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148 lars 1
<?php
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namespace Faker\Provider\de_CH;
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class Text extends \Faker\Provider\Text
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{
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    /**
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     * The Project Gutenberg EBook of Die Leiden des jungen Werther--Buch 1, by
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     * Johann Wolfgang von Goethe
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     *
11
     * This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
12
     * almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
13
     * re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
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     * with this eBook or online at www.gutenberg.org
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     *
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     * Title: Die Leiden des jungen Werther--Buch 1
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     *
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     * Author: Johann Wolfgang von Goethe
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     *
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     * Posting Date: June 28, 2011 [EBook #2407]
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     * Release Date: November, 2000
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     *
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     * Language: German
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     * *** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER ***
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     *
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     * Produced by Michael Pullen, globaltraveler5565@yahoo.com
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     * with proofreading and correction by Dr. Mary Cicora,
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     * mcicora@yahoo.com.
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     *
31
     * @see http://www.gutenberg.org/cache/epub/2407/pg2407.txt
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     *
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     * @var string
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     */
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    protected static $baseText = <<<'EOT'
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Am 4. Mai 1771
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Wie froh bin ich, dass ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des
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Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und
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froh zu sein! Ich weiss, du verzeihst mir's. Waren nicht meine übrigen
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Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen?
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Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig. Konnt' ich dafür, dass, während
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die eigensinnigen Reize ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung
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verschafften, dass eine Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete? Und doch—bin ich
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ganz unschuldig? Hab' ich nicht ihre Empfindungen genährt? Hab' ich mich nicht
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an den ganz wahren Ausdrücken der Natur, die uns so oft zu lachen machten, so
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wenig lächerlich sie waren, selbst ergetzt? Hab' ich nicht—o was ist der Mensch,
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dass er über sich klagen darf! Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's,
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ich will mich bessern, will nicht mehr ein bisschen Übel, das uns das Schicksal
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vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe; ich will das Gegenwärtige
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geniessen, und das Vergangene soll mir vergangen sein. Gewiss, du hast recht, Bester,
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der Schmerzen wären minder unter den Menschen, wenn sie nicht—Gott weiss, warum
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sie so gemacht sind!—mit so viel Emsigkeit der Einbildungskraft sich
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beschäftigten, die Erinnerungen des vergangenen Übels zurückzurufen, eher als eine
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gleichgültige Gegenwart zu ertragen.
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Du bist so gut, meiner Mutter zu sagen, dass ich ihr Geschäft bestens
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betreiben und ihr ehstens Nachricht davon geben werde. Ich habe meine Tante
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gesprochen und bei weitem das böse Weib nicht gefunden, das man bei uns aus ihr
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macht. Sie ist eine muntere, heftige Frau von dem besten Herzen. Ich erklärte ihr
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meiner Mutter Beschwerden über den zurückgehaltenen Erbschaftsanteil; sie sagte
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mir ihre Gründe, Ursachen und die Bedingungen, unter welchen sie bereit wäre,
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alles herauszugeben, und mehr als wir verlangten—kurz, ich mag jetzt nichts
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davon schreiben, sage meiner Mutter, es werde alles gut gehen. Und ich habe,
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mein Lieber, wieder bei diesem kleinen Geschäft gefunden, dass Missverständnisse
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und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen als List und Bosheit.
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Wenigstens sind die beiden letzteren gewiss seltener.
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Übrigens befinde ich mich hier gar wohl. Die Einsamkeit ist meinem Herzen
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köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahreszeit der Jugend
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wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baum, jede Hecke ist ein
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Strauss von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von
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Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.
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Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche
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Schönheit der Natur. Das bewog den verstorbenen Grafen von M., einen Garten auf
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einem der Hügel anzulegen, die mit der schönsten Mannigfaltigkeit sich kreuzen
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und die lieblichsten Täler bilden. Der Garten ist einfach, und man fühlt
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gleich bei dem Eintritte, dass nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sondern ein
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fühlendes Herz den Plan gezeichnet, das seiner selbst hier geniessen wollte. Schon
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manche Träne hab' ich dem Abgeschiedenen in dem verfallenen Kabinettchen geweint,
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das sein Lieblingsplätzchen war und auch meines ist. Bald werde ich Herr vom
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Garten sein; der Gärtner ist mir zugetan, nur seit den paar Tagen, und er wird
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sich nicht übel dabei befinden.
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Am 10. Mai
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Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süssen
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Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen geniesse. Ich bin allein und freue mich meines
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Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich
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bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein
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versunken, dass meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht
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einen Strich, und bin nie ein grösserer Maler gewesen als in diesen Augenblicken.
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Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der
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undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das
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innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und
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näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; wenn ich
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das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen
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Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen fühle, und fühle die
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Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des
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Alliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält; mein Freund! Wenn's
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dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in
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meiner Seele ruhn wie die Gestalt einer Geliebten—dann sehne ich mich oft und
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denke : ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das
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einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, dass es würde der Spiegel deiner Seele,
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wie deine Seele ist der Spiegel des unendlichen Gottes!—mein Freund—aber ich
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gehe darüber zugrunde, ich erliege unter der Gewalt der Herrlichkeit dieser
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Erscheinungen.
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Ich weiss nicht, ob täuschende Geister um diese Gegend schweben, oder ob die
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warme, himmlische Phantasie in meinem Herzen ist, die mir alles rings umher so
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paradiesisch macht. Das ist gleich vor dem Orte ein Brunnen, ein Brunnen, an den ich
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gebannt bin wie Melusine mit ihren Schwestern.—Du gehst einen kleinen Hügel
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hinunter und findest dich vor einem Gewölbe, da wohl zwanzig Stufen hinabgehen, wo
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unten das klarste Wasser aus Marmorfelsen quillt. Die kleine Mauer, die oben
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umher die Einfassung macht, die hohen Bäume, die den Platz rings umher bedecken,
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die Kühle des Orts; das hat alles so was Anzügliches, was Schauerliches. Es
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vergeht kein Tag, dass ich nicht eine Stunde da sitze. Da kommen die Mädchen aus
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der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das
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ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten. Wenn ich da sitze, so lebt die
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patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle die Altväter, am Brunnen
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Bekanntschaft machen und freien, und wie um die Brunnen und Quellen wohltätige Geister
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schweben. O der muss nie nach einer schweren Sommertagswanderung sich an des Brunnens
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Kühle gelabt haben, der das nicht mitempfinden kann.
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Am 13. Mai
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Du fragst, ob du mir meine Bücher schicken sollst?—lieber, ich bitte dich um
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Gottes willen, lass mir sie vom Halse! Ich will nicht mehr geleitet, ermuntert,
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angefeuert sein, braust dieses Herz doch genug aus sich selbst; ich brauche
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Wiegengesang, und den habe ich in seiner Fülle gefunden in meinem Homer. Wie oft lull'
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ich mein empörtes Blut zur Ruhe, denn so ungleich, so unstet hast du nichts
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gesehn als dieses Herz. Lieber! Brauch' ich dir das zu sagen, der du so oft die
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Last getragen hast, mich vom Kummer zur Ausschweifung und von süsser Melancholie
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zur verderblichen Leidenschaft übergehen zu sehn? Auch halte ich mein Herzchen
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wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm gestattet. Sage das nicht weiter;
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es gibt Leute, die mir es verübeln würden.
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Am 15. Mai
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Die geringen Leute des Ortes kennen mich schon und lieben mich, besonders die
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Kinder. Eine traurige Bemerkung hab' ich gemacht. Wie ich im Anfange mich zu ihnen
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gesellte, sie freundschaftlich fragte über dies und das, glaubten einige, ich wollte
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ihrer spotten, und fertigten mich wohl gar grob ab. Ich liess mich das nicht
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verdriessen; nur fühlte ich, was ich schon oft bemerkt habe, auf das lebhafteste :
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Leute von einigem Stande werden sich immer in kalter Entfernung vom gemeinen
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Volke halten, als glaubten sie durch Annäherung zu verlieren; und dann gibt's
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Flüchtlinge und üble Spassvögel, die sich herabzulassen scheinen, um ihren Übermut dem
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armen Volke desto empfindlicher zu machen.
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Ich weiss wohl, dass wir nicht gleich sind, noch sein können; aber ich halte
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dafür, dass der, der nötig zu haben glaubt, vom so genannten Pöbel sich zu
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entfernen, um den Respekt zu erhalten, ebenso tadelhaft ist als ein Feiger, der sich
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vor seinem Feinde verbirgt, weil er zu unterliegen fürchtet.
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Letzthin kam ich zum Brunnen und fand ein junges Dienstmädchen, das ihr Gefäss auf
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die unterste Treppe gesetzt hatte und sich umsah, ob keine Kamerädin kommen
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wollte, ihr es auf den Kopf zu helfen. Ich stieg hinunter und sah sie an.—"Soll
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ich Ihr helfen, Jungfer?" sagte ich.—sie ward rot über und über.—"O nein,
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Herr!" sagte sie.—"Ohne Umstände".—sie legte ihren Kragen zurecht, und ich half
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ihr. Sie dankte und stieg hinauf.
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Den 17. Mai
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Ich habe allerlei Bekanntschaft gemacht, Gesellschaft habe ich noch keine
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gefunden. Ich weiss nicht, was ich Anzügliches für die Menschen haben muss; es mögen
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mich ihrer so viele und hängen sich an mich, und da tut mir's weh, wenn unser
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Weg nur eine kleine Strecke miteinander geht. Wenn du fragst, wie die Leute
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hier sind, muss ich dir sagen: wie überall! Es ist ein einförmiges Ding um das
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Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den grössten Teil der Zeit, um zu leben, und das
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bisschen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel
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aufsuchen, um es los zu werden. O Bestimmung des Menschen!
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Aber eine recht gute Art Volks! Wenn ich mich manchmal vergesse, manchmal mit
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ihnen die Freuden geniesse, die den Menschen noch gewährt sind, an einem artig
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besetzten Tisch mit aller Offen—und Treuherzigkeit sich herumzuspassen, eine
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Spazierfahrt, einen Tanz zur rechten Zeit anzuordnen, und dergleichen, das tut eine ganz
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gute Wirkung auf mich; nur muss mir nicht einfallen, dass noch so viele andere
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Kräfte in mir ruhen, die alle ungenutzt vermodern und die ich sorgfältig
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verbergen muss. Ach das engt das ganze Herz so ein.—Und doch! Missverstanden zu
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werden, ist das Schicksal von unsereinem.
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Ach, dass die Freundin meiner Jugend dahin ist, ach, dass ich sie je gekannt
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habe!—ich würde sagen: du bist ein Tor! Du suchst, was hienieden nicht zu finden
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ist! Aber ich habe sie gehabt, ich habe das Herz gefühlt, die grosse Seele, in
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deren Gegenwart ich mir schien mehr zu sein, als ich war, weil ich alles war,
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was ich sein konnte. Guter Gott! Blieb da eine einzige Kraft meiner Seele
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ungenutzt? Konnt' ich nicht vor ihr das ganze wunderbare Gefühl entwickeln, mit dem
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mein Herz die Natur umfasst? War unser Umgang nicht ein ewiges Weben von der
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feinsten Empfindung, dem schärfsten Witze, dessen Modifikationen, bis zur Unart,
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alle mit dem Stempel des Genies bezeichnet waren? Und nun!—ach ihre Jahre, die
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sie voraus hatte, führten sie früher ans Grab als mich. Nie werde ich sie
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vergessen, nie ihren festen Sinn und ihre göttliche Duldung.
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Vor wenig Tagen traf ich einen jungen V. an, einen offnen Jungen, mit einer
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gar glücklichen Gesichtsbildung. Er kommt erst von Akademien dünkt sich eben
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nicht weise, aber glaubt doch, er wisse mehr als andere. Auch war er fleissig,
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wie ich an allerlei spüre, kurz, er hat hübsche Kenntnisse. Da er hörte, dass
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ich viel zeichnete und Griechisch könnte (zwei Meteore hierzulande), wandte er
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sich an mich und kramte viel Wissens aus, von Batteux bis zu Wood, von de Piles
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zu Winckelmann, und versicherte mich, er habe Sulzers Theorie, den ersten
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Teil, ganz durchgelesen und besitze ein Manuskript von Heynen über das Studium
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der Antike. Ich liess das gut sein.
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Noch gar einen braven Mann habe ich kennen lernen, den fürstlichen Amtmann,
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einen offenen, treuherzigen Menschen. Man sagt, es soll eine Seelenfreude sein,
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ihn unter seinen Kindern zu sehen, deren er neun hat; besonders macht man viel
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Wesens von seiner ältesten Tochter. Er hat mich zu sich gebeten, und ich will ihn
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ehster Tage besuchen. Er wohnt auf einem fürstlichen Jagdhofe, anderthalb Stunden
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von hier, wohin er nach dem Tode seiner Frau zu ziehen die Erlaubnis erhielt,
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da ihm der Aufenthalt hier in der Stadt und im Amthause zu weh tat.
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Sonst sind mir einige verzerrte Originale in den Weg gelaufen, an denen alles
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unausstehlich ist, am unerträglichsten Freundschaftsbezeigungen.
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Leb' wohl! Der Brief wird dir recht sein, er ist ganz historisch.
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Am 22. Mai
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Dass das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so
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vorgekommen, und auch mit mir zieht dieses Gefühl immer herum. Wenn ich die
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Einschränkung ansehe, in welcher die tätigen und forschenden Kräfte des Menschen
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eingesperrt sind; wenn ich sehe, wie alle Wirksamkeit dahinaus läuft, sich die
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Befriedigung von Bedürfnissen zu verschaffen, die wieder keinen Zweck haben, als unsere
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arme Existenz zu verlängern, und dann, dass alle Beruhigung über gewisse Punkte
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des Nachforschens nur eine träumende Regignation ist, da man sich die Wände,
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zwischen denen man gefangen sitzt, mit bunten Gestalten und lichten Aussichten
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bemalt—das alles, Wilhelm, macht mich stumm. Ich kehre in mich selbst zurück, und
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finde eine Welt! Wieder mehr in Ahnung und dunkler Begier als in Darstellung und
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lebendiger Kraft. Und da schwimmt alles vor meinen Sinnen, und ich lächle dann so
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träumend weiter in die Welt.
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Dass die Kinder nicht wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelahrten
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Schul—und Hofmeister einig; dass aber auch Erwachsene gleich Kindern auf diesem
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Erdboden herumtaumeln und wie jene nicht wissen, woher sie kommen und wohin sie
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gehen, ebensowenig nach wahren Zwecken handeln, ebenso durch Biskuit und Kuchen
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und Birkenreiser regiert werden: das will niemand gern glauben, und mich
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dünkt, man kann es mit Händen greifen.
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Ich gestehe dir gern, denn ich weiss, was du mir hierauf sagen möchtest, dass
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diejenigen die Glücklichsten sind, die gleich den Kindern in den Tag hinein leben,
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ihre Puppen herumschleppen, aus—und anziehen und mit grossem Respekt um die
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Schublade umherschleichen, wo Mama das Zuckerbrot hineingeschlossen hat, und, wenn
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sie das gewünschte endlich erhaschen, es mit vollen Backen verzehren und
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rufen:"mehr!"—das sind glückliche Geschöpfe. Auch denen ist's wohl, die ihren
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Lumpenbeschäftigungen oder wohl gar ihren Leidenschaften prächtige Titel geben und sie dem
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Menschengeschlechte als Riesenoperationen zu dessen Heil und Wohlfahrt anschreiben.—Wohl dem,
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der so sein kann! Wer aber in seiner Demut erkennt, wo das alles hinausläuft,
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wer da sieht, wie artig jeder Bürger, dem es wohl ist, sein Gärtchen zum
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Paradiese zuzustutzen weiss, und wie unverdrossen auch der Unglückliche unter der
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Bürde seinen Weg fortkeucht, und alle gleich interessiert sind, das Licht dieser
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Sonne noch eine Minute länger zu sehn—ja, der ist still und bildet auch seine
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Welt aus sich selbst und ist auch glücklich, weil er ein Mensch ist. Und dann,
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so eingeschränkt er ist, hält er doch immer im Herzen das süsse Gefühl der
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Freiheit, und dass er diesen Kerker verlassen kann, wann er will.
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Am 26. Mai
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Du kennst von alters her meine Art, mich anzubauen, mir irgend an einem
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vertraulichen Orte ein Hüttchen aufzuschlagen und da mit aller Einschränkung zu
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herbergen. Auch hier habe ich wieder ein Plätzchen angetroffen, das mich angezogen
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hat.
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Ungefähr eine Stunde von der Stadt liegt ein Ort, den sie Wahlheim nennen. Die Lage
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an einem Hügel ist sehr interessant, und wenn man oben auf dem Fusspfade zum
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Dorf herausgeht, übersieht man auf einmal das ganze Tal. Eine gute Wirtin, die
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gefällig und munter in ihrem Alter ist, schenkt Wein, Bier, Kaffee; und was über
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alles geht, sind zwei Linden, die mit ihren ausgebreiteten Ästen den kleinen
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Platz vor der Kirche bedecken, der ringsum mit Bauerhäusern, Scheunen und Höfen
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eingeschlossen ist. So vertraulich, so heimlich hab' ich nicht leicht ein Plätzchen
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gefunden, und dahin lass' ich mein Tischchen aus dem Wirtshause bringen und meinen
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Stuhl, trinke meinen Kaffee da und lese meinen Homer. Das erstenmal, als ich
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durch einen Zufall an einem schönen Nachmittage unter die Linden kam, fand ich
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das Plätzchen so einsam. Es war alles im Felde; nur ein Knabe von ungefähr
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vier Jahren sass an der Erde und hielt ein anderes, etwa halbjähriges, vor ihm
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zwischen seinen Füssen sitzendes Kind mit beiden Armen wider seine Brust, so dass er
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ihm zu einer Art von Sessel diente und ungeachtet der Munterkeit, womit er aus
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seinen schwarzen Augen herumschaute, ganz ruhig sass. Mich vergnügte der Anblick:
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ich setzte mich auf einen Pflug, der gegenüber stand, und zeichnete die
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brüderliche Stellung mit vielem Ergetzen. Ich fügte den nächsten Zaun, ein Scheunentor
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und einige gebrochene Wagenräder bei, alles, wie es hinter einander stand, und
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fand nach Verlauf einer Stunde, dass ich eine wohlgeordnete, sehr interessante
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Zeichnung verfertigt hatte, ohne das mindeste von dem Meinen hinzuzutun. Das
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bestärkte mich in meinem Vorsatze, mich künftig allein an die Natur zu halten. Sie
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allein ist unendlich reich, und sie allein bildet den grossen Künstler. Man kann
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zum Vorteile der Regeln viel sagen, ungefähr was man zum Lobe der bürgerlichen
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Gesellschaft sagen kann. Ein Mensch, der sich nach ihnen bildet, wird nie etwas
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Abgeschmacktes und Schlechtes hervorbringen, wie einer, der sich durch Gesetze und
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Wohlstand modeln lässt, nie ein unerträglicher Nachbar, nie ein merkwürdiger
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Bösewicht werden kann; dagegen wird aber auch alle Regel, man rede was man wolle,
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das wahre Gefühl von Natur und den wahren Ausdruck derselben zerstören! Sag'
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du: 'das ist zu hart! Sie schränkt nur ein, beschneidet die geilen Reben'
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etc.—guter Freund, soll ich dir ein Gleichnis geben? Es ist damit wie mit der Liebe.
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Ein junges Herz hängt ganz an einem Mädchen, bringt alle Stunden seines Tages
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bei ihr zu, verschwendet alle seine Kräfte, all sein Vermögen, um ihr jeden
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Augenblick auszudrücken, dass er sich ganz ihr hingibt. Und da käme ein Philister, ein
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Mann, der in einem öffentlichen Amte steht, und sagte zu ihm: 'feiner junger
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Herr! Lieben ist menschlich, nur müsst Ihr menschlich lieben! Teilet Eure Stunden
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ein, die einen zur Arbeit, und die Erholungsstunden widmet Eurem Mädchen.
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Berechnet Euer Vermögen, und was Euch von Eurer Notdurft übrig bleibt, davon
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verwehr' ich Euch nicht, ihr ein Geschenk, nur nicht zu oft, zu machen, etwa zu
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ihrem Geburts—und Namenstage ' etc.—folgt der Mensch, so gibt's einen
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brauchbaren jungen Menschen, und ich will selbst jedem Fürsten raten, ihn in ein
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Kollegium zu setzen; nur mit seiner Liebe ist's am Ende und, wenn er ein Künstler
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ist, mit seiner Kunst. O meine Freunde! Warum der Strom des Genies so selten
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ausbricht, so selten in hohen Fluten hereinbraust und eure staunende Seele
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erschüttert?—liebe Freunde, da wohnen die gelassenen Herren auf beiden Seiten des Ufers,
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denen ihre Gartenhäuschen, Tulpenbeete und Krautfelder zugrunde gehen würden,
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die daher in Zeiten mit Dämmen und Ableiten der künftig drohenden Gefahr
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abzuwehren wissen.
311
 
