859 |
- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
|
|
|
1860 |
money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
|
|
|
1861 |
electronic work is discovered and reported to you within 90 days
|
|
|
1862 |
of receipt of the work.
|
|
|
1863 |
|
|
|
1864 |
- You comply with all other terms of this agreement for free
|
|
|
1865 |
distribution of Project Gutenberg-tm works.
|
|
|
1866 |
|
|
|
1867 |
1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
|
|
|
1868 |
electronic work or group of works on different terms than are set
|
|
|
1869 |
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
|
|
|
1870 |
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
|
|
|
1871 |
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
|
|
|
1872 |
Foundation as set forth in Section 3 below.
|
|
|
1873 |
|
|
|
1874 |
1.F.
|
|
|
1875 |
|
|
|
1876 |
1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
|
|
|
1877 |
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
|
|
|
1878 |
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
|
|
|
1879 |
collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
|
|
|
1880 |
works, and the medium on which they may be stored, may contain
|
|
|
1881 |
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
|
|
|
1882 |
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
|
|
|
1883 |
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
|
|
|
1884 |
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
|
|
|
1885 |
your equipment.
|
|
|
1886 |
|
|
|
1887 |
1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
|
|
|
1888 |
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
|
|
|
1889 |
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
|
|
|
1890 |
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
|
|
|
1891 |
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
|
|
|
1892 |
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
|
|
|
1893 |
fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
|
|
|
1894 |
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
|
|
|
1895 |
PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
|
|
|
1896 |
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
|
|
|
1897 |
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
|
|
|
1898 |
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
|
|
|
1899 |
DAMAGE.
|
|
|
1900 |
|
|
|
1901 |
1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
|
|
|
1902 |
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
|
|
|
1903 |
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
|
|
|
1904 |
written explanation to the person you received the work from. If you
|
|
|
1905 |
received the work on a physical medium, you must return the medium with
|
|
|
1906 |
your written explanation. The person or entity that provided you with
|
|
|
1907 |
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
|
|
|
1908 |
refund. If you received the work electronically, the person or entity
|
|
|
1909 |
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
|
|
|
1910 |
receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
|
|
|
1911 |
is also defective, you may demand a refund in writing without further
|
|
|
1912 |
opportunities to fix the problem.
|
|
|
1913 |
|
|
|
1914 |
1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
|
|
|
1915 |
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
|
|
|
1916 |
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
|
|
|
1917 |
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
|
|
|
1918 |
|
|
|
1919 |
1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
|
|
|
1920 |
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
|
|
|
1921 |
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
|
|
|
1922 |
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
|
|
|
1923 |
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
|
|
|
1924 |
the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
|
|
|
1925 |
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
|
|
|
1926 |
|
|
|
1927 |
1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
|
|
|
1928 |
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
|
|
|
1929 |
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
|
|
|
1930 |
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
|
|
|
1931 |
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
|
|
|
1932 |
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
|
|
|
1933 |
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
|
|
|
1934 |
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
|
|
|
1935 |
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
|
|
|
1936 |
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
|
|
|
1937 |
|
|
|
1938 |
Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
|
|
|
1939 |
|
|
|
1940 |
Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
|
|
|
1941 |
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
|
|
|
1942 |
including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
|
|
|
1943 |
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
|
|
|
1944 |
people in all walks of life.
|
|
|
1945 |
|
|
|
1946 |
Volunteers and financial support to provide volunteers with the
|
|
|
1947 |
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
|
|
|
1948 |
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
|
|
|
1949 |
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
|
|
|
1950 |
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
|
|
|
1951 |
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
|
|
|
1952 |
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
|
|
|
1953 |
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
|
|
|
1954 |
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
|
|
|
1955 |
|
|
|
1956 |
|
|
|
1957 |
Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
|
|
|
1958 |
Foundation
|
|
|
1959 |
|
|
|
1960 |
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
|
|
|
1961 |
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
|
|
|
1962 |
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
|
|
|
1963 |
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
|
|
|
1964 |
number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
|
|
|
1965 |
http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
|
|
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1966 |
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
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1967 |
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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1968 |
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1969 |
The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
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1970 |
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
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1971 |
throughout numerous locations. Its business office is located at
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1972 |
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
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1973 |
business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
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1974 |
information can be found at the Foundation's web site and official
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1975 |
page at http://pglaf.org
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1976 |
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1977 |
For additional contact information:
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1978 |
Dr. Gregory B. Newby
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1979 |
Chief Executive and Director
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1980 |
gbnewby@pglaf.org
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1981 |
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1982 |
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
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1983 |
Literary Archive Foundation
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1984 |
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1985 |
Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
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1986 |
spread public support and donations to carry out its mission of
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1987 |
increasing the number of public domain and licensed works that can be
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1988 |
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
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1989 |
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
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1990 |
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
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1991 |
status with the IRS.
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1992 |
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1993 |
The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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1994 |
charities and charitable donations in all 50 states of the United
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1995 |
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
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1996 |
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
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1997 |
with these requirements. We do not solicit donations in locations
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1998 |
where we have not received written confirmation of compliance. To
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1999 |
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
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2000 |
particular state visit http://pglaf.org
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2001 |
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2002 |
While we cannot and do not solicit contributions from states where we
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2003 |
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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2004 |
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
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2005 |
approach us with offers to donate.
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2006 |
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2007 |
International donations are gratefully accepted, but we cannot make
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2008 |
any statements concerning tax treatment of donations received from
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2009 |
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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2010 |
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2011 |
Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
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2012 |
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
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2013 |
ways including checks, online payments and credit card donations.
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2014 |
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
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2015 |
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2016 |
Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
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2017 |
works.
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2018 |
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2019 |
Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
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2020 |
concept of a library of electronic works that could be freely shared
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2021 |
with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
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2022 |
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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2023 |
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2024 |
Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
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2025 |
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
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2026 |
unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
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2027 |
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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2028 |
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2029 |
Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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2030 |
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2031 |
http://www.gutenberg.org
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2032 |
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2033 |
This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
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2034 |
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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2035 |
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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2036 |
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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2037 |
*/
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2038 |
}
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