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Am 27. Mai
313
 
314
Ich bin, wie ich sehe, in Verzückung, Gleichnisse und Deklamation verfallen
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und habe darüber vergessen, dir auszuerzählen, was mit den Kindern weiter
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geworden ist. Ich sass, ganz in malerische Empfindung vertieft, die dir mein
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gestriges Blatt sehr zerstückt darlegt, auf meinem Pfluge wohl zwei Stunden. Da
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kommt gegen Abend eine junge Frau auf die Kinder los, die sich indes nicht
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gerührt hatten, mit einem Körbchen am Arm und ruft von weitem: "Philipps, du bist
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recht brav". —Sie grüsste mich, ich dankte ihr, stand auf, trat näher hin und
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fragte sie, ob sie Mutter von den Kindern wäre? Sie bejahte es, und indem sie dem
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ältesten einen halben Weck gab, nahm sie das kleine auf und küsste es mit aller
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mütterlichen Liebe.—"ich habe", sagte sie, "meinem Philipps das Kleine zu halten
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gegeben und bin mit meinem Ältesten in die Stadt gegangen, um weiss Brot zu holen
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und Zucker und ein irden Breipfännchen".—Ich sah das alles in dem Korbe,
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dessen Deckel abgefallen war.—"Ich will meinem Hans (das war der Name des
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Jüngsten) ein Süppchen kochen zum Abende; der lose Vogel, der Grosse, hat mir gestern
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das Pfännchen zerbrochen, als er sich mit Philippsen um die Scharre des Breis
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zankte".—ich fragte nach dem Ältesten, und sie hatte mir kaum gesagt, dass er sich auf
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der Wiese mit ein paar Gänsen herumjage, als er gesprungen kam und dem Zweiten
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eine Haselgerte mitbrachte. Ich unterhielt mich weiter mit dem Weibe und
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erfuhr, dass sie des Schulmeisters Tochter sei, und dass ihr Mann eine Reise in die
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Schweiz gemacht habe, um die Erbschaft eines Vetters zu holen.—"Sie haben ihn drum
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betriegen wollen", sagte sie,"und ihm auf seine Briefe nicht geantwortet; da ist er
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selbst hineingegangen. Wenn ihm nur kein Unglück widerfahren ist, ich höre nichts
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von ihm".—Es ward mir schwer, mich von dem Weibe los zu machen, gab jedem der
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Kinder einen Kreuzer, und auch fürs jüngste gab ich ihr einen, ihm einen Weck zur
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Suppe mitzubringen, wenn sie in die Stadt ginge, und so schieden wir von
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einander.
340
 
341
Ich sage dir, mein Schatz, wenn meine Sinne gar nicht mehr halten wollen, so
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lindert all den Tumult der Anblick eines solchen Geschöpfs, das in glücklicher
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Gelassenheit den engen Kreis seines Daseins hingeht, von einem Tage zum andern sich
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durchhilft, die Blätter abfallen sieht und nichts dabei denkt, als dass der Winter
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kommt.
346
 
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Seit der Zeit bin ich oft draussen. Die Kinder sind ganz an mich gewöhnt, sie
348
kriegen Zucker, wenn ich Kaffee trinke, und teilen das Butterbrot und die saure
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Milch mit mir des Abends. Sonntags fehlt ihnen der Kreuzer nie, und wenn ich
350
nicht nach der Betstunde da bin, so hat die Wirtin Ordre, ihn auszuzahlen.
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Sie sind vertraut, erzählen mir allerhand, und besonders ergetze ich mich an
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ihren Leidenschaften und simpeln Ausbrüchen des Begehrens, wenn mehr Kinder aus
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dem Dorfe sich versammeln.
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Viele Mühe hat mich's gekostet, der Mutter ihre Besorgnis zu nehmen, sie möchten
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den Herrn inkommodieren.
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Am 30. Mai
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Was ich dir neulich von der Malerei sagte, gilt gewiss auch von der Dichtkunst;
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es ist nur, dass man das Vortreffliche erkenne und es auszusprechen wage, und
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das ist freilich mit wenigem viel gesagt. Ich habe heute eine Szene gehabt,
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die, rein abgeschrieben, die schönste Idylle von der Welt gäbe; doch was soll
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Dichtung, Szene und Idylle? Muss es denn immer gebosselt sein, wenn wir teil an einer
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Naturerscheinung nehmen sollen?
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Wenn du auf diesen Eingang viel Hohes und Vornehmes erwartest, so bist du
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wieder übel betrogen; es ist nichts als ein Bauerbursch, der mich zu dieser
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lebhaften Teilnehmung hingerissen hat. Ich werde, wie gewöhnlich, schlecht erzählen,
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und du wirst mich, wie gewöhnlich, denk' ich, übertrieben finden; es ist
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wieder Wahlheim, und immer Wahlheim, das diese Seltenheiten hervorbringt.
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Es war eine Gesellschaft draussen unter den Linden, Kaffee zu trinken. Weil
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sie mir nicht ganz anstand, so blieb ich unter einem Vorwande zurück.
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Ein Bauerbursch kam aus einem benachbarten Hause und beschäftigte sich, an dem
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Pfluge, den ich neulich gezeichnet hatte, etwas zurecht zu machen. Da mir sein
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Wesen gefiel, redete ich ihn an, fragte nach seinen Umständen, wir waren bald
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bekannt und, wie mir's gewöhnlich mit dieser Art Leuten geht, bald vertraut. Er
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erzählte mir, dass er bei einer Witwe in Diensten sei und von ihr gar wohl gehalten
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werde. Er sprach so vieles von ihr und lobte sie dergestalt, dass ich bald merken
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konnte, er sei ihr mit Leib und Seele zugetan. Sie sei nicht mehr jung, sagte er,
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sie sei von ihrem ersten Mann übel gehalten worden, wolle nicht mehr heiraten,
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und aus seiner Erzählung leuchtete so merklich hervor, wie schön, wie reizend
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sie für ihn sei, wie sehr er wünschte, dass sie ihn wählen möchte, um das
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Andenken der Fehler ihres ersten Mannes auszulöschen, dass ich Wort für Wort
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wiederholen müsste, um dir die reine Neigung, die Liebe und Treue dieses Menschen
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anschaulich zu machen. Ja, ich müsste die Gabe des grössten Dichters besitzen, um dir
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zugleich den Ausdruck seiner Gebärden, die Harmonie seiner Stimme, das heimliche
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Feuer seiner Blicke lebendig darstellen zu können. Nein, es sprechen keine Worte
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die Zartheit aus, die in seinem ganzen Wesen und Ausdruck war; es ist alles
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nur plump, was ich wieder vorbringen könnte. Besonders rührte mich, wie er
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fürchtete, ich möchte über sein Verhältnis zu ihr ungleich denken und an ihrer guten
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Aufführung zweifeln. Wie reizend es war, wenn er von ihrer Gestalt, von ihrem Körper
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sprach, der ihn ohne jugendliche Reize gewaltsam an sich zog und fesselte, kann
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ich mir nur in meiner innersten Seele wiederholen. Ich hab' in meinem Leben
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die dringende Begierde und das heisse, sehnliche Verlangen nicht in dieser
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Reinheit gesehen, ja wohl kann ich sagen, in dieser Reinheit nicht gedacht und
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geträumt. Schelte mich nicht, wenn ich dir sage, dass bei der Erinnerung dieser
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Unschuld und Wahrheit mir die innerste Seele glüht, und dass mich das Bild dieser
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Treue und Zärtlichkeit überall verfolgt, und dass ich, wie selbst davon
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entzündet, lechze und schmachte.
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Ich will nun suchen, auch sie ehstens zu sehn, oder vielmehr, wenn ich's recht
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bedenke, ich will's vermeiden. Es ist besser, ich sehe sie durch die Augen ihres
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Liebhabers; vielleicht erscheint sie mir vor meinen eigenen Augen nicht so, wie sie
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jetzt vor mir steht, und warum soll ich mir das schöne Bild verderben?
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Am 16. Junius
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412
Warum ich dir nicht schreibe?—Fragst du das und bist doch auch der Gelehrten
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einer. Du solltest raten, dass ich mich wohl befinde, und zwar—kurz und gut, ich
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habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht. Ich habe—ich weiss
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nicht.
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Dir in der Ordnung zu erzählen, wie's zugegangen ist, dass ich eins der
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liebenswürdigsten Geschöpfe habe kennen lernen, wird schwer halten. Ich bin vergnügt und
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glücklich, und also kein guter Historienschreiber.
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Einen Engel!—pfui! Das sagt jeder von der Seinigen, nicht wahr? Und doch bin ich
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nicht imstande, dir zu sagen, wie sie vollkommen ist, warum sie vollkommen ist;
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genug, sie hat allen meinen Sinn gefangengenommen.
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So viel Einfalt bei so viel Verstand, so viel Güte bei so viel Festigkeit,
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und die Ruhe der Seele bei dem wahren Leben und der Tätigkeit.—Das ist alles
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garstiges Gewäsch, was ich da von ihr sage, leidige Abstraktionen, die nicht einen
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Zug ihres Selbst ausdrücken. Ein andermal—nein, nicht ein andermal, jetzt
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gleich will ich dir's erzählen. Tu' ich 's jetzt nicht, so geschäh' es niemals.
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Denn, unter uns, seit ich angefangen habe zu schreiben, war ich schon dreimal im
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Begriffe, die Feder niederzulegen, mein Pferd satteln zu lassen und hinauszureiten.
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Und doch schwur ich mir heute früh, nicht hinauszureiten, und gehe doch alle
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Augenblick' ans Fenster, zu sehen, wie hoch die Sonne noch steht.—Ich hab's nicht
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überwinden können, ich musste zu ihr hinaus. Da bin ich wieder, Wilhelm, will mein
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Butterbrot zu Nacht essen und dir schreiben. Welch eine Wonne das für meine Seele
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ist, sie in dem Kreise der lieben, muntern Kinder, ihrer acht Geschwister, zu
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sehen!—Wenn ich so fortfahre, wirst du am Ende so klug sein wie am Anfange. Höre denn,
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ich will mich zwingen, ins Detail zu gehen.
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Ich schrieb dir neulich, wie ich den Amtmann S. habe kennen lernen, und wie er
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mich gebeten habe, ihn bald in seiner Einsiedelei oder vielmehr seinem kleinen
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Königreiche zu besuchen. Ich vernachlässigte das, und wäre vielleicht nie hingekommen,
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hätte mir der Zufall nicht den Schatz entdeckt, der in der stillen Gegend
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verborgen liegt.
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Unsere jungen Leute hatten einen Ball auf dem Lande angestellt, zu dem ich mich
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denn auch willig finden liess. Ich bot einem hiesigen guten, schönen, übrigens
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unbedeutenden Mädchen die Hand, und es wurde ausgemacht, dass ich eine Kutsche nehmen,
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mit meiner Tänzerin und ihrer Base nach dem Orte der Lustbarkeit hinausfahren
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und auf dem Wege Charlotten S. mitnehmen sollte.—"Sie werden ein schönes
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Frauenzimmer kennenlernen", sagte meine Gesellschafterin, da wir durch den weiten,
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ausgehauenen Wald nach dem Jagdhause fuhren.—"Nehmen Sie sich in acht", versetzte die
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Base, "dass Sie sich nicht verlieben!"—"Wieso?" sagte ich.—"Sie ist schon
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vergeben,"antwortete jene,"an einen sehr braven Mann, der weggereist ist, seine Sachen in
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Ordnung zu bringen, weil sein Vater gestorben ist, und sich um eine ansehnliche
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Versorgung zu bewerben".—Die Nachricht war mir ziemlich gleichgültig.
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Die Sonne war noch eine Viertelstunde vom Gebirge, als wir vor dem Hoftore
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anfuhren. Es war sehr schwül, und die Frauenzimmer äusserten ihre Besorgnis wegen
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eines Gewitters, das sich in weissgrauen, dumpfichten Wölkchen rings am Horizonte
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zusammenzuziehen schien. Ich täuschte ihre Furcht mit anmasslicher Wetterkunde, ob mir
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gleich selbst zu ahnen anfing, unsere Lustbarkeit werde einen Stoss leiden.
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464
Ich war ausgestiegen, und eine Magd, die ans Tor kam, bat uns, einen
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Augenblick zu verziehen, Mamsell Lottchen würde gleich kommen. Ich ging durch den Hof
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nach dem wohlgebauten Hause, und da ich die vorliegenden Treppen
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hinaufgestiegen war und in die Tür trat, fiel mir das reizendste Schauspiel in die Augen,
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das ich je gesehen habe. in dem Vorsaale wimmelten sechs Kinder von eilf zu
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zwei Jahren um ein Mädchen von schöner Gestalt, mittlerer Grösse, die ein
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simples weisses Kleid, mit blassroten Schleifen an Arm und Brust, anhatte. Sie hielt
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ein schwarzes Brot und schnitt ihren Kleinen rings herum jedem sein Stück nach
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Proportion ihres Alters und Appetits ab, gab's jedem mit solcher Freundlichkeit, und
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jedes rief so ungekünstelt sein "danke!", indem es mit den kleinen Händchen
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lange in die Höhe gereicht hatte, ehe es noch abgeschnitten war, und nun mit
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seinem Abendbrote vergnügt entweder wegsprang, oder nach seinem stillern
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Charakter gelassen davonging nach dem Hoftore zu, um die Fremden und die Kutsche zu
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sehen, darin ihre Lotte wegfahren sollte.—"Ich bitte um Vergebung", sagte sie,
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"dass ich Sie hereinbemühe und die Frauenzimmer warten lasse. Über dem Anziehen
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und allerlei Bestellungen fürs Haus in meiner Abwesenheit habe ich vergessen,
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meinen Kindern ihr Vesperbrot zu geben, und sie wollen von niemanden Brot
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geschnitten haben als von mir".
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Ich machte ihr ein unbedeutendes Kompliment, meine ganze Seele ruhte auf der
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Gestalt, dem Tone, dem Betragen, und ich hatte eben Zeit, mich von der Überraschung
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zu erholen, als sie in die Stube lief, ihre Handschuhe und den Fächer zu
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holen. Die Kleinen sahen mich in einiger Entfernung so von der Seite an, und ich
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ging auf das jüngste los, das ein Kind von der glücklichsten Gesichtsbildung
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war. Es zog sich zurück, als eben Lotte zur Türe herauskam und sagte:"Louis,
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gib dem Herrn Vetter eine Hand".—das tat der Knabe sehr freimütig, und ich
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konnte mich nicht enthalten, ihn, ungeachtet seines kleinen Rotznäschens,
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herzlich zu küssen.
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"Vetter?" sagte ich, indem ich ihr die Hand reichte," glauben Sie, dass ich des
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Glücks wert sei, mit Ihnen verwandt zu sein?"—"O", sagte sie mit einem
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leichtfertigen Lächeln, "unsere Vetterschaft ist sehr weitläufig, und es wäre mir leid,
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wenn Sie der schlimmste drunter sein sollten".—Im Gehen gab sie Sophien, der
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ältesten Schwester nach ihr, einem Mädchen von ungefähr elf Jahren, den Auftrag,
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wohl auf die Kinder acht zu haben und den Papa zu grüssen, wenn er vom
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Spazierritte nach Hause käme. Den Kleinen sagte sie, sie sollten ihrer Schwester Sophie
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folgen, als wenn sie's selber wäre, das denn auch einige ausdrücklich versprachen.
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Eine kleine, naseweise Blondine aber, von ungefähr sechs Jahren, sagte: "du
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bist's doch nicht, Lottchen, wir haben dich doch lieber".—die zwei ältesten
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Knaben waren hinten auf die Kutsche geklettert, und auf mein Vorbitten erlaubte
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sie ihnen, bis vor den Wald mitzufahren, wenn sie versprächen, sich nicht zu
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necken und sich recht festzuhalten.
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Wir hatten uns kaum zurecht gesetzt, die Frauenzimmer sich bewillkommt,
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wechselsweise über den Anzug, vorzüglich über die Hüte ihre Anmerkungen gemacht und die
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Gesellschaft, die man erwartete, gehörig durchgezogen, als Lotte den Kutscher halten und
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ihre Brüder herabsteigen liess, die noch einmal ihre Hand zu küssen begehrten,
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das denn der älteste mit aller Zärtlichkeit, die dem Alter von fünfzehn Jahren
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eigen sein kann, der andere mit viel Heftigkeit und Leichtsinn tat. Sie liess die
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Kleinen noch einmal grüssen, und wir fuhren weiter.
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515
Die Base fragte, ob sie mit dem Buche fertig wäre, das sie ihr neulich
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geschickt hätte.—"nein", sagte Lotte,"es gefällt mir nicht, Sie können's
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wiederhaben. Das vorige war auch nicht besser".—Ich erstaunte, als ich fragte, was es
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für Bücher wären, und sie mir antwortete:—ich fand so viel Charakter in allem,
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was sie sagte, ich sah mit jedem Wort neue Reize, neue Strahlen des Geistes
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aus ihren Gesichtszügen hervorbrechen, die sich nach und nach vergnügt zu
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entfalten schienen, weil sie an mir fühlte, dass ich sie verstand.
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"Wie ich jünger war", sagte sie, "liebte ich nichts so sehr als Romane. Weiss
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Gott, wie wohl mir's war, wenn ich mich Sonntags in so ein Eckchen setzen und
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mit ganzem Herzen an dem Glück und Unstern einer Miss Jonny teilnehmen konnte.
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Ich leugne auch nicht, dass die Art noch einige Reize für mich hat. Doch da ich
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so selten an ein Buch komme, so muss es auch recht nach meinem Geschmack sein.
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Und der Autor ist mir der liebste, in dem ich meine Welt wiederfinde, bei dem
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es zugeht wie um mich, und dessen Geschichte mir doch so interessant und
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herzlich wird als mein eigen häuslich Leben, das freilich kein Paradies, aber doch
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im ganzen eine Quelle unsäglicher Glückseligkeit ist".
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533
Ich bemühte mich, meine Bewegungen über diese Worte zu verbergen. Das ging
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freilich nicht weit: denn da ich sie mit solcher Wahrheit im Vorbeigehen vom
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Landpriester von Wakefield, vom—reden hörte, kam ich ganz ausser mich, sagte ihr alles,
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was ich musste, und bemerkte erst nach einiger Zeit, da Lotte das Gespräch an
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die anderen wendete, dass diese die Zeit über mit offenen Augen, als sässen sie
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nicht da, dagesessen hatten. Die Base sah mich mehr als einmal mit einem
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spöttischen Näschen an, daran mir aber nichts gelegen war.
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Das Gespräch fiel aufs Vergnügen am Tanze.—"wenn diese Leidenschaft ein Fehler
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ist,"sagte Lotte, "so gestehe ich Ihnen gern, ich weiss mir nichts übers Tanzen. Und
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wenn ich was im Kopfe habe und mir auf meinem verstimmten Klavier einen
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Contretanz vortrommle, so ist alles wieder gut".
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Wie ich mich unter dem Gespäche in den schwarzen Augen weidete—wie die
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lebendigen Lippen und die frischen, muntern Wangen meine ganze Seele anzogen—wie ich,
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in den herrlichen Sinn ihrer Rede ganz versunken, oft gar die Worte nicht
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hörte, mit denen sie sich ausdrückte—davon hast du eine Vorstellung, weil du mich
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kennst. Kurz, ich stieg aus dem Wagen wie ein Träumender, als wir vor dem
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Lusthause stille hielten, und war so in Träumen rings in der dämmernden Welt
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verloren, dass ich auf die Musik kaum achtete, die uns von dem erleuchteten Saal
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herunter entgegenschallte.
554
 
555
Die zwei Herren Audran und ein gewisser N. N.—wer behält alle die
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Namen—, die der Base und Lottens Tänzer waren, empfingen uns am
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Schlage, bemächtigten sich ihrer Frauenzimmer, und ich führte das
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meinige hinauf.
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Wir schlangen uns in Menuetts um einander herum; ich forderte ein Frauenzimmer
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nach dem andern auf, und just die unleidlichsten konnten nicht dazu kommen,
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einem die Hand zu reichen und ein Ende zu machen. Lotte und ihr Tänzer fingen
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einen Englischen an, und wie wohl mir's war, als sie auch in der Reihe die Figur
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mit uns anfing, magst du fühlen. Tanzen muss man sie sehen! Siehst du, sie ist
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so mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dabei, ihr ganzer Körper eine
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Harmonie, so sorglos, so unbefangen, als wenn das eigentlich alles wäre, als wenn
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sie sonst nichts dächte, nichts empfände; und in dem Augenblicke gewiss
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schwindet alles andere vor ihr.
569
 
570
Ich bat sie um den zweiten Contretanz; sie sagte mit den dritten zu, und mit
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der liebenswürdigsten Freimütigkeit von der Welt versicherte sie mir, dass sie
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herzlich gern deutsch tanze.—"Es ist hier so Mode, "fuhr sie fort," dass jedes Paar,
573
das zusammen gehört, beim Deutschen zusammenbleibt, und mein Chapeau walzt
574
schlecht und dankt mir's, wenn ich ihm die Arbeit erlasse. Ihr Frauenzimmer kann's
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auch nicht und mag nicht, und ich habe im Englischen gesehen, dass Sie gut
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walzen; wenn Sie nun mein sein wollen fürs Deutsche, so gehen Sie und bitten
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sich's von meinem Herrn aus, und ich will zu Ihrer Dame gehen".—ich gab ihr die
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Hand darauf, und wir machten aus, dass ihr Tänzer inzwischen meine Tänzerin
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unterhalten sollte.
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581
Nun ging's an, und wir ergetzten uns eine Weile an manigfaltigen Schlingungen
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der Arme. Mit welchem Reize, mit welcher Flüchtigkeit bewegte sie sich! Und da
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wir nun gar ans Walzen kamen und wie die Sphären um einander herumrollten,
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ging's freilich anfangs, weil's die wenigsten können, ein bisschen bunt
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durcheinander. Wir waren klug und liessen sie austoben, und als die Ungeschicktesten den
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Plan geräumt hatten, fielen wir ein und hielten mit noch einem Paare, mit
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Audran und seiner Tänzerin, wacker aus. Nie ist mir's so leicht vom Flecke
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gegangen. Ich war kein Mensch mehr. Das liebenswürdigste Geschöpf in den Armen zu
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haben und mit ihr herumzufliegen wie Wetter, dass alles rings umher verging,
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und—Wilhelm, um ehrlich zu sein, tat ich aber doch den Schwur, dass ein Mädchen, das ich
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liebte, auf das ich Ansprüche hätte, mir nie mit einem andern walzen sollte als
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mit mir, und wenn ich drüber zugrunde gehen müsste. Du verstehst mich!
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594
Wir machten einige Touren gehend im Saale, um zu verschnaufen. Dann setzte sie
595
sich, und die Orangen, die ich beiseite gebracht hatte, die nun die einzigen
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noch übrigen waren, taten vortreffliche Wirkung, nur dass mir mit jedem
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Schnittchen, das sie einer unbescheidenen Nachbarin ehrenhalben zuteilte, ein Stich
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durchs Herz ging.
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Beim dritten englischen Tanz waren wir das zweite Paar. Wie wir die Reihe
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durchtanzten und ich, weiss Gott mit wieviel Wonne, an ihrem Arm und Auge hing, das voll
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vom wahrsten Ausdruck des offensten, reinsten Vergnügens war, kommen wir an
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eine Frau, die mir wegen ihrer liebenswürdigen Miene auf einem nicht mehr ganz
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jungen Gesichte merkwürdig gewesen war. Sie sieht Lotten lächelnd an, hebt einen
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drohenden Finger auf und nennt den Namen Albert zweimal im Vorbeifliegen mit viel
606
Bedeutung.
607
 
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"Wer ist Albert?" sagte ich zu Lotten, "wenn's nicht Vermessenheit ist zu
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fragen".—Sie war im Begriff zu antworten, als wir uns scheiden mussten, um die grosse
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Achte zu machen, und mich dünkte einiges Nachdenken auf ihrer Stirn zu sehen,
611
als wir so vor einander vorbeikreuzten.—"Was soll ich's Ihnen leugnen," sagte
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sie, indem sie mir die Hand zur Promenade bot. "Albert ist ein braver Mensch,
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dem ich so gut als verlobt bin".—nun war mir das nichts Neues (denn die
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Mädchen hatten mir's auf dem Wege gesagt) und war mir doch so ganz neu, weil ich
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es noch nicht im Verhältnis auf sie, die mir in so wenig Augenblicken so wert
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geworden war, gedacht hatte. Genug, ich verwirrte mich, vergass mich und kam
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zwischen das unrechte Paar hinein, dass alles drunter und drüber ging und Lottens
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ganze Gegenwart und Zerren und Ziehen nötig war, um es schnell wieder in Ordnung
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zu bringen.
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Der Tanz war noch nicht zu Ende, als die Blitze, die wir schon lange am
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Horizonte leuchten gesehn und die ich immer für Wetterkühlen ausgegeben hatte, viel
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stärker zu werden anfingen und der Donner die Musik überstimmte. Drei Frauenzimmer
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liefen aus der Reihe, denen ihre Herren folgten; die Unordnung wurde allgemein,
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und die Musik hörte auf. Es ist natürlich, wenn uns ein Unglück oder etwas
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Schreckliches im Vergnügen überrascht, dass es stärkere Eindrücke auf uns macht als
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sonst, teils wegen des Gegensatzes, der sich so lebhaft empfinden lässt, teils und
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noch mehr, weil unsere Sinne einmal der Fühlbarkeit geöffnet sind und also
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desto schneller einen Eindruck annehmen. Diesen Ursachen muss ich die wunderbaren
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Grimassen zuschreiben, in die ich mehrere Frauenzimmer ausbrechen sah. Die klügste
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setzte sich in eine Ecke, mit dem Rücken gegen das Fenster, und hielt die Ohren
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zu. Eine andere kniete vor ihr nieder und verbarg den Kopf in der erster
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Schoss. Eine dritte schob sich zwischen beide hinein und umfasste ihre
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Schwesterchen mit tausend Tränen. Einige wollten nach Hause; andere, die noch weniger
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wussten, was sie taten, hatten nicht so viel Besinnungskraft, den Keckheiten
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unserer jungen Schlucker zu steuern, die sehr beschäftigt zu sein schienen, alle
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die ängstlichen Gebete, die dem Himmel bestimmt waren, von den Lippen der
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schönen Bedrängten wegzufangen. Einige unserer Herren hatten sich hinabbegeben, um
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ein Pfeifchen in Ruhe zu rauchen; und die übrige Gesellschaft schlug es nicht
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aus, als die Wirtin auf den klugen Einfall kam, uns ein Zimmer anzuweisen, das
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Läden und Vorhänge hätte. Kaum waren wir da angelangt, als Lotte beschäftigt
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war, einen Kreis von Stühlen zu stellen und, als sich die Gesellschaft auf ihre
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Bitte gesetzt hatte, den Vortrag zu einem Spiele zu tun.
644
 
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Ich sah manchen, der in Hoffnung auf ein saftiges Pfand sein Mäulchen spitzte
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und seine Glieder reckte.—"Wir spielen Zählens!" sagte sie. "Nun gebt acht!
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Ich geh' im Kreise herum von der Rechten zur Linken, und so zählt ihr auch
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rings herum, jeder die Zahl, die an ihn kommt, und das muss gehen wie ein
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Lauffeuer, und wer stockt oder sich irrt, kriegt eine Ohrfeige, und so bis
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tausend".—nun war das lustig anzusehen: sie ging mit ausgestrecktem Arm im Kreise herum.
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"Eins", fing der erste an, der Nachbar "zwei", "drei" der folgende, und so fort.
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Dann fing sie an, geschwinder zu gehen, immer geschwinder; da versah's einer:
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Patsch! Eine Ohrfeige, und über das Gelächter der folgende auch: Patsch! Und immer
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geschwinder. Ich selbst kriegte zwei Maulschellen und glaubte mit innigem Vergnügen zu
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bemerken, dass sie stärker seien, als sie den übrigen zuzumessen pflegte. Ein
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allgemeines Gelächter und Geschwärm endigte das Spiel, ehe noch das Tausend ausgezählt
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war. Die Vertrautesten zogen einander beiseite, das Gewitter war vorüber, und
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ich folgte Lotten in den Saal. Unterwegs sagte sie:"über die Ohrfeigen haben
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sie Wetter und alles vergessen!"—ich konnte ihr nichts antworten.—"ich war",
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fuhr sie fort, "eine der Furchtsamsten, und indem ich mich herzhaft stellte, um
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den andern Mut zu geben, bin ich mutig geworden".—Wir traten ans Fenster. Es
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donnerte abseitwärts, und der herrliche Regen säuselte auf das Land, und der
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erquickendste Wohlgeruch stieg in aller Fülle einer warmen Luft zu uns auf. Sie stand
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auf ihren Ellenbogen gestützt, ihr Blick durchdrang die Gegend; sie sah gen
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Himmel und auf mich, ich sah ihr Auge tränenvoll, sie legte ihre Hand auf die
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meinige und sagte: "Klopstock!"—Ich erinnerte mich sogleich der herrlichen Ode,
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die ihr in Gedanken lag, und versank in dem Strome von Empfindungen, den sie
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in dieser Losung über mich ausgoss. Ich ertrug's nicht, neigte mich auf ihre
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Hand und küsste sie unter den wonnevollsten Tränen. Und sah nach ihrem Auge
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wieder—Edler! Hättest du deine Vergötterung in diesem Blicke gesehen, und möcht' ich nun
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deinen so oft entweihten Namen nie wieder nennen hören!
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673
Am 19. Junius
674
 
675
Wo ich neulich mit meiner Erzählung geblieben bin, weiss ich nicht mehr; das
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weiss ich, dass es zwei Uhr des Nachts war, als ich zu Bette kam, und dass, wenn
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ich dir hätte vorschwatzen können, statt zu schreiben, ich dich vielleicht bis
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an den Morgen aufgehalten hätte.
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Was auf unserer Hereinfahrt vom Balle geschehen ist, habe ich noch nicht
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erzählt, habe auch heute keinen Tag dazu.
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Es war der herrlichste Sonnenaufgang. Der tröpfelnde Wald und das erfrischte
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Feld umher! Unsere Gesellschafterinnen nickten ein. Sie fragte mich, ob ich
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nicht auch von der Partie sein wollte; ihretwegen sollt' ich unbekümmert
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sein.—"So lange ich diese Augen offen sehe", sagte ich und sah sie fest an,"so lange
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hat's keine Gefahr".—Und wir haben beide ausgehalten bis an ihr Tor, da ihr die
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Magd leise aufmachte und auf ihr Fragen versicherte, dass Vater und Kleine wohl
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seien und alle noch schliefen. Da verliess ich sie mit der Bitte, sie selbigen
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Tags noch sehen zu dürfen; sie gestand mir's zu, und ich bin gekommen—und seit
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der Zeit können Sonne, Mond und Sterne geruhig ihre Wirtschaft treiben, ich
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weiss weder dass Tag noch dass Nacht ist, und die ganze Welt verliert sich um mich
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her.
694
 
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Am 21. Junius
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Ich lebe so glückliche Tage, wie sie Gott seinen Heiligen ausspart; und mit
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mir mag werden was will, so darf ich nicht sagen, dass ich die Freuden, die
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reinsten Freuden des Lebens nicht genossen habe.—du kennst mein Wahlheim; dort bin
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ich völlig etabliert, von da habe ich nur eine halbe Stunde zu Lotten, dort
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fühl' ich mich selbst und alles Glück, das dem Menschen gegeben ist.
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Hätt' ich gedacht, als ich mir Wahlheim zum Zwecke meiner Spaziergänge wählte,
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dass es so nahe am Himmel läge! Wie oft habe ich das Jagdhaus, das nun alle
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meine Wünsche einschliesst, auf meinen weiten Wanderungen, bald vom Berge, bald
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von der Ebne über den Fluss gesehn!
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Lieber Wilhelm, ich habe allerlei nachgedacht, über die Begier im Menschen, sich
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auszubreiten, neue Entdeckungen zu machen, herumzuschweifen; und dann wieder über den
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inneren Trieb, sich der Einschränkung willig zu ergeben, in dem Gleise der
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Gewohnheit so hinzufahren und sich weder um Rechts noch um Links zu bekümmern.
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Es ist wunderbar: wie ich hierher kam und vom Hügel in das schöne Tal
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schaute, wie es mich rings umher anzog.—dort das Wäldchen!—ach könntest du dich in
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seine Schatten mischen!—dort die Spitze des Berges!—ach könntest du von da die
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weite Gegend überschauen!—die in einander geketteten Hügel und vertraulichen
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Täler!—o könnte ich mich in ihnen verlieren!—ich eilte hin, und kehrte zurück, und
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hatte nicht gefunden, was ich hoffte. O es ist mit der Ferne wie mit der
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Zukunft! Ein grosses dämmerndes Ganze ruht vor unserer Seele, unsere Empfindung
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verschwimmt darin wie unser Auge, und wir sehnen uns, ach! Unser ganzes Wesen
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hinzugeben, uns mit aller Wonne eines einzigen, grossen, herrlichen Gefühls ausfüllen
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zu lassen.—und ach! Wenn wir hinzueilen, wenn das Dort nun Hier wird, ist
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alles vor wie nach, und wir stehen in unserer Armut, in unserer
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Eingeschränktheit, und unsere Seele lechzt nach entschlüpftem Labsale.
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So sehnt sich der unruhigste Vagabund zuletzt wieder nach seinem
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Vaterlande und findet in seiner Hütte, an der Brust seiner Gattin, in
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dem Kreise seiner Kinder, in den Geschäften zu ihrer Erhaltung die
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Wonne, die er in der weiten Welt vergebens suchte.
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Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim und
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dort im Wirtsgarten mir meine Zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie
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abfädne und dazwischen in meinem Homer lese; wenn ich in der kleinen Küche mir
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einen Topf wähle, mir Butter aussteche, Schoten ans Feuer stelle, zudecke und
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mich dazusetze, sie manchmal umzuschütteln: da fühl' ich so lebhaft, wie die
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übermütigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten.
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Es ist nichts, das mich so mit einer stillen, wahren Empfindung ausfüllte als
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die Züge patriarchalischen Lebens, die ich, Gott sei Dank, ohne Affektation in
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meine Lebensart verweben kann.
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Wie wohl ist mir's, dass mein Herz die simple, harmlose Wonne des Menschen
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fühlen kann, der ein Krauthaupt auf seinen Tisch bringt, das er selbst gezogen,
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und nun nicht den Kohl allein, sondern all die guten Tage, den schönen Morgen,
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da er ihn pflanzte, die lieblichen Abende, da er ihn begoss, und da er an dem
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fortschreitenden Wachstum seine Freude hatte, alle in einem Augenblicke wieder mitgeniesst.
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Am 29. Junius
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Vorgestern kam der Medikus hier aus der Stadt hinaus zum Amtmann und fand mich auf
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der Erde unter Lottens Kindern, wie einige auf mir herumkrabbelten, andere
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mich neckten, und wie ich sie kitzelte und ein grosses Geschrei mit ihnen
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erregte. Der Doktor, der eine sehr dogmatische Drahtpuppe ist, unterm Reden seine
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Manschetten in Falten legt und einen Kräusel ohne Ende herauszupft, fand dieses unter
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der Würde eines gescheiten Menschen; das merkte ich an seiner Nase. Ich liess
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mich aber in nichts stören, liess ihn sehr vernünftige Sachen abhandeln und
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baute den Kindern ihre Kartenhäuser wieder, die sie zerschlagen hatten. Auch
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ging er darauf in der Stadt herum und beklagte, des Amtmanns Kinder wären so
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schon ungezogen genug, der Werther verderbe sie nun völlig.
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Ja, lieber Wilhelm, meinem Herzen sind die Kinder am nächsten auf der Erde.
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Wenn ich ihnen zusehe und in dem kleinen Dinge die Keime aller Tugenden, aller
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Kräfte sehe, die sie einmal so nötig brauchen werden; wenn ich in dem Eigensinne
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künftige Standhaftigkeit und Festigkeit des Charakters, in dem Mutwillen guten
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Humor und Leichtigkeit, über die Gefahren der Welt hinzuschlüpfen, erblicke,
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alles so unverdorben, so ganz!—immer, immer wiederhole ich dann die goldenen
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Worte des Lehrers der Menschen:"wenn ihr nicht werdet wie eines von diesen!" und
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nun, mein Bester, sie, die unseresgleichen sind, die wir als unsere Muster
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ansehen sollten, behandeln wir als Untertanen. Sie sollen keinen Willen
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haben!—haben wir denn keinen? Und wo liegt das Vorrecht?—weil wir älter sind und
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gescheiter!—guter Gott von deinem Himmel, alte Kinder siehst du und junge Kinder, und nichts
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weiter; und an welchen du mehr Freude hast, das hat dein Sohn schon lange
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verkündigt. Aber sie glauben an ihn und hören ihn nicht—das ist auch was Altes!—und
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bilden ihre Kinder nach sich und—Adieu, Wilhelm! Ich mag darüber nicht weiter
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radotieren.
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Am 1. Julius
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Was Lotte einem Kranken sein muss, fühl' ich an meinem eigenen Herzen, das
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übler dran ist als manches, das auf dem Siechbette verschmachtet. Sie wird
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einige Tage in der Stadt bei einer rechtschaffnen Frau zubringen, die sich nach
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der Aussage der Ärzte ihrem Ende naht und in diesen letzten Augenblicken
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Lotten um sich haben will. Ich war vorige Woche mit ihr, den Pfarrer von St. zu
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besuchen; ein Örtchen, das eine Stunde seitwärts im Gebirge liegt. Wir kamen gegen
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vier dahin. Lotte hatte ihre zweite Schwester mitgenommen. Als wir in den mit
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zwei hohen Nussbäumen überschatteten Pfarrhof traten, sass der gute alte Mann auf
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einer Bank vor der Haustür, und da er Lotten sah, ward er wie neu belebt, vergass
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seinen Knotenstock und wagte sich auf, ihr entgegen. Sie lief hin zu ihm, nötigte
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ihn sich niederzulassen, indem sie sich zu ihm setzte, brachte viele Grüsse von
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ihrem Vater, herzte seinen garstigen, schmutzigen jüngsten Buben, das Quakelchen
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seines Alters. Du hättest sie sehen sollen, wie sie den Alten beschäftigte, wie
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sie ihre Stimme erhob, um seinen halb tauben Ohren vernehmlich zu werden, wie
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sie ihm von jungen, robusten Leuten erzählte, die unvermutet gestorben wären,
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von der Vortrefflichkeit des Karlsbades, und wie sie seinen Entschluss lobte,
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künftigen Sommer hinzugehen, wie sie fand, dass er viel besser aussähe, viel munterer
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sei als das letztemal, da sie ihn gesehn.—ich hatte indes der Frau Pfarrerin
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meine Höflichkeiten gemacht. Der Alte wurde ganz munter, und da ich nicht umhin
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konnte, die schönen Nussbäume zu loben, die uns so lieblich beschatteten, fing er
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an, uns, wiewohl mit einiger Beschwerlichkeit, die Geschichte davon zu
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geben.—"den alten", sagte er,"wissen wir nicht, wer den gepflanzt hat; einige sagen
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dieser, andere jener Pfarrer. Der jüngere aber dort hinten ist so alt als meine
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Frau, im Oktober funfzig Jahr. Ihr Vater pflanzte ihn des Morgens, als sie gegen
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Abend geboren wurde. Er war mein Vorfahr im Amt, und wie lieb ihm der Baum war,
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ist nicht zu sagen; mir ist er's gewiss nicht weniger. Meine Frau sass darunter
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auf einem Balken und strickte, da ich vor siebenundzwanzig Jahren als ein
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armer Student zum erstenmale hier in den Hof kam".—Lotte fragte nach seiner
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Tochter; es hiess, sie sei mit Herrn Schmidt auf die Wiese hinaus zu den Arbeitern,
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und der Alte fuhr in seiner Erzählung fort: wie sein Vorfahr ihn liebgewonnen
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und die Tochter dazu, und wie er erst sein Vikar und dann sein Nachfolger
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geworden. Die Geschichte war nicht lange zu Ende, als die Jungfer Pfarrerin mit dem
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sogenannten Herrn Schmidt durch den Garten herkam: sie bewillkommte Lotten mit
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herzlicher Wärme, und ich muss sagen, sie gefiel mir nicht übel; eine rasche,
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wohlgewachsene Brünette, die einen die kurze Zeit über auf dem Lande wohl unterhalten
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hätte. Ihr Liebhaber (denn als solchen stellte sich Herr Schmidt gleich dar), ein
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feiner, doch stiller Mensch, der sich nicht in unsere Gespräche mischen wollte, ob
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ihn gleich Lotte immer hereinzog. Was mich am meisten betrübte, war, dass ich
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an seinen Gesichtszügen zu bemerken schien, es sei mehr Eigensinn und übler
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Humor als Eingeschränktheit des Verstandes, der ihn sich mitzuteilen hinderte.
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In der Folge ward dies leider nur zu deutlich; denn als Friederike beim
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Spazierengehen mit Lotten und gelegentlich auch mit mir ging, wurde des Herrn Angesicht,
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das ohnedies einer bräunlichen Farbe war, so sichtlich verdunkelt, dass es Zeit
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war, dass Lotte mich beim Ärmel zupfte und mir zu verstehn gab, dass ich mit
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Friederiken zu artig getan. Nun verdriesst mich nichts mehr, als wenn die Menschen
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einander plagen, am meisten, wenn junge Leute in der Blüte des Lebens, da sie am
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offensten für alle Freuden sein könnten, einander die paar guten Tage mit Fratzen
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verderben und nur erst zu spät das Unersetzliche ihrer Verschwendung einsehen. Mich
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wurmte das, und ich konnte nicht umhin, da wir gegen Abend in den Pfarrhof
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zurückkehrten und an einem Tische Milch assen und das Gespräch auf Freude und Leid der
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Welt sich wendete, den Faden zu ergreifen und recht herzlich gegen die üble
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Laune zu reden.—"wir Menschen beklagen uns oft", fing ich an, "dass der guten
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Tage so wenig sind und der schlimmen so viel, und, wie mich dünkt, meist mit
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Unrecht. Wenn wir immer ein offenes Herz hätten, das Gute zu geniessen, das uns Gott
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für jeden Tag bereitet, wir würden alsdann auch Kraft genug haben, das Übel zu
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tragen, wenn es kommt". —"Wir haben aber unser Gemüt nicht in unserer Gewalt",
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versetzte die Pfarrerin, "wie viel hängt vom Körper ab! Wenn einem nicht wohl ist,
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ist's einem überall nicht recht".—Ich gestand ihr das ein.—"Wir wollen es also",
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fuhr ich fort,"als eine Krankheit ansehen und fragen, ob dafür kein Mittel
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ist?"—"Das lässt sich hören", sagte Lotte, "ich glaube wenigstens, dass viel von uns
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abhängt. Ich weiss es an mir. Wenn mich etwas neckt und mich verdriesslich machen
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will, spring' ich auf und sing' ein paar Contretänze den Garten auf und ab,
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gleich ist's weg".—"das war's, was ich sagen wollte,"versetzte ich,"es ist mit
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der üblen Laune völlig wie mit der Trägheit, denn es ist eine Art von
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Trägheit. Unsere Natur hängt sehr dahin, und doch, wenn wir nur einmal die Kraft
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haben, uns zu ermannen, geht uns die Arbeit frisch von der Hand, und wir finden
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in der Tätigkeit ein wahres Vergnügen". —Friederike war sehr aufmerksam, und
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der junge Mensch wandte mir ein, dass man nicht Herr über sich selbst sei und
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am wenigsten über seine Empfindungen gebieten könne.—"es ist hier die Frage
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von einer unangenehmen Empfindung", versetzte ich, "die doch jedermann gerne
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los ist; und niemand weiss, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht
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hat. Gewiss, wer krank ist, wird bei allen Ärzten herumfragen, und die grössten
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Resignationen, die bittersten Arzeneien wird er nicht abweisen, um seine gewünschte
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Gesundheit zu erhalten".—ich bemerkte, dass der ehrliche Alte sein Gehör anstrengte,
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um an unserm Diskurse teilzunehmen, ich erhob die Stimme, indem ich die Rede
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gegen ihn wandte". Man predigt gegen so viele Laster", sagte ich, "ich habe noch
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nie gehört, dass man gegen die üble Laune vom Predigtstuhle gearbeitet
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hätte.—"Das müssten die Stadtpfarrer tun", sagte er, "die Bauern haben keinen bösen
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Humor; doch könnte es auch zuweilen nicht schaden, es wäre eine Lektion für seine
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Frau wenigstens und für den Herrn Amtmann".—Die Gesellschaft lachte, und er
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herzlich mit, bis er in einen Husten verfiel, der unsern Diskurs eine Zeitlang
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unterbrach; darauf denn der junge Mensch wieder das Wort nahm: "Sie nannten den bösen
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Humor ein Laster; mich deucht, das ist übertrieben".—"Mit nichten", gab ich zur
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Antwort, "wenn das, womit man sich selbst und seinem Nächsten schadet, diesen Namen
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verdient. Ist es nicht genug, dass wir einander nicht glücklich machen können, müssen
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wir auch noch einander das Vergnügen rauben, das jedes Herz sich noch manchmal
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selbst gewähren kann? Und nennen Sie mir den Menschen, der übler Laune ist und so
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brav dabei, sie zu verbergen, sie allein zu tragen, ohne die Freude um sich her
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zu zerstören! Oder ist sie nicht vielmehr ein innerer Unmut über unsere
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eigene Unwürdigkeit, ein Missfallen an uns selbst, das immer mit einem Neide
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verknüpft ist, der durch eine törichte Eitelkeit aufgehetzt wird? Wir sehen
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glückliche Menschen, die wir nicht glücklich machen, und das ist unerträglich".—Lotte
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lächelte mich an, da sie die Bewegung sah, mit der ich redete, und eine Träne in
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Friederikens Auge spornte mich fortzufahren.—"Wehe denen", sagte ich, "die sich der
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Gewalt bedienen, die sie über ein Herz haben, um ihm die einfachen Freuden zu
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rauben, die aus ihm selbst hervorkeimen. Alle Geschenke, alle Gefälligkeiten der
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Welt ersetzen nicht einen Augenblick Vergnügen an sich selbst, den uns eine
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neidische Unbehaglichkeit unsers Tyrannen vergällt hat".
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Mein ganzes Herz war voll in diesem Augenblicke; die Erinnerung so manches
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Vergangenen drängte sich an meine Seele, und die Tränen kamen mir in die Augen.
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"Wer sich das nur täglich sagte",rief ich aus,"du vermagst nichts auf deine
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Freunde, als ihnen ihre Freuden zu lassen und ihr Glück zu vermehren, indem du es
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mit ihnen geniessest. Vermagst du, wenn ihre innere Seele von einer
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ängstigenden Leidenschaft gequält, vom Kummer zerrüttet ist, ihnen einen Tropfen
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Linderung zu geben?
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Und wenn die letzte, bangste Krankheit dann über das Geschöpf herfällt, das du
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in blühenden Tagen untergraben hast, und sie nun daliegt in dem
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erbärmlichsten Ermatten, das Auge gefühllos gen Himmel sieht, der Todesschweiss auf der
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blassen Stirne abwechselt, und du vor dem Bette stehst wie ein Verdammter, in dem
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innigsten Gefühl, dass du nichts vermagst mit deinem ganzen Vermögen, und die Angst
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dich inwendig krampft, dass du alles hingeben möchtest, dem untergehenden
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Geschöpfe einen Tropfen Stärkung, einen Funken Mut einflössen zu können".
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Die Erinnerung einer solchen Szene, wobei ich gegenwärtig war, fiel mit ganzer
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Gewalt bei diesen Worten über mich. Ich nahm das Schnupftuch vor die Augen und
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verliess die Gesellschaft, und nur Lottens Stimme, die mir rief, wir wollten fort,
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brachte mich zu mir selbst. Und wie sie mich auf dem Wege schalt über den zu
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warmen Anteil an allem, und dass ich drüber zugrunde gehen würde! Dass ich mich
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schonen sollte!—O der Engel! Um deinetwillen muss ich leben!
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Am 6. Julius
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Sie ist immer um ihre sterbende Freundin, und ist immer dieselbe, immer das
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gegenwärtige, holde Geschöpf, das, wo sie hinsieht, Schmerzen lindert und Glückliche
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macht. Sie ging gestern abend mit Marianen und dem kleinen Malchen spazieren, ich
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wusste es und traf sie an, und wir gingen zusammen. Nach einem Wege von
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anderthalb Stunden kamen wir gegen die Stadt zurück, an den Brunnen, der mir so wert
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und nun tausendmal werter ist. Lotte setzte sich aufs Mäuerchen, wir standen
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vor ihr. Ich sah umher, ach, und die Zeit, da mein Herz so allein war, lebte
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wieder vor mir auf.—"Lieber Brunnen", sagte ich, "seither hab' ich nicht mehr an
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deiner Kühle geruht, hab' in eilendem Vorübergehn dich manchmal nicht
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angesehn".—Ich blickte hinab und sah, dass Malchen mit einem Glase Wasser sehr beschäftigt
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heraufstieg.—Ich sah Lotten an und fühlte alles, was ich an ihr habe. Indem kommt Malchen
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mit einem Glase. Mariane wollt' es ihr abnehmen: "nein!" rief das Kind mit dem
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süssesten Ausdrucke,"nein, Lottchen, du sollst zuerst trinken!"—ich ward über die
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Wahrheit, über die Güte, womit sie das ausrief, so entzückt, dass ich meine
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Empfindung mit nichts ausdrücken konnte, als ich nahm das Kind von der Erde und küsste
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es lebhaft, das sogleich zu schreien und zu weinen anfing.—"Sie haben übel
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getan", sagte Lotte.—Ich war betroffen.—"komm, Malchen, "fuhr sie fort, indem sie
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es bei der Hand nahm und die Stufen hinabführte, "da wasche dich aus der
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frischen Quelle geschwind, geschwind, da tut's nichts".—Wie ich so dastand und
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zusah, mit welcher Emsigkeit das Kleine seinen nassen Händchen die Backen rieb,
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mit welchem Glauben, dass durch die Wunderquelle alle Verunreinigung abgespült
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und die Schmach abgetan würde, einen hässlichen Bart zu kriegen; wie Lotte
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sagte: "es ist genug!" und das Kind doch immer eifrig fortwusch, als wenn Viel
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mehr täte als Wenig—ich sage dir, Wilhelm, ich habe mit mehr Respekt nie einer
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Taufhandlung beigewohnt; und als Lotte heraufkam, hätte ich mich gern vor ihr
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niedergeworfen wie vor einem Propheten, der die Schulden einer Nation weggeweiht hat.
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Des Abends konnte ich nicht umhin, in der Freude meines Herzens den Vorfall
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einem Manne zu erzählen, dem ich Menschensinn zutraute, weil er Verstand hat;
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aber wie kam ich an! Er sagte, das sei sehr übel von Lotten gewesen; man solle
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den Kindern nichts weis machen; dergleichen gebe zu unzähligen Irrtümern und
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Aberglauben Anlass, wovor man die Kinder frühzeitig bewahren müsse.—nun fiel mir ein,
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dass der Mann vor acht Tagen hatte taufen lassen, drum liess ich's vorbeigehen
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und blieb in meinem Herzen der Wahrheit getreu: wir sollen es mit den Kindern
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machen wie Gott mit uns, der uns am glücklichsten macht, wenn er uns in
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freundlichem Wahne so hintaumeln lässt.
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Am 8. Julius
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Was man ein Kind ist! Was man nach so einem Blicke geizt! Was man ein Kind
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ist!—Wir waren nach Wahlheim gegangen. Die Frauenzimmer fuhren hinaus, und während
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unserer Spaziergänge glaubte ich in Lottens schwarzen Augen—ich bin ein Tor,
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verzeih mir's! Du solltest sie sehen, diese Augen.—Dass ich kurz bin (denn die
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Augen fallen mir zu vor Schlaf): siehe, die Frauenzimmer stiegen ein, da standen
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um die Kutsche der junge W., Selstadt und Audran und ich. Da ward aus dem
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Schlage geplaudert mit den Kerlchen, die freilich leicht und lüftig genug
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waren.—ich suchte Lottens Augen: ach, sie gingen von einem zum andern! Aber auf mich!
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Mich! Mich! Der ganz allein auf sie resigniert dastand, fielen sie nicht!—Mein
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Herz sagte ihr tausend Adieu! Und sie sah mich nicht! Die Kutsche fuhr vorbei,
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und eine Träne stand mir im Auge. Ich sah ihr nach und sah Lottens Kopfputz
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sich zum Schlage herauslehnen, und sie wandte sich um zu sehen, ach! Nach
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mir?—Lieber! In dieser Ungewissheit schwebe ich; das ist mein Trost: vielleicht hat sie
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sich nach mir umgesehen! Vielleicht!—Gute Nacht! O, was ich ein Kind bin!
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Am 10. Julius
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Die alberne Figur, die ich mache, wenn in Gesellschaft von ihr gesprochen
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wird, solltest du sehen! Wenn man mich nun gar fragt, wie sie mir
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gefällt?—gefällt! Das Wort hasse ich auf den Tod. Was muss das für ein Mensch sein, dem Lotte
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gefällt, dem sie nicht alle Sinne, alle Empfindungen ausfüllt! Gefällt! Gefällt!
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Neulich fragte mich einer, wie mir Ossian gefiele!
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Am 11. Julius
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Frau M. ist sehr schlecht; ich bete für ihr Leben, weil ich mit Lotten dulde.
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Ich sehe sie selten bei einer Freundin, und heute hat sie mir einen
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wunderbaren Vorfall erzählt.—der alte M. ist ein geiziger, rangiger Filz, der seine
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Frau im Leben was Rechts geplagt und eingeschränkt hat; doch hat sich die Frau
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immer durchzuhelfen gewusst. Vor wenigen Tagen, als der Arzt ihr das Leben
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abgesprochen hatte, liess sie ihren Mann kommen (Lotte war im Zimmer) und redete ihn
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also an: "ich muss dir eine Sache gestehen, die nach meinem Tode Verwirrung und
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Verdruss machen könnte. Ich habe bisher die Haushaltung geführt, so ordentlich und
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sparsam als möglich; allein du wirst mir verzeihen, dass ich dich diese dreissig
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Jahre her hintergangen habe. Du bestimmtest im Anfange unserer Heirat ein
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Geringes für die Bestreitung der Küche und anderer häuslichen Ausgaben. Als unsere
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Haushaltung stärker wurde, unser Gewerbe grösser, warst du nicht zu bewegen, mein
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Wochengeld nach dem Verhältnisse zu vermehren; kurz, du weisst, dass du in den Zeiten,
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da sie am grössten war, verlangtest, ich solle mit sieben Gulden die Woche
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auskommen.
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Die habe ich denn ohne Widerrede genommen und mir den Überschuss wöchentlich
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aus der Losung geholt, da niemand vermutete, dass die Frau die Kasse bestehlen
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würde. Ich habe nichts verschwendet und wäre auch, ohne es zu bekennen, getrost
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der Ewigkeit entgegengegangen, wenn nicht diejenige, die nach mir das
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Hauswesen zu führen hat, sich nicht zu helfen wissen würde, und du doch immer darauf
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bestehen könntest, deine erste Frau sei damit ausgekommen".
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Ich redete mit Lotten über die unglaubliche Verblendung des Menschensinns, dass
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einer nicht argwohnen soll, dahinter müsse was anders stecken, wenn eins mit
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sieben Gulden hinreicht, wo man den Aufwand vielleicht um zweimal so viel sieht.
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Aber ich habe selbst Leute gekannt, die des Propheten ewiges Ölkrüglein ohne
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Verwunderung in ihrem Hause angenommen hätten.
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Am 13. Julius
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Nein, ich betrüge mich nicht! Ich lese in ihren schwarzen Augen wahre
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Teilnehmung an mir und meinem Schicksal. Ja ich fühle, und darin darf ich meinem
1000
Herzen trauen, dass sie—o darf ich, kann ich den Himmel in diesen Worten
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aussprechen?—dass sie mich liebt!
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Mich liebt!—und wie wert ich mir selbst werde, wie ich—dir darf ich's wohl
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sagen, du hast Sinn für so etwas—wie ich mich selbst anbete, seitdem sie mich
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liebt!
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Ob das Vermessenheit ist oder Gefühl des wahren Verhältnisses?—ich kenne den
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Menschen nicht, von dem ich etwas in Lottens Herzen fürchtete. Und doch—wenn sie
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von ihrem Bräutigam spricht, mit solcher Wärme, solcher Liebe von ihm
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spricht—da ist mir's wie einem, der aller seiner Ehren und Würden entsetzt und dem
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der Degen genommen wird.
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Am 16. Julius
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Ach wie mir das durch alle Adern läuft, wenn mein Finger unversehens den
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ihrigen berührt, wenn unsere Füsse sich unter dem Tische begegnen! Ich ziehe zurück
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wie vom Feuer, und eine geheime Kraft zieht mich wieder vorwärts—mir wird's so
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schwindelig vor allen Sinnen.—O! Und ihre Unschuld, ihre unbefangene Seele fühlt
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nicht, wie sehr mich die kleinen Vertraulichkeiten peinigen. Wenn sie gar im
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Gespräch ihre Hand auf die meinige legt und im Interesse der Unterredung näher zu
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mir rückt, dass der himmlische Atem ihres Mundes meine Lippen erreichen
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kann:—ich glaube zu versinken, wie vom Wetter gerührt.—und, Wilhelm! Wenn ich mich
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jemals unterstehe, diesen Himmel, dieses Vertrauen—! Du verstehst mich. Nein,
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mein Herz ist so verderbt nicht! Schwach! Schwach genug!—und ist das nicht
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Verderben?—sie ist mir heilig. Alle Begier schweigt in ihrer Gegenwart. Ich weiss nie, wie
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mir ist, wenn ich bei ihr bin; es ist, als wenn die Seele sich mir in allen
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Nerven umkehrte.—sie hat eine Melodie, die sie auf dem Klaviere spielet mit der
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Kraft eines Engels, so simpel und so geistvoll! Es ist ihr Leiblied, und mich
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stellt es von aller Pein, Verwirrung und Grillen her, wenn sie nur die erste Note
1030
davon greift.
1031
 
1032
Kein Wort von der Zauberkraft der alten Musik ist mir unwahrscheinlich. Wie
1033
mich der einfache Gesang angreift! Und wie sie ihn anzubringen weiss, oft zur
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Zeit, wo ich mir eine Kugel vor den Kopf schiessen möchte! Die Irrung und
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Finsternis meiner Seele zerstreut sich, und ich atme wieder freier.
1036
 
1037
Am 18. Julius
1038
 
1039
Wilhelm, was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe! Was eine Zauberlaterne ist
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ohne Licht! Kaum bringst du das Lämpchen hinein, so scheinen dir die buntesten
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Bilder an deine weisse Wand! Und wenn's nichts wäre als das, als vorübergehende
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Phantome, so macht's doch immer unser Glück, wenn wir wie frische Jungen davor
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stehen und uns über die Wundererscheinungen entzücken. Heute konnte ich nicht zu
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Lotten, eine unvermeidliche Gesellschaft hielt mich ab. Was war zu tun? Ich
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schickte meinen Diener hinaus, nur um einen Menschen um mich zu haben, der ihr
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heute nahe gekommen wäre. Mit welcher Ungeduld ich ihn erwartete, mit welcher
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Freude ich ihn wiedersah! Ich hätte ihn gern beim Kopfe genommen und geküsst, wenn
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ich mich nicht geschämt hätte.
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1050
Man erzählt von dem Bononischen Steine, dass er, wenn man ihn in die Sonne
1051
legt, ihre Strahlen anzieht und eine Weile bei Nacht leuchtet. So war mir's mit
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dem Burschen. Das Gefühl, dass ihre Augen auf seinem Gesichte, seinen Backen,
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seinen Rockknöpfen und dem Kragen am Surtout geruht hatten, machte mir das alles
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so heilig, so wert! Ich hätte in dem Augenblick den Jungen nicht um tausend
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Taler gegeben. Es war mir so wohl in seiner Gegenwart.—bewahre dich Gott, dass du
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darüber lachest. Wilhelm, sind das Phantome, wenn es uns wohl ist?
1057
 
1058
Den 19. Julius
1059
 
1060
"Ich werde sie sehen!" ruf' ich morgens aus, wenn ich mich ermuntere und mit
1061
aller Heiterkeit der schönen Sonne entgegenblicke; "ich werde sie sehen!" und da
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habe ich für den ganzen Tag keinen Wunsch weiter. Alles, alles verschlingt sich
1063
in dieser Aussicht.
1064
 
1065
Eure Idee will noch nicht die meinige werden, dass ich mit dem Gesandten nach
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*** gehen soll. Ich liebe die Subordination nicht sehr, und wir wissen alle,
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dass der Mann noch dazu ein widriger Mensch ist. Meine Mutter möchte mich gern
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in Aktivität haben, sagst du, das hat mich zu lachen gemacht. Bin ich jetzt
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nicht auch aktiv, und ist's im Grunde nicht einerlei, ob ich Erbsen zähle oder
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Linsen? Alles in der Welt läuft doch auf eine Lumperei hinaus, und ein Mensch, der
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um anderer willen, ohne dass es seine eigene Leidenschaft, sein eigenes
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Bedürfnis ist, sich um Geld oder Ehre oder sonst was abarbeitet, ist immer ein Tor.
1073
 
1074
Am 24. Julius
1075
 
1076
Da dir so sehr daran gelegen ist, dass ich mein Zeichnen nicht vernachlässige,
1077
möchte ich lieber die ganze Sache übergehen als dir sagen, dass zeither wenig
1078
getan wird.
1079
 
1080
Noch nie war ich glücklicher, noch nie war meine Empfindung an der Natur, bis
1081
aufs Steinchen, aufs Gräschen herunter, voller und inniger, und doch—ich weiss
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nicht, wie ich mich ausdrücken soll, meine vorstellende Kraft ist so schwach,
1083
alles schwimmt und schwankt so vor meiner Seele, dass ich keinen Umriss packen
1084
kann; aber ich bilde mir ein, wenn ich Ton hätte oder Wachs, so wollte ich's
1085
wohl herausbilden. Ich werde auch Ton nehmen, wenn's länger währt, und kneten,
1086
uns sollten's Kuchen werden!
1087
 
1088
Lottens Porträt habe ich dreimal angefangen, und habe mich dreimal prostituiert;
1089
das mich um so mehr verdriesst, weil ich vor einiger Zeit sehr glücklich im
1090
Treffen war. Darauf habe ich denn ihren Schattenriss gemacht, und damit soll mir
1091
g'nügen.
1092
 
1093
Ja, liebe Lotte, ich will alles besorgen und bestellen; geben Sie mir nur mehr
1094
Aufträge, nur recht oft. Um eins bitte ich Sie: keinen Sand mehr auf die Zettelchen,
1095
die Sie mir schreiben. Heute führte ich es schnell nach der Lippe, und die
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Zähne knisterten mir.
1097
 
1098
Am 26. Julius
1099
 
1100
Ich habe mir schon manchmal vorgenommen, sie nicht so oft zu sehn. Ja wer das
1101
halten könnte! Alle Tage unterlieg' ich der Versuchung und verspreche mir heilig:
1102
morgen willst du einmal wegbleiben. Und wenn der Morgen kommt, finde ich doch
1103
wieder eine unwiderstehliche Ursache, und ehe ich mich's versehe, bin ich bei
1104
ihr. Entweder sie hat des Abends gesagt: "Sie kommen doch morgen?"—wer könnte
1105
da wegbleiben? Oder sie gibt mir einen Auftrag, und ich finde schicklich, ihr
1106
selbst die Antwort zu bringen; oder der Tag ist gar zu schön, ich gehe nach
1107
Wahlheim, und wenn ich nun da bin, ist's nur noch eine halbe Stunde zu ihr!—ich bin
1108
zu nah in der Atmosphäre—zuck! So bin ich dort. Meine Grossmutter hatte ein
1109
Märchen vom Magnetenberg: die Schiffe, die zu nahe kamen, wurden auf einmal alles
1110
Eisenwerks beraubt, die Nägel flogen dem Berge zu, und die armen Elenden scheiterten
1111
zwischen den übereinander stürzenden Brettern.
1112
 
1113
Am 30. Julius
1114
 
1115
Albert ist angekommen, und ich werde gehen; und wenn er der beste, der edelste
1116
Mensch wäre, unter den ich mich in jeder Betrachtung zu stellen bereit wäre, so
1117
wär's unerträglich, ihn vor meinem Angesicht im Besitz so vieler Vollkommenheit
1118
zu sehen.—Besitz!—genug, Wilhelm, der Bräutigam ist da! Ein braver, lieber
1119
Mann, dem man gut sein muss. Glücklicherweise war ich nicht beim Empfange! Das
1120
hätte mir das Herz zerrissen. Auch ist er so ehrlich und hat Lotten in meiner
1121
Gegenwart noch nicht ein einzigmal geküsst. Das lohn' ihm Gott! Um des Respekts
1122
willen, den er vor dem Mädchen hat, muss ich ihn lieben. Er will mir wohl, und ich
1123
vermute, das ist Lottens Werk mehr als seiner eigenen Empfindung; denn darin sind
1124
die Weiber fein und haben recht; wenn sie zwei Verehrer in gutem Vernehmen mit
1125
einander erhalten können, ist der Vorteil immer ihr, so selten es auch angeht.
1126
 
1127
Indes kann ich Alberten meine Achtung nicht versagen. Seine gelassene Aussenseite
1128
sticht gegen die Unruhe meines Charakters sehr lebhaft ab, die sich nicht
1129
verbergen lässt. Er hat viel Gefühl und weiss, was er an Lotten hat. Erscheint wenig
1130
üble Laune zu haben, und du weisst, das ist die Sünde, die ich ärger hasse am
1131
Menschen als alle andre.
1132
 
1133
Er hält mich für einen Menschen von Sinn; und meine Anhänglichkeit zu Lotten,
1134
meine warme Freude, die ich an allen ihren Handlungen habe, vermehrt seinen
1135
Triumph, und er liebt sie nur desto mehr. Ob er sie nicht einmal mit keiner
1136
Eifersüchtelei peinigt, das lasse ich dahingestellt sein, wenigstens würd' ich an seinem
1137
Platz nicht ganz sicher vor diesem Teufel bleiben.
1138
 
1139
Dem sei nun wie ihm wolle, meine Freude, bei Lotten zu sein, ist hin.
1140
Soll ich das Torheit nennen oder Verblendung?—was braucht's Namen!
1141
Erzählt die Sache an sich!—ich wusste alles, was ich jetzt weiss, ehe
1142
Albert kam; ich wusste, dass ich keine Prätension an sie zu machen hatte,
1143
machte auch keine—das heisst, insofern es möglich ist, bei so viel
1144
Liebenswürdigkeit nicht zu begehren—und jetzt macht der Fratze grosse
1145
Augen, da der andere nun wirklich kommt und ihm das Mädchen wegnimmt.
1146
 
1147
Ich beisse die Zähne auf einander und spott über mein Elend, und spottete derer
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doppelt und dreifach, die sagen könnten, ich sollte mich resignieren, und weil es
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nun einmal nicht anders sein könnte. —schafft mir diese Strohmänner vom
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Halse!—ich laufe in den Wäldern herum, und wenn ich zu Lotten komme, und Albert bei
1151
ihr sitzt im Gärtchen unter der Laube, und ich nicht weiter kann, so bin ich
1152
ausgelassen närrisch und fange viel Possen, viel verwirrtes Zeug an. —"um Gottes
1153
willen", sagte mir Lotte heut, "ich bitte Sie, keine Szene wie die von gestern
1154
abend! Sie sind fürchterlich, wenn Sie so lustig sind".—Unter uns, ich passe die
1155
Zeit ab, wenn er zu tun hat; wutsch! Bin ich drauss, und da ist mir's immer
1156
wohl, wenn ich sie allein finde.
1157
 
1158
Am 8. August
1159
 
1160
Ich bitte dich, lieber Wilhelm, es war gewiss nicht auf dich geredet, wenn ich
1161
die Menschen unerträglich schalt, die von uns Ergebung in unvermeidliche
1162
Schicksale fordern. Ich dachte wahrlich nicht daran, dass du von ähnlicher Meinung
1163
sein könntest. Und im Grunde hast du recht. Nur eins, mein Bester! In der Welt
1164
ist es sehr selten mit dem Entweder-Oder getan; die Empfindungen und
1165
Handlungsweisen schattieren sich so mannigfaltig, als Abfälle zwischen einer Habichts—und
1166
Stumpfnase sind.
1167
 
1168
Du wirst mir also nicht übelnehmen, wenn ich dir dein ganzes Argument
1169
einräume und mich doch zwischen dem Entweder-Oder durchzustehlen suche.
1170
 
1171
Entweder, sagst du, hast du Hoffnung auf Lotten, oder du hast keine. Gut, im ersten
1172
Fall suche sie durchzutreiben, suche die Erfüllung deiner Wünsche zu umfassen:
1173
im anderen Fall ermanne dich und suche einer elenden Empfindung los zu
1174
werden, die alle deine Kräfte verzehren muss.—Bester! Das ist wohl gesagt, und—bald
1175
gesagt.
1176
 
1177
Und kannst du von dem Unglücklichen, dessen Leben unter einer schleichenden
1178
Krankheit unaufhaltsam allmählich abstirbt, kannst du von ihm verlangen, er solle
1179
durch einen Dolchstoss der Qual auf einmal ein Ende machen? Und raubt das Übel,
1180
das ihm die Kräfte verzehrt, ihm nicht auch zugleich den Mut, sich davon zu
1181
befreien?
1182
 
1183
Zwar könntest du mir mit einem verwandten Gleichnisse antworten: wer liesse sich
1184
nicht lieber den Arm abnehmen, als dass er durch Zaudern und Zagen sein Leben
1185
aufs Spiel setzte?—Ich weiss nicht!—Und wir wollen uns nicht in Gleichnissen
1186
herumbeissen. Genug—ja, Wilhelm, ich habe manchmal so einen Augenblick aufspringenden,
1187
abschüttelnden Muts, und da—wenn ich nur wüsste wohin, ich ginge wohl.
1188
 
1189
Abends
1190
 
1191
Mein Tagebuch, das ich seit einiger Zeit vernachlässiget, fiel mir heut wieder
1192
in die Hände, und ich bin erstaunt, wie ich so wissentlich in das alles,
1193
Schritt vor Schritt, hineingegangen bin! Wie ich über meinen Zustand immer so klar
1194
gesehen und doch gehandelt habe wie ein Kind, jetzt noch so klar sehe, und es noch
1195
keinen Anschein zur Besserung hat.
1196
 
1197
Am 10. August
1198
 
1199
Ich könnte das beste, glücklichste Leben führen, wenn ich nicht ein Tor wäre.
1200
So schöne Umstände vereinigen sich nicht leicht, eines Menschen Seele zu
1201
ergetzen, als die sind, in denen ich mich jetzt befinde. Ach so gewiss ist's, dass
1202
unser Herz allein sein Glück macht. —ein Glied der liebenswürdigen Familie zu
1203
sein, von dem Alten geliebt zu werden wie ein Sohn, von den Kleinen wie ein
1204
Vater, und von Lotten! —dann der ehrliche Albert, der durch keine launische Unart
1205
mein Glück stört; der mich mit herzlicher Freundschaft umfasst; dem ich nach
1206
Lotten das Liebste auf der Welt bin!—Wilhelm, es ist eine Freude, uns zu hören,
1207
wenn wir spazierengehen und uns einander von Lotten unterhalten: es ist in der
1208
Welt nichts Lächerlichers erfunden worden als dieses Verhältnis, und doch
1209
kommen mir oft darüber die Tränen in die Augen.
1210
 
1211
Wenn er mir von ihrer rechtschaffenen Mutter erzählt: wie sie auf ihrem
1212
Todbette Lotten ihr Haus und ihre Kinder übergeben und ihm Lotten anbefohlen habe,
1213
wie seit der Zeit ein ganz anderer Geist Lotten belebt habe, wie sie, in der
1214
Sorge für ihre Wirtschaft und in dem Ernste, eine wahre Mutter geworden, wie
1215
kein Augenblick ihrer Zeit ohne tätige Liebe, ohne Arbeit verstrichen, und
1216
dennoch ihre Munterkeit, ihr leichter Sinn sie nie dabei verlassen habe.—Ich gehe
1217
so neben ihm hin und pflücke Blumen am Wege, füge sie sehr sorgfältig in
1218
einen Strauss und—werfe sie in den vorüberfliessenden Strom und sehe ihnen nach,
1219
wie sie leise hinunterwallen.—Ich weiss nicht, ob ich dir geschrieben habe, dass
1220
Albert hier bleiben und ein Amt mit einem artigen Auskommen vom Hofe erhalten
1221
wird, wo er sehr beliebt ist. In Ordnung und Emsigkeit in Geschäften habe ich
1222
wenig seinesgleichen gesehen.
1223
 
1224
Am 12. August
1225
 
1226
Gewiss, Albert ist der beste Mensch unter dem Himmel. Ich habe gestern eine
1227
wunderbare Szene mit ihm gehabt. Ich kam zu ihm, um Abschied von ihm zu nehmen; denn
1228
mich wandelte die Lust an, ins Gebirge zu reiten, von woher ich dir auch jetzt
1229
schreibe, und wie ich in der Stube auf und ab gehe, fallen mir seine Pistolen in die
1230
Augen.—"Borge mir die Pistolen", sagte ich, "zu meiner Reise".—"Meinetwegen", sagte er,
1231
"wenn du dir die Mühe nehmen willst, sie zu laden; bei mir hängen sie nur pro
1232
forma".—Ich nahm eine herunter, und er fuhr fort: "seit mir meine Vorsicht einen so
1233
unartigen Streich gespielt hat, mag ich mit dem Zeuge nichts mehr zu tun haben".—Ich
1234
war neugierig, die Geschichte zu wissen.—"Ich hielt mich", erzählte er, "wohl
1235
ein Vierteljahr auf dem Lande bei einem Freunde auf, hatte ein paar Terzerolen
1236
ungeladen und schlief ruhig. Einmal an einem regnichten Nachmittage, da ich müssig
1237
sitze, weiss ich nicht, wie mir einfällt: wir könnten überfallen werden, wir
1238
könnten die Terzerolen nötig haben und könnten—du weisst ja, wie das ist.—ich gab
1239
sie dem Bedienten, sie zu putzen und zu laden; und der dahlt mit den Mädchen,
1240
will sie schrecken, und Gott weiss wie, das Gewehr geht los, da der Ladstock
1241
noch drin steckt, und schiesst den Ladstock einem Mädchen zur Maus herein an der
1242
rechten Hand und zerschlägt ihr den Daumen. Da hatte ich das Lamentieren, und die
1243
Kur zu bezahlen obendrein, und seit der Zeit lass' ich alles Gewehr ungeladen.
1244
Lieber Schatz, was ist Vorsicht? Die Gefahr lässt sich nicht auslernen! Zwar.—Nun
1245
weisst du, dass ich den Menschen sehr lieb habe bis auf seine Zwar; denn versteht
1246
sich's nicht von selbst, dass jeder allgemeine Satz Ausnahmen leidet? Aber so
1247
rechtfertig ist der Mensch! Wenn er glaubt, etwas Übereiltes, Allgemeines, Halbwahres
1248
gesagt zu haben, so hört er dir nicht auf zu limitieren, zu modifizieren und
1249
ab—und zuzutun, bis zuletzt gar nichts mehr an der Sache ist.
1250
 
1251
Und bei diesem Anlass kam er sehr tief in Text: ich hörte endlich gar nicht
1252
weiter auf ihn, verfiel in Grillen, und mit einer auffahrenden Gebärde drückte
1253
ich mir die Mündung der Pistole übers rechte Aug' an die Stirn.—"Pfui!" sagte
1254
Albert, indem er mir die Pistole herabzog, "was soll das?"—"Sie ist nicht
1255
geladen", sagte ich.—"Und auch so, was soll's?" versetzte er ungeduldig. "Ich kann
1256
mir nicht vorstellen, wie ein Mensch so töricht sein kann, sich zu erschiessen;
1257
der blosse Gedanke erregt mir Widerwillen".
1258
 
1259
"Dass ihr Menschen", rief ich aus, "um von einer Sache zu reden, gleich sprechen
1260
müsst: 'das ist töricht, das ist klug, das ist gut, das ist bös!' und was will
1261
das alles heissen? Habt ihr deswegen die innern Verhältnisse einer Handlung
1262
erforscht? Wisst ihr mit Bestimmtheit die Ursachen zu entwickeln, warum sie geschah,
1263
warum sie geschehen musste? Hättet ihr das, ihr würdet nicht so eilfertig mit
1264
euren Urteilen sein". "Du wirst mir zugeben", sagte Albert, "dass gewisse
1265
Handlungen lasterhaft bleiben, sie mögen geschehen, aus welchem Beweggrunde sie
1266
wollen". Ich zuckte die Achseln und gab's ihm zu.—"Doch, mein Lieber", fuhr ich
1267
fort, "finden sich auch hier einige Ausnahmen. Es ist wahr, der Diebstahl ist
1268
ein Laster: aber der Mensch, der, um sich und die Seinigen vom gegenwärtigen
1269
Hungertode zu erretten, auf Raub ausgeht, verdient der Mitleiden oder Strafe? Wer
1270
hebt den ersten Stein auf gegen den Ehemann, der im gerechten Zorne sein
1271
untreues Weib und ihren nichtswürdigen Verführer aufopfert? Gegen das Mädchen, das
1272
in einer wonnevollen Stunde sich in den unaufhaltsamen Freuden der Liebe
1273
verliert? Unsere Gesetze selbst, diese kaltblütigen Pedanten, lassen sich rühren und
1274
halten ihre Strafe zurück".
1275
 
1276
"Das ist ganz was anders", versetzte Albert, "weil ein Mensch, den seine
1277
Leidenschaften hinreissen, alle Besinnungskraft verliert und als ein Trunkener, als ein
1278
Wahnsinniger angesehen wird". "Ach ihr vernünftigen Leute!" rief ich lächelnd aus.
1279
"Leidenschaft! Trunkenheit! Wahnsinn! Ihr steht so gelassen, so ohne Teilnehmung da, ihr
1280
sittlichen Menschen, scheltet den Trinker, verabscheut den Unsinnigen, geht vorbei
1281
wie der Priester und dankt Gott wie der Pharisäer, dass er euch nicht gemacht
1282
hat wie einen von diesen. Ich bin mehr als einmal trunken gewesen, meine
1283
Leidenschaften waren nie weit vom Wahnsinn, und beides reut mich nicht: denn ich habe in
1284
einem Masse begreifen lernen, wie man alle ausserordentlichen Menschen, die etwas
1285
Grosses, etwas Unmöglichscheinendes wirkten, von jeher für Trunkene und Wahnsinnige
1286
ausschreiten musste. Aber auch im gemeinen Leben ist's unerträglich, fast einem jeden
1287
bei halbweg einer freien, edlen, unerwarteten Tat nachrufen zu hören: ' der
1288
Mensch ist trunken, der ist närrisch!' Schämt euch, ihr Nüchternen! Schämt euch,
1289
ihr Weisen!" "Das sind nun wieder von deinen Grillen", sagte Albert, "du
1290
überspannst alles und hast wenigstens hier gewiss unrecht, dass du den Selbstmord, wovon
1291
jetzt die Rede ist, mit grossen Handlungen vergleichst: da man es doch für nichts
1292
anders als eine Schwäche halten kann. Denn freilich ist es leichter zu sterben,
1293
als ein qualvolles Leben standhaft zu ertragen". Ich war im Begriff
1294
abzubrechen; denn kein Argument bringt mich so aus der Fassung, als wenn einer mit
1295
einem unbedeutenden Gemeinspruche angezogen kommt, wenn ich aus ganzem Herzen
1296
rede.
1297
 
1298
Doch fasste ich mich, weil ich's schon oft gehört und mich öfter darüber
1299
geärgert hatte, und versetzte ihm mit einiger Lebhaftigkeit: "Du nennst das
1300
Schwäche? Ich bitte dich, lass dich vom Anscheine nicht verführen. Ein Volk, das
1301
unter dem unerträglichen Joch eines Tyrannen seufzt, darfst du das schwach
1302
heissen, wenn es endlich aufgärt und seine Ketten zerreisst? Ein Mensch, der über
1303
dem Schrecken, dass Feuer sein Haus ergriffen hat, alle Kräfte gespannt fühlt
1304
und mit Leichtigkeit Lasten wegträgt, die er bei ruhigem Sinne kaum bewegen
1305
kann; einer, der in der Wut der Beleidigung es mit sechsen aufnimmt und sie
1306
überwältig, sind die schwach zu nennen? Und, mein Guter, wenn Anstrengung Stärke ist,
1307
warum soll die Überspannung das Gegenteil sein?"—Albert sah mich an und sagte:
1308
"nimm mir's nicht übel, die Beispiele, die du gibst, scheinen hieher gar nicht
1309
zu gehören".—"Es mag sein", sagte ich, "man hat mir schon öfters vorgeworfen,
1310
dass meine Kombinationsart manchmal an Radotage grenze. Lasst uns denn sehen, ob
1311
wir uns auf eine andere Weise vorstellen können, wie dem Menschen zu Mute sein
1312
mag, der sich entschliesst, die sonst angenehme Bürde des Lebens abzuwerfen.
1313
Denn nur insofern wir mitempfinden, haben wir die Ehre, von einer Sache zu
1314
reden".
1315
 
1316
"Die menschliche Natur", fuhr ich fort, "hat ihre Grenzen: sie kann Freude,
1317
Leid, Schmerzen bis auf einen gewissen Grad ertragen und geht zugrunde, sobald
1318
der überstiegen ist. Hier ist also nicht die Frage, ob einer schwach oder
1319
stark ist, sondern ob er das Mass seines Leidens ausdauern kann, es mag nun
1320
moralisch oder körperlich sein. Und ich finde es ebenso wunderbar zu sagen, der
1321
Mensch ist feige, der sich das Leben nimmt, als es ungehörig wäre, den einen
1322
Feigen zu nennen, der an einem bösartigen Fieber stirbt".
1323
 
1324
"Paradox! Sehr paradox!" rief Albert aus.—"Nicht so sehr, als du denkst", versetzte
1325
ich. "Du gibst mir zu, wir nennen das eine Krankheit zum Tode, wodurch die
1326
Natur so angegriffen wird, dass teils ihre Kräfte verzehrt, teils so ausser
1327
Wirkung gesetzt werden, dass sie sich nicht wieder aufzuhelfen, durch keine
1328
glückliche Revolution den gewöhnlichen Umlauf des Lebens wieder herzustellen fähig
1329
ist.
1330
 
1331
Nun, mein Lieber, lass uns das auf den Geist anwenden. Sieh den
1332
Menschen an in seiner Eingeschränktheit, wie Eindrücke auf ihn wirken,
1333
Ideen sich bei ihm festsetzen, bis endlich eine wachsende Leidenschaft
1334
ihn aller ruhigen Sinneskraft beraubt und ihn zugrunde richtet.
1335
 
1336
Vergebens, dass der gelassene, vernünftige Mensch den Zustand Unglücklichen übersieht,
1337
vergebens, dass er ihm zuredet! Ebenso wie ein Gesunder, der am Bette des Kranken
1338
steht, ihm von seinen Kräften nicht das geringste einflössen kann".
1339
 
1340
Alberten war das zu allgemein gesprochen. Ich erinnerte ihn an ein Mädchen, das man
1341
vor weniger Zeit im Wasser tot gefunden, und wiederholte ihm ihre
1342
Geschichte.—"Ein gutes, junges Geschöpf, das in dem engen Kreise häuslicher
1343
Beschäftigungen, wöchentlicher bestimmter Arbeit herangewachsen war, das weiter keine
1344
Aussicht von Vergnügen kannte, als etwa Sonntags in einem nach und nach
1345
zusammengeschafften Putz mit ihresgleichen um die Stadt spazierenzugehen, vielleicht alle
1346
hohen Feste einmal zu tanzen und übrigens mit aller Lebhaftigkeit des
1347
herzlichsten Anteils manche Stunde über den Anlass eines Gezänkes, einer übeln Nachrede
1348
mit einer Nachbarin zu verplaudern—deren feurige Natur fühlt nun endlich
1349
innigere Bedürfnisse, die durch die Schmeicheleien der Männer vermehrt werden; ihre
1350
vorigen Freuden werden ihr nach und nach unschmackhaft, bis sie endlich einen
1351
Menschen antrifft, zu dem ein unbekanntes Gefühl sie unwiderstehlich hinreisst, auf
1352
den sie nun alle ihre Hoffnungen wirft, die Welt rings um sich vergisst, nichts
1353
hört, nichts sieht, nichts fühlt als ihn, den Einzigen, sich nur sehnt nach ihm,
1354
dem Einzigen. Durch die leeren Vergnügungen einer unbeständigen Eitelkeit
1355
nicht verdorben, zieht ihr Verlangen gerade nach dem Zweck, sie will die Seinige
1356
werden, sie will in ewiger Verbindung all das Glück antreffen, das ihr mangelt,
1357
die Vereinigung aller Freuden geniessen, nach denen sie sich sehnte.
1358
Wiederholtes Versprechen, das ihr die Gewissheit aller Hoffnungen versiegelt, kühne
1359
Liebkosungen, die ihre Begierden vermehren, umfangen ganz ihre Seele; sie schwebt in
1360
einem dumpfen Bewusstsein, in einem Vorgefühl aller Freuden, sie ist bis auf den
1361
höchsten Grad gespannt, sie streckt endlich ihre Arme aus, all ihre Wünsche zu
1362
umfassen—und ihr Geliebter verlässt sie.—Erstarrt, ohne Sinne steht sie vor einem
1363
Abgrunde; alles ist Finsternis um sie her, keine Aussicht, kein Trost, keine Ahnung!
1364
Denn der hat sie verlassen, in dem sie allein ihr Dasein fühlte. Sie sieht
1365
nicht die weite Welt, die vor ihr liegt, nicht die vielen, die ihr den Verlust
1366
ersetzen könnten, sie fühlt sich allein, verlassen von aller Welt,—und blind, in
1367
die Enge gepresst von der entsetzlichen Not ihres Herzens, stürzt sie sich
1368
hinunter, um in einem rings umfangenden Tode alle ihre Qualen zu ersticken.—Sieh,
1369
Albert, das ist die Geschichte so manches Menschen! Und sag', ist das nicht der
1370
Fall der Krankheit? Die Natur findet keinen Ausweg aus dem Labyrinthe der
1371
verworrenen und widersprechenden Kräfte, und der Mensch muss sterben. Wehe dem, der
1372
zusehen und sagen könnte: 'die Törin! Hätte sie gewartet, hätte sie die Zeit
1373
wirken lassen, die Verzweifelung würde sich schon gelegt, es würde sich schon ein
1374
anderer sie zu trösten vorgefunden haben.'—Das ist eben, als wenn einer sagte:
1375
'der Tor, stirbt am Fieber! Hätte er gewartet, bis seine Kräfte sich erholt,
1376
seine Säfte sich verbessert, der Tumult seines Blutes sich gelegt hätten: alles
1377
wäre gut gegangen, und er lebte bis auf den heutigen Tag! '"
1378
 
1379
Albert, dem die Vergleichung noch nicht anschaulich war, wandte noch einiges ein,
1380
und unter andern: ich hätte nur von einem einfältigen Mädchen gesprochen; wie
1381
aber ein Mensch von Verstande, der nicht so eingeschränkt sei, der mehr
1382
Verhältnisse übersehe, zu entschuldigen sein möchte, könne er nicht begreifen.—"Mein
1383
Freund", rief ich aus, "der Mensch ist Mensch, und das bisschen Verstand, das einer
1384
haben mag, kommt wenig oder nicht in Anschlag, wenn Leidenschaft wütet und die
1385
Grenzen der Menschheit einen drängen. Vielmehr—ein andermal davon", sagte ich und
1386
griff nach meinem Hute. O mir war das Herz so voll—und wir gingen auseinander,
1387
ohne einander verstanden zu haben. Wie denn auf dieser Welt keiner leicht den
1388
andern versteht.
1389
 
1390
Am 15. August
1391
 
1392
Es ist doch gewiss, dass in der Welt den Menschen nichts notwendig macht als
1393
die Liebe. Ich fühl's an Lotten, dass sie mich ungern verlöre, und die Kinder
1394
haben keinen andern Begriff, als dass ich immer morgen wiederkommen würde. Heute
1395
war ich hinausgegangen, Lottens Klavier zu stimmen, ich konnte aber nicht dazu
1396
kommen, denn die Kleinen verfolgten mich um ein Märchen, und Lotte sagte selbst,
1397
ich sollte ihnen den Willen tun. Ich schnitt ihnen das Abendbrot, das sie nun
1398
fast so gern von mir als von Lotten annehmen, und erzählte ihnen das
1399
Hauptstückchen von der Prinzessin, die von Händen bedient wird. Ich lerne viel dabei, das
1400
versichre ich dich, und ich bin erstaunt, was es auf sie für Eindrücke macht. Weil
1401
ich manchmal einen Inzidentpunkt erfinden muss, den ich beim zweitenmal
1402
vergesse, sagen sie gleich, das vorigemal wär' es anders gewesen, so dass ich mich
1403
jetzt übe, sie unveränderlich in einem singenden Silbenfall an einem Schnürchen
1404
weg zu rezitieren. Ich habe daraus gelernt, wie ein Autor durch eine zweite,
1405
veränderte Ausgabe seiner Geschichte, und wenn sie poetisch noch so besser geworden
1406
wäre, notwendig seinem Buche schaden muss. Der erste Eindruck findet uns willig,
1407
und der Mensch ist gemacht, dass man ihn das Abenteuerlichste überreden kann;
1408
das haftet aber auch gleich so fest, und wehe dem, der es wieder auskratzen
1409
und austilgen will!
1410
 
1411
Am 18. August
1412
 
1413
Musste denn das so sein, dass das, was des Menschen Glückseligkeit macht, wieder
1414
die Quelle seines Elendes würde?
1415
 
1416
Das volle, warme Gefühl meines Herzens an der lebendigen Natur, das mich mit
1417
so vieler Wonne überströmte, das rings umher die Welt mir zu einem Paradiese
1418
schuf, wird mir jetzt zu einem unerträglichen Peiniger, zu einem quälenden Geist,
1419
der mich auf allen Wegen verfolgt. Wenn ich sonst vom Felsen über den Fluss bis
1420
zu jenen Hügeln das fruchtbare Tal überschaute und alles um mich her keimen
1421
und quellen sah; wenn ich jene Berge, vom Fusse bis auf zum Gipfel, mit hohen,
1422
dichten Bäumen bekleidet, jene Täler in ihren mannigfaltigen Krümmungen von den
1423
lieblichsten Wäldern beschattet sah, und der sanfte Fluss zwischen den lispelnden Rohren
1424
dahingleitete und die lieben Wolken abspiegelte, die der sanfte Abendwind am Himmel
1425
herüberwiegte; wenn ich dann die Vögel um mich den Wald beleben hörte, und die Millionen
1426
Mückenschwärme im letzten roten Strahle der Sonne mutig tanzten, und ihr letzter
1427
zuckender Blick den summenden Käfer aus seinem Grase befreite, und das Schwirren und
1428
Weben um mich her mich auf den Boden aufmerksam machte, und das Moos, das meinem
1429
harten Felsen seine Nahrung abzwingt, und das Geniste, das den dürren Sandhügel
1430
hinunter wächst, mir das innere, glühende, heilige Leben der Natur eröffnete: wie
1431
fasste ich das alles in mein warmes Herz, fühlte mich in der überfliessenden Fülle
1432
wie vergöttert, und die herrlichen Gestalten der unendlichen Welt bewegten
1433
sich allbelebend in meiner Seele. Ungeheure Berge umgaben mich, Abgründe lagen
1434
vor mir, und Wetterbäche stürzten herunter, die Flüsse strömten unter mir, und
1435
Wald und Gebirg erklang; und ich sah sie wirken und schaffen ineinander in den
1436
Tiefen der Erde, alle die unergründlichen Kräfte; und nun über der Erde und unter
1437
dem Himmel wimmeln die Geschlechter der mannigfaltigen Geschöpfe. Alles, alles
1438
bevölkert mit tausendfachen Gestalten; und die Menschen dann sich in Häuslein
1439
zusammen sichern und sich annisten und herrschen in ihrem Sinne über die weite
1440
Welt! Armer Tor! Der du alles so gering achtest, weil du so klein bist.—vom
1441
unzugänglichen Gebirge über die Einöde, die kein Fuss betrat, bis ans Ende des unbekannten
1442
Ozeans weht der Geist des Ewigschaffenden und freut sich jedes Staubes, der ihn
1443
vernimmt und lebt.—ach damals, wie oft habe ich mich mit Fittichen eines Kranichs,
1444
der über mich hin flog, zu dem Ufer des ungemessenen Meeres gesehnt, aus dem
1445
schäumenden Becher des Unendlichen jene schwellende Lebenswonne zu trinken und nur
1446
einen Augenblick in der eingeschränkten Kraft meines Busens einen Tropfen der
1447
Seligkeit des Wesens zu fühlen, das alles in sich und durch sich hervorbringt.
1448
 
1449
Bruder, nur die Erinnerung jener Stunden macht mir wohl. Selbst diese Anstrengung,
1450
jene unsäglichen Gelüste zurückzurufen, wieder auszusprechen, hebt meine Seele
1451
über sich selbst und lässt mich dann das Bange des Zustandes doppelt empfinden,
1452
der mich jetzt umgibt.
1453
 
1454
Es hat sich vor meiner Seele wie ein Vorhang weggezogen, und der Schauplatz
1455
des unendlichen Lebens verwandelt sich vor mir in den Abgrund des ewig offenen
1456
Grabes. Kannst du sagen: Das ist! Da alles vorübergeht? Da alles mit der
1457
Wetterschnelle vorüberrollt, so selten die ganze Kraft seines Daseins ausdauert, ach, in
1458
den Strom fortgerissen, untergetaucht und an Felsen zerschmettert wird? Da ist
1459
kein Augenblick, der nicht dich verzehrte und die Deinigen um dich her, kein
1460
Augenblick, da du nicht ein Zerstörer bist, sein musst; der harmloseste Spaziergang
1461
kostet tausend armen Würmchen das Leben, es zerrüttet ein Fusstritt die mühseligen
1462
Gebäude der Ameisen und stampft eine kleine Welt in ein schmähliches Grab. Ha!
1463
Nicht die grosse, seltne Not der Welt, diese Fluten, die eure Dörfer wegspülen,
1464
diese Erdbeben, die eure Städte verschlingen, rühren mich; mir untergräbt das
1465
Herz die verzehrende Kraft, die in dem All der Natur verborgen liegt; die
1466
nichts gebildet hat, das nicht seinen Nachbar, nicht sich selbst zerstörte. Und
1467
so taumle ich beängstigt. Himmel und Erde und ihre webenden Kräfte um mich
1468
her: ich sehe nichts als ein ewig verschlingendes, ewig wiederkäuendes
1469
Ungeheuer.
1470
 
1471
Am 21. August
1472
 
1473
Umsonst strecke ich meine Arme nach ihr aus, morgens, wenn ich von schweren
1474
Träumen aufdämmere, vergebens suche ich sie nachts in meinem Bette, wenn mich ein
1475
glücklicher, unschuldiger Traum getäuscht hat, als säss' ich neben ihr auf der Wiese und
1476
hielt' ihre Hand und deckte sie mit tausend Küssen. Ach, wenn ich dann noch halb
1477
im Taumel des Schlafes nach ihr tappe und drüber mich ermuntere—ein Strom von
1478
Tränen bricht aus meinem gepressten Herzen, und ich weine trostlos einer finstern
1479
Zukunft entgegen.
1480
 
1481
Am 22. August
1482
 
1483
Es ist ein Unglück, Wilhelm, meine tätigen Kräfte sind zu einer unruhigen
1484
Lässigkeit verstimmt, ich kann nicht müssig sein und kann doch auch nichts tun. Ich
1485
habe keine Vorstellungskraft, kein Gefühl an der Natur, und die Bücher ekeln
1486
mich an. Wenn wir uns selbst fehlen, fehlt uns doch alles. Ich schwöre dir,
1487
manchmal wünschte ich, ein Tagelöhner zu sein, um nur des Morgens beim Erwachen
1488
eine Aussicht auf den künftigen Tag, einen Drang, eine Hoffnung zu haben. Oft
1489
beneide ich Alberten, den ich über die Ohren in Akten begraben sehe, und bilde mir
1490
ein, mir wäre wohl, wenn ich an seiner Stelle wäre! Schon etlichemal ist mir's
1491
so aufgefahren, ich wollte dir schreiben und dem Minister, um die Stelle bei
1492
der Gesandtschaft anzuhalten, die, wie du versicherst, mir nicht versagt
1493
werden würde. Ich glaube es selbst. Der Minister liebt mich seit langer Zeit,
1494
hatte lange mir angelegen, ich sollte mich irgendeinem Geschäfte widmen; und
1495
eine Stunde ist mir's auch wohl drum zu tun. Hernach, wenn ich wieder dran
1496
denke und mir die Fabel vom Pferde einfällt, das, seiner Freiheit ungeduldig,
1497
sich Sattel und Zeug auflegen lässt und zuschanden geritten wird—ich weiss nicht,
1498
was ich soll.—und, mein Lieber! Ist nicht vielleicht das Sehnen in mir nach
1499
Veränderung des Zustands eine innere, unbehagliche Ungeduld, die mich überallhin
1500
verfolgen wird?
1501
 
1502
Am 28. August
1503
 
1504
Es ist wahr, wenn meine Krankheit zu heilen wäre, so würden diese Menschen es
1505
tun. Heute ist mein Geburtstag, und in aller Frühe empfange ich ein Päckchen
1506
von Alberten. Mir fällt beim Eröffnen sogleich eine der blassroten Schleifen in
1507
die Augen, die Lotte vor hatte, als ich sie kennen lernte, und um die ich sie
1508
seither etlichemal gebeten hatte. Es waren zwei Büchelchen in Duodez dabei, der
1509
kleine Wetsteinische Homer, eine Ausgabe, nach der ich so oft verlangt, um mich
1510
auf dem Spaziergange mit dem Ernestischen nicht zu schleppen. Sieh! So kommen
1511
sie meinen Wünschen zuvor, so suchen sie alle die kleinen Gefälligkeiten der
1512
Freundschaft auf, die tausendmal werter sind als jene blendenden Geschenke, wodurch uns
1513
die Eitelkeit des Gebers erniedrigt. Ich küsse diese Schleife tausendmal, und
1514
mit jedem Atemzuge schlürfe ich die Erinnerung jener Seligkeiten ein, mit
1515
denen mich jene wenigen, glücklichen, unwiederbringlichen Tage überfüllten.
1516
Wilhelm, es ist so, und ich murre nicht, die Blüten des Lebens sind nur
1517
Erscheinungen! Wie viele gehn vorüber, ohne eine Spur hinter sich zu lassen, wie wenige
1518
setzen Frucht an, und wie wenige dieser Früchte werden reif! Und doch sind deren
1519
noch genug da; und doch—o mein Bruder!—können wir gereifte Früchte
1520
vernachlässigen, verachten, ungenossen verfaulen lassen?
1521
 
1522
Lebe wohl! Es ist ein herrlicher Sommer; ich sitze oft auf den Obstbäumen in
1523
Lottens Baumstück mit dem Obstbrecher, der langen Stange, und hole die Birnen aus
1524
dem Gipfel. Sie steht unten und nimmt sie ab, wenn ich sie ihr herunterlasse.
1525
 
1526
Am 30. August
1527
 
1528
Unglücklicher! Bist du nicht ein Tor? Betriegst du dich nicht selbst? Was soll diese
1529
tobende, endlose Leidenschaft? Ich habe kein Gebet mehr als an sie; meiner
1530
Einbildungskraft erscheint keine andere Gestalt als die ihrige, und alles in der Welt um
1531
mich her sehe ich nur im Verhältnisse mit ihr. Und das macht mir denn so manche
1532
glückliche Stunde—bis ich mich wieder von ihr losreissen muss! Ach Wilhelm! Wozu mich
1533
mein Herz oft drängt!—wenn ich bei ihr gesessen bin, zwei, drei Stunden, und
1534
mich an ihrer Gestalt, an ihrem Betragen, an dem himmlischen Ausdruck ihrer
1535
Worte geweidet habe, und nun nach und nach alle meine Sinne aufgespannt werden,
1536
mir es düster vor den Augen wird, ich kaum noch höre, und es mich an die
1537
Gurgel fasst wie ein Meuchelmörder, dann mein Herz in wilden Schlägen den
1538
bedrängten Sinnen Luft zu machen sucht und ihre Verwirrung nur vermehrt—Wilhelm, ich
1539
weiss oft nicht, ob ich auf der Welt bin! Und—wenn nicht manchmal die Wehmut das
1540
Übergewicht nimmt und Lotte mir den elenden Trost erlaubt, auf ihrer Hand meine
1541
Beklemmung auszuweinen,—so muss ich fort, muss hinaus, und schweife dann weit im Felde
1542
umher; einen jähen Berg zu klettern ist dann meine Freude, durch einen unwegsamen
1543
Wald einen Pfad durchzuarbeiten, durch die Hecken, die mich verletzen, durch
1544
die Dornen, die mich zerreissen! Da wird mir's etwas besser! Etwas! Und wenn
1545
ich vor Müdigkeit und Durst manchmal unterwegs liegen bleibe, manchmal in der
1546
tiefen Nacht, wenn der hohe Vollmond über mir steht, im einsamen Walde auf einen
1547
krumm gewachsenen Baum mich setze, um meinen verwundeten Sohlen nur einige
1548
Linderung zu verschaffen, und dann in einer ermattenden Ruhe in dem Dämmerschein
1549
hinschlummre! O Wilhelm! Die einsame Wohnung einer Zelle, das härene Gewand und der
1550
Stachelgürtel wären Labsale, nach denen meine Seele schmachtet. Adieu! Ich sehe dieses
1551
Elendes kein Ende als das Grab.
1552
 
1553
Am 3. September
1554
 
1555
Ich muss fort! Ich danke dir, Wilhelm, dass du meinen wankenden
1556
Entschluss bestimmt hast. Schon vierzehn Tage gehe ich mit dem
1557
Gedanken um, sie zu verlassen. Ich muss fort. Sie ist wieder in der
1558
Stadt bei einer Freundin. Und Albert—und—ich muss fort!
1559
 
1560
Am 10. September
1561
 
1562
Das war eine Nacht! Wilhelm! Nun überstehe ich alles. Ich werde sie nicht
1563
wiedersehn! O dass ich nicht an deinen Hals fliegen, dir mit tausend Tränen und
1564
Entzückungen ausdrücken kann, mein Bester, die Empfindungen, die mein Herz bestürmen.
1565
Hier sitze ich und schnappe nach Luft, suche mich zu beruhigen, erwarte den
1566
Morgen, und mit Sonnenaufgang sind die Pferde bestellt.
1567
 
1568
Ach, sie schläft ruhig und denkt nicht, dass sie mich nie wieder sehen wird. Ich
1569
habe mich losgerissen, bin stark genug gewesen, in einem Gespräch von zwei
1570
Stunden mein Vorhaben nicht zu verraten. Und Gott, welch ein Gespräch!
1571
 
1572
Albert hatte mir versprochen, gleich nach dem Nachtessen mit Lotten im Garten zu
1573
sein. Ich stand auf der Terrasse unter den hohen Kastanienbäumen und sah der
1574
Sonne nach, die mir nun zum letztenmale über dem lieblichen Tale, über dem
1575
sanften Fluss unterging. So oft hatte ich hier gestanden mit ihr und eben dem
1576
herrlichen Schauspiele zugesehen, und nun—ich ging in der Allee auf und ab, die mir
1577
so lieb war; ein geheimer sympathetischer Zug hatte mich hier so oft
1578
gehalten, ehe ich noch Lotten kannte, und wie freuten wir uns, als wir im Anfang
1579
unserer Bekanntschaft die wechselseitige Neigung zu diesem Plätzchen entdeckten,
1580
das wahrhaftig eins von den romantischsten ist, die ich von der Kunst
1581
hervorgebracht gesehen habe.
1582
 
1583
Erst hast du zwischen den Kastanienbäumen die weite Aussicht—Ach, ich erinnere
1584
mich, ich habe dir, denk' ich, schon viel davon geschrieben, wie hohe
1585
Buchenwände einen endlich einschliessen und durch ein daranstossendes Boskett die Allee
1586
immer düsterer wird, bis zuletzt alles sich in ein geschlossenes Plätzchen
1587
endigt, das alle Schauer der Einsamkeit umschweben. Ich fühle es noch, wie
1588
heimlich mir's ward, als ich zum erstenmale an einem hohen Mittage hineintrat; ich
1589
ahnete ganz leise, was für ein Schauplatz das noch werden sollte von Seligkeit
1590
und Schmerz.
1591
 
1592
Ich hatte mich etwa eine halbe Stunde in den schmachtenden, süssen Gedanken des
1593
Abscheidens, des Wiedersehens geweidet, als ich sie die Terrasse heraufsteigen hörte.
1594
Ich lief ihnen entgegen, mit einem Schauer fasste ich ihre Hand und küsste sie.
1595
Wir waren eben heraufgetreten, als der Mond hinter dem buschigen Hügel
1596
aufging; wir redeten mancherlei und kamen unvermerkt dem düstern Kabinette näher.
1597
Lotte trat hinein und setzte sich, Albert neben sie, ich auch; doch meine Unruhe
1598
liess mich nicht lange sitzen; ich stand auf, trat vor sie, ging auf und ab,
1599
setzte mich wieder: es war ein ängstlicher Zustand. Sie machte uns aufmerksam auf
1600
die schöne Wirkung des Mondenlichtes, das am Ende der Buchenwände die ganze
1601
Terrasse vor uns erleuchtete: ein herrlicher Anblick, der um so viel frappanter
1602
war, weil uns rings eine tiefe Dämmerung einschloss. Wir waren still, und sie
1603
fing nach einer Weile an: "niemals gehe ich im Mondenlichte spazieren, niemals,
1604
dass mir nicht der Gedanke an meine Verstorbenen begegnete, dass nicht das
1605
Gefühl von Tod, von Zukunft über mich käme". "Wir werden sein!" fuhr sie mit der
1606
Stimme des herrlichsten Gefühls fort; "aber, Werther, sollen wir uns wieder
1607
finden? Wieder erkennen? Was ahnen Sie? Was sagen Sie?"
1608
 
1609
"Lotte", sagte ich, indem ich ihr die Hand reichte und mir die Augen voll Tränen
1610
wurden,"wir werden uns wiedersehn! Hier und dort wiedersehn!"—ich konnte nicht weiter
1611
reden—Wilhelm, musste sie mich das fragen, da ich diesen ängstlichen Abschied im Herzen
1612
hatte!
1613
 
1614
"Und ob die lieben Abgeschiednen von uns wissen", fuhr sie fort, "ob sie
1615
fühlen, wann's uns wohl geht, dass wir mit warmer Liebe uns ihrer erinnern? O! Die
1616
Gestalt meiner Mutter schwebt immer um mich, wenn ich am stillen Abend unter ihren
1617
Kindern, unter meinen Kindern sitze und sie um mich versammelt sind, wie sie um sie
1618
versammelt waren. Wenn ich dann mit einer sehnenden Träne gen Himmel sehe und
1619
wünsche, dass sie hereinschauen könnte einen Augenblick, wie ich mein Wort halte,
1620
das ich ihr in der Stunde des Todes gab: die Mutter ihrer Kinder zu sein. Mit
1621
welcher Empfindung rufe ich aus: 'verzeihe mir's, Teuerste, wenn ich ihnen nicht
1622
bin, was du ihnen warst. Ach! Tue ich doch alles, was ich kann; sind sie doch
1623
gekleidet, genährt, ach, und, was mehr ist als das alles, gepflegt und geliebt.
1624
Könntest du unsere Eintracht sehen, liebe Heilige! Du würdest mit dem heissesten
1625
Danke den Gott verherrlichen, den du mit den letzten, bittersten Tränen um die
1626
Wohlfahrt deiner Kinder batest.'"—Sie sagte das! O Wilhelm, wer kann wiederholen,
1627
was sie sagte! Wie kann der kalte, tote Buchstabe diese himmlische Blüte des
1628
Geistes darstellen! Albert fiel ihr sanft in die Rede: "es greift zu stark an,
1629
liebe Lotte! Ich weiss, Ihre Seele hängt sehr nach diesen Ideen, aber ich bitte
1630
Sie".—"O Albert", sagte sie, "ich weiss, du vergissest nicht die Abende, da wir
1631
zusammensassen an dem kleinen, runden Tischchen, wenn der Papa verreist war, und wir die
1632
Kleinen schlafen geschickt hatten. Du hattest oft ein gutes Buch und kamst so
1633
selten dazu, etwas zu lesen—war der Umgang dieser herrlichen Seele nicht mehr als
1634
alles? Die schöne, sanfte, muntere und immer tätige Frau! Gott kennt meine
1635
Tränen, mit denen ich mich oft in meinem Bette vor ihn hinwarf: er möchte mich ihr
1636
gleich machen".
1637
 
1638
"Lotte!" rief ich aus, indem ich mich vor sie hinwarf, ihre Hand nahm und mit
1639
tausend Tränen netzte, "Lotte! Der Segen Gottes ruht über dir und der Geist deiner
1640
Mutter!" "Wenn Sie sie gekannt hätten", sagte sie, indem sie mir die Hand
1641
drückte,—"sie war wert, von Ihnen gekannt zu sein!"—ich glaubte zu vergehen.
1642
 
1643
Nie war ein grösseres, stolzeres Wort über mich ausgesprochen worden—und sie
1644
fuhr fort:"und diese Frau musste in der Blüte ihrer Jahre dahin, da ihr jüngster
1645
Sohn nicht sechs Monate alt war! Ihre Krankheit dauerte nicht lange; sie war
1646
ruhig, hingegeben, nur ihre Kinder taten ihr weh, besonders das kleine. Wie es
1647
gegen das Ende ging und sie zu mir sagte: 'bringe mir sie herauf!' und wie ich
1648
sie hereinführte, die kleinen, die nicht wussten, und die ältesten, die ohne
1649
Sinne waren, wie sie ums Bette standen, und wie sie die Hände aufhob und über
1650
sie betete, und sie küsste nach einander und sie wegschickte und zu mir sagte:
1651
'sei ihre Mutter!'—Ich gab ihr die Hand drauf!—'Du versprichst viel, meine
1652
Tochter', sagte sie, 'das Herz einer Mutter und das Aug' einer Mutter. Ich habe oft
1653
an deinen dankbaren Tränen gesehen, dass du fühlst, was das sei. Habe es für
1654
deine Geschwister, und für deinen Vater die Treue und den Gehorsam einer Frau.
1655
Du wirst ihn trösten.'—Sie fragte nach ihm, er war ausgegangen, um uns den
1656
unerträglichen Kummer zu verbergen, den er fühlte, der Mann war ganz zerrissen.
1657
 
1658
Albert, du warst im Zimmer. Sie hörte jemand gehn und fragte und forderte dich zu
1659
sich, und wie sie dich ansah und mich, mit dem getrösteten, ruhigen Blicke, dass
1660
wir glücklich sein, zusammen glücklich sein würden".—Albert fiel ihr um den
1661
Hals und küsste sie und rief: "wir sind es! Wir werden es sein!"—der ruhige
1662
Albert war ganz aus seiner Fassung, und ich wusste nichts von mir selber.
1663
"Werther", fing sie an, "und diese Frau sollte dahin sein! Gott! Wenn ich manchmal
1664
denke, wie man das Liebste seines Lebens wegtragen lässt, und niemand als die
1665
Kinder das so scharf fühlt, die sich noch lange beklagten, die schwarzen Männer
1666
hätten die Mama weggetragen! "sie stand auf, und ich ward erweckt und
1667
erschüttert, blieb sitzen und hielt ihre Hand.—"Wir wollen fort", sagte sie, "es wird
1668
Zeit".—Sie wollte ihre Hand zurückziehen, und ich hielt sie fester.—"wir werden uns
1669
wieder sehen" rief ich, "wir werden uns finden, unter allen Gestalten werden wir
1670
uns erkennen. Ich gehe", fuhr ich fort, "ich gehe willig, und doch, wenn ich
1671
sagen sollte auf ewig, ich würde es nicht aushalten. Leb' wohl, Lotte! Leb'
1672
wohl, Albert! Wir sehn uns wieder".—"Morgen, denke ich", versetzte sie
1673
scherzend.—Ich fühlte das Morgen! Ach, sie wusste nicht, als sie ihre Hand aus der meinen
1674
zog—Sie gingen die Allee hinaus, ich stand, sah ihnen nach im Mondscheine und warf
1675
mich an die Erde und weinte mich aus und sprang auf und lief auf die Terrasse
1676
hervor und sah noch dort unten im Schatten der hohen Lindenbäume ihr weisses Kleid
1677
nach der Gartentür schimmern, ich streckte meine Arme aus, und es verschwand.
1678
EOT;
1679
 
1680
    /*
1681
    End of the Project Gutenberg EBook of Die Leiden des jungen Werther--Buch 1, by
1682
    Johann Wolfgang von Goethe
1683
 
1684
    *** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER ***
1685
 
1686
    ***** This file should be named 2407-8.txt or 2407-8.zip *****
1687
    This and all associated files of various formats will be found in:
1688
            http://www.gutenberg.org/2/4/0/2407/
1689
 
1690
    Produced by Michael Pullen, globaltraveler5565@yahoo.com
1691
    with proofreading and correction by Dr. Mary Cicora,
1692
    mcicora@yahoo.com.
1693
 
1694
    Updated editions will replace the previous one--the old editions
1695
    will be renamed.
1696
 
1697
    Creating the works from public domain print editions means that no
1698
    one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
1699
    (and you!) can copy and distribute it in the United States without
1700
    permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
1701
    set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
1702
    copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
1703
    protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
1704
    Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
1705
    charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
1706
    do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
1707
    rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
1708
    such as creation of derivative works, reports, performances and
1709
    research.  They may be modified and printed and given away--you may do
1710
    practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
1711
    subject to the trademark license, especially commercial
1712
    redistribution.
1713
 
1714
    *** START: FULL LICENSE ***
1715
 
1716
    THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
1717
    PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
1718
 
1719
    To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
1720
    distribution of electronic works, by using or distributing this work
1721
    (or any other work associated in any way with the phrase "Project
1722
    Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
1723
    Gutenberg-tm License (available with this file or online at
1724
    http://gutenberg.org/license).
1725
 
1726
    Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
1727
    electronic works
1728
 
1729
    1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
1730
    electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
1731
    and accept all the terms of this license and intellectual property
1732
    (trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
1733
    the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
1734
    all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
1735
    If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
1736
    Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
1737
    terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
1738
    entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
1739
 
1740
    1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
1741
    used on or associated in any way with an electronic work by people who
1742
    agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
1743
    things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
1744
    even without complying with the full terms of this agreement.  See
1745
    paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
1746
    Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
1747
    and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
1748
    works.  See paragraph 1.E below.
1749
 
1750
    1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
1751
    or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
1752
    Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
1753
    collection are in the public domain in the United States.  If an
1754
    individual work is in the public domain in the United States and you are
1755
    located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
1756
    copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
1757
    works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
1758
    are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
1759
    Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
1760
    freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
1761
    this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
1762
    the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
1763
    keeping this work in the same format with its attached full Project
1764
    Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
1765
 
1766
    1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
1767
    what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
1768
    a constant state of change.  If you are outside the United States, check
1769
    the laws of your country in addition to the terms of this agreement
1770
    before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
1771
    creating derivative works based on this work or any other Project
1772
    Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
1773
    the copyright status of any work in any country outside the United
1774
    States.
1775
 
1776
    1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
1777
 
1778
    1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
1779
    access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
1780
    whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
1781
    phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
1782
    Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
1783
    copied or distributed:
1784
 
1785
    This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
1786
    almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
1787
    re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
1788
    with this eBook or online at www.gutenberg.org
1789
 
1790
    1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
1791
    from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
1792
    posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
1793
    and distributed to anyone in the United States without paying any fees
1794
    or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
1795
    with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
1796
    work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
1797
    through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
1798
    Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1799
    1.E.9.
1800
 
1801
    1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
1802
    with the permission of the copyright holder, your use and distribution
1803
    must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
1804
    terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
1805
    to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
1806
    permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
1807
 
1808
    1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
1809
    License terms from this work, or any files containing a part of this
1810
    work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
1811
 
1812
    1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
1813
    electronic work, or any part of this electronic work, without
1814
    prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
1815
    active links or immediate access to the full terms of the Project
1816
    Gutenberg-tm License.
1817
 
1818
    1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
1819
    compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
1820
    word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
1821
    distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
1822
    "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
1823
    posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
1824
    you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
1825
    copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
1826
    request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
1827
    form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
1828
    License as specified in paragraph 1.E.1.
1829
 
1830
    1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
1831
    performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
1832
    unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
1833
 
1834
    1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
1835
    access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
1836
    that
1837
 
1838
    - You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
1839
         the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
1840
         you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
1841
         owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
1842
         has agreed to donate royalties under this paragraph to the
1843
         Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
1844
         must be paid within 60 days following each date on which you
1845
         prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
1846
         returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
1847
         sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
1848
         address specified in Section 4, "Information about donations to
1849
         the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
1850
 
1851
    - You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
1852
         you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
1853
         does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
1854
         License.  You must require such a user to return or
1855
         destroy all copies of the works possessed in a physical medium
1856
         and discontinue all use of and all access to other copies of
1857
         Project Gutenberg-tm works.
1858
 
1859
    - You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
1860
         money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
1861
         electronic work is discovered and reported to you within 90 days
1862
         of receipt of the work.
1863
 
1864
    - You comply with all other terms of this agreement for free
1865
         distribution of Project Gutenberg-tm works.
1866
 
1867
    1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
1868
    electronic work or group of works on different terms than are set
1869
    forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
1870
    both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
1871
    Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
1872
    Foundation as set forth in Section 3 below.
1873
 
1874
    1.F.
1875
 
1876
    1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
1877
    effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
1878
    public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
1879
    collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
1880
    works, and the medium on which they may be stored, may contain
1881
    "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
1882
    corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
1883
    property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
1884
    computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
1885
    your equipment.
1886
 
1887
    1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
1888
    of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
1889
    Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
1890
    Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
1891
    Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
1892
    liability to you for damages, costs and expenses, including legal
1893
    fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
1894
    LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
1895
    PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
1896
    TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
1897
    LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
1898
    INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
1899
    DAMAGE.
1900
 
1901
    1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
1902
    defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
1903
    receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
1904
    written explanation to the person you received the work from.  If you
1905
    received the work on a physical medium, you must return the medium with
1906
    your written explanation.  The person or entity that provided you with
1907
    the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
1908
    refund.  If you received the work electronically, the person or entity
1909
    providing it to you may choose to give you a second opportunity to
1910
    receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
1911
    is also defective, you may demand a refund in writing without further
1912
    opportunities to fix the problem.
1913
 
1914
    1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
1915
    in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
1916
    WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
1917
    WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
1918
 
1919
    1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
1920
    warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
1921
    If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
1922
    law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
1923
    interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
1924
    the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
1925
    provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
1926
 
1927
    1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
1928
    trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
1929
    providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
1930
    with this agreement, and any volunteers associated with the production,
1931
    promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
1932
    harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
1933
    that arise directly or indirectly from any of the following which you do
1934
    or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
1935
    work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
1936
    Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
1937
 
1938
    Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
1939
 
1940
    Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
1941
    electronic works in formats readable by the widest variety of computers
1942
    including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
1943
    because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
1944
    people in all walks of life.
1945
 
1946
    Volunteers and financial support to provide volunteers with the
1947
    assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
1948
    goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
1949
    remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
1950
    Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
1951
    and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
1952
    To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
1953
    and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
1954
    and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
1955
 
1956
 
1957
    Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
1958
    Foundation
1959
 
1960
    The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
1961
    501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
1962
    state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
1963
    Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
1964
    number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
1965
    http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
1966
    Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
1967
    permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
1968
 
1969
    The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
1970
    Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
1971
    throughout numerous locations.  Its business office is located at
1972
    809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
1973
    business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
1974
    information can be found at the Foundation's web site and official
1975
    page at http://pglaf.org
1976
 
1977
    For additional contact information:
1978
         Dr. Gregory B. Newby
1979
         Chief Executive and Director
1980
         gbnewby@pglaf.org
1981
 
1982
    Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
1983
    Literary Archive Foundation
1984
 
1985
    Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
1986
    spread public support and donations to carry out its mission of
1987
    increasing the number of public domain and licensed works that can be
1988
    freely distributed in machine readable form accessible by the widest
1989
    array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
1990
    ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
1991
    status with the IRS.
1992
 
1993
    The Foundation is committed to complying with the laws regulating
1994
    charities and charitable donations in all 50 states of the United
1995
    States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
1996
    considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
1997
    with these requirements.  We do not solicit donations in locations
1998
    where we have not received written confirmation of compliance.  To
1999
    SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
2000
    particular state visit http://pglaf.org
2001
 
2002
    While we cannot and do not solicit contributions from states where we
2003
    have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
2004
    against accepting unsolicited donations from donors in such states who
2005
    approach us with offers to donate.
2006
 
2007
    International donations are gratefully accepted, but we cannot make
2008
    any statements concerning tax treatment of donations received from
2009
    outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.
2010
 
2011
    Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
2012
    methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
2013
    ways including checks, online payments and credit card donations.
2014
    To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
2015
 
2016
    Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
2017
    works.
2018
 
2019
    Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
2020
    concept of a library of electronic works that could be freely shared
2021
    with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
2022
    Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
2023
 
2024
    Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
2025
    editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
2026
    unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
2027
    keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
2028
 
2029
    Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
2030
 
2031
         http://www.gutenberg.org
2032
 
2033
    This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
2034
    including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
2035
    Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
2036
    subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
2037
    */
2038
